Film

Filmkritik: Damsel

BERLINALE 2018 – WETTBEWERB: Eigentlich konnte man sich freuen: Eine Komödie, die sich die Stereotype des Westerns parodistisch vorknöpft, deutete sich schon mit dem Titel von Damsel an, dem Wettbewerbseitrag der amerikanischen Regie-Brüder David und Nathan Zellner. Schließlich kann man sich diesem angestaubten Genre heute kaum noch widmen, ohne das ein oder andere Motiv, wie die “Damsel in Distress” (dt. Jungfrau in Nöten), zu überdenken. Doch was auch immer sich die Zellners gedacht hatten, lässt ihr Film in ungelenkem Klamauk untergehen.

Damsel

Offenbar mehrfach auf den Kopf gefallen: Samuel (Robert Pattinson) | © Strophic Productions Limited

Der Held, nach dem niemand gerufen hat

Dabei ist die Eröffnungsszene noch recht ansehnlich: In der staubtrockenen Einöde, irgendwo im Wilden Westen, warten Henry (David Zellner) und ein Pastor (Robert Forster) vergeblich auf die Postkutsche und führen einen Dialog über die Wildheit dieser Gegend. Henry ist aus Baltimore hierhergekommen, um über den Tod seiner Ehefrau hinwegzukommen, während der Pastor meist vergeblich versucht hat, den Ureinwohnern den christlichen Glauben nahezubringen. Als die Kutsche weiter auf sich warten lässt, überlässt der Pastor schließlich Henry die Reste seiner Bibel und sein Gewand und macht sich kurzerhand aus dem Staub.

Henry weiß mit seiner neuen Berufung nicht viel anzufangen und wird einige Zeit später vom jungen Unternehmer Samuel Alabaster (Robert Pattinson) aus seiner Volltrunkenheit geweckt. Gegen Bares soll er den dümmlich aber wohlhabend daherkommenden Samuel auf dem Weg zu seiner Verlobten Penelope (Mia Wasikowska) begleiten und die beiden schließlich trauen. Als Verlobungsgeschenk führt Samuel ein Miniaturpony mit – ein lebendiger Konversationstreiber, meint er (und für die Regie-Brüder anscheinend ein Gag-Garant an sich).

Damsel

Weiß sich selbst zu helfen: Penelope (Mia Wasikowska)

Keine Jungfrau, keine Nöte

Und so traben sie durch beeindruckende Landschaften, die Kameramann Adam Stone wirklich wunderbar einfängt – nur der Plot will so ganz und gar nicht interessieren. Auch als Samuel erklärt, dass Penelope von einem Schurken entführt worden ist. Und selbst als die beiden schließlich auf Penelope treffen. Diese sieht sich ganz und gar nicht als Jungfrau in Nöten, sondern lebt zufrieden und glücklich mit ihrem Mann.

Grobe Ansätze, billiger Klamauk

Man könnte den dürftigen Plot beiseite schieben, wenn die Gags von Damsel nicht so häufig deplatziert oder völlig gegenstandlos wirken würden. Die Witze darüber, dass Samuel nicht der Hellste ist, haben sich sehr schnell abgenutzt. Und auch die schrägen Gestalten, denen er und Henry auf ihrem Weg begegnen, scheinen keine Funktion zu erfüllen außer einfach den Wilden Westen als Ort unvorstellbarer Absurdität zu karikieren. Nach der Konfrontation mit der waffenkundigen Nicht-Damsel Penelope ab der zweiten Hälfte des Films gibt es zwar die ein oder andere Szene mit funktionierender Situationskomik. Aber bis dahin muss man einen bizarren Reigen an seltsamem Humor über sich ergehen lassen, der andeutungsweise etwas über Stereotype zu sagen hat, aber nie zu Ende gedacht ist. So wirkt Damsel insgesamt wie das unausgereifte Ergebnis eines feuchtfröhlichen Skript-Brainstormings der Zellners. Ein sicherlich spaßiger Prozess, im Ergebnis aber ein Ärgernis.

DamselDamsel

USA 2018

Regie & Drehbuch: David Zellner, Nathan Zellner

Besetzung: Robert Pattinson, Mia Wasikowska, Robert Forster, David Zellner

113 Min. Kinostart Deutschland: unbekannt

culturshock-Wertung: 4/10

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