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Serienkritik: Black Monday

In vielerlei Hinsicht ist es eine Frage des Geschmacks, ob man an der Comedy-Serie Black Monday dranbleibt. Da wäre beispielsweise diese scheußliche Krawattennadel in Form eines Smaragds, die gleich in der ersten Szene als eine Art MacGuffin eingeführt wird. Ein vermeintlicher Selbstmörder trägt sie angepinnt an seine blutbesudelte Seidenkrawatte, nachdem er rund zwanzig Stockwerke tief auf eine rote Lamborghini-Limousine gestürzt ist. Lamborghini-Limousine? Genau – es sind die 80er. Wer der oder die Tote ist, wird erst in der letzten Folge von Black Monday enthüllt, deren Handlung an einem schicksalhaften Tag stattfindet: 19. Oktober 1987.

Ein rätselhafter Crash – „bis jetzt“

Dieser Tag läutete den bis dahin größten Kurssturz des Dow Jones innerhalb eines Tages ein – er fiel um fast ein Viertel seines Werts. Was das Handelsblatt heute „Die Mutter aller Börsenpannen“ nennt, bleibt Ökonomen ein Rätsel, da sich keine klaren Ursachen für diesen Crash ausmachen lassen. „Bis jetzt“, verkündet Black Monday in den Opening Credits großspurig, spult dann 365 Tage vor den Crash zurück und rollt einen Handlungsteppich aus, auf dem drei Charaktere sich besonders breitmachen werden:

Der dauerkoksende, großmäulige und größenwahnsinnige Maurice Monroe (Don Cheadle), genannt Mo, Chef einer Investmentgesellschaft namens Jammer Group. In dieser arbeitet unter anderem seine etwas vernünftigere und talentierte Ex-Freundin Dawn Darcy (Regina Hall) als Traderin. Und schließlich Blair Pfaff (Andrew Rannells), ein Neuling an der Wall Street, die ihn gleich am ersten Tag zerkaut und ausspuckt, bevor Mo sich seiner erbarmt. Da hat sie anscheinend doch Glück gebracht, die Smaragd-Krawattennadel, die Blairs Freundin Tiffany (Casey Wilson) ihm an dem Morgen noch angesteckt hat.

Black Monday

Mo (Don Cheadle) in seiner Lambo-Limo, die “weder den Komfort einer Limousine, noch die Geschwindigkeit eines Lamborghini bietet.”

Und ebendiese Krawattennadel wandert in den nächsten neun Folgen von einer schrägen Wall Street-Figur zur nächsten. Das erinnert daran, dass die Haupthandlung für eine Person besonders fatale Folgen haben wird. In seinem drogeninduzierten Größenwahn beschließt Mo nämlich, massiv in die traditionelle Frauen-Jeansmarke Georgina Jeans zu investieren und eine Fremdübernahme anzusteuern. Dafür leiht er sich Geld von den Yakuza und manipuliert Blair, dessen Freundin Tiffany sich als Georgina-Erbin entpuppt. Weshalb die Traditionsfirma bislang jeder Fremdübernahme getrotzt hat und Mo wahrscheinlich auf seinen Anteilen sitzen bleiben wird, eröffnen ihm die süffisanten Lehman-Zwillinge (beide von Ken Marino als inzestuöses Brüderpaar gespielt) erst hinterher. Mo ist also auf die Expertise seiner Trader angewiesen, die fast allesamt abgestumpfte, koksende, derbhumorige und skrupellose Chaoten sind. Nur Dawn, für die Mo noch immer Gefühle hat, kann ihm aus der Misere helfen.

Wall Street-Comedy für Außenseiter

Umgeben ist dieser Plot von satirischen Seitenhieben auf den Wahnwitz der 80er. Butler-Roboter, Anzüge von Bijan, Big Hair und Haarfön-große Mobiltelefone werden von den Figuren als das Nonplusultra an Stil und technologischem Fortschritt gefeiert. Währenddessen ist das Umfeld von Mo und seinen Angestellten geprägt von offenem Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Black Monday macht sich einen Spaß daraus, diesen Zeitgeist zu überzeichnen und uns seine Rückständigkeit wiederholt vor Augen zu führen. Dank einer guten Besetzung und anspielungsreichen Dialogen sind der Serie einige Lacher sicher, während andere Gags etwas infantil geraten sind. Dass sich die amerikanischen Serienkritiker einen ernsthafteren Blick und mehr Tiefe in der Sozialkritik gewünscht hätten, ist dennoch nicht gänzlich nachvollziehbar.

Denn das Erfrischende an Black Monday ist ja gerade, dass diese Serie gar nicht erst versucht uns die Komplexitäten eines außer Kontrolle geratenen Finanzmarktes zu erklären. Dies sei weiterhin Produktionen wie The Big Short und Bad Banks überlassen. Nach deren Anschauen kann man sich zumindest einreden, die monströsen Auswüchse des heutigen Aktienhandels besser zu verstehen. Nein, Black Monday will unterhalten und amüsieren – und zwar diejenigen, die mit Aktien nichts zu schaffen haben, aber am Ende dennoch die Folgen eines Börsencrashs mittragen müssen. Über diese Ungerechtigkeit kann und sollte man sich aufregen. Aber es schadet nichts, über die Wall Street-Wahnsinnigen auch zu lachen.

Black Monday

USA 2019
Entwickelt von: Jordan Cahan, David Caspe
Besetzung: Don Cheadle, Andrew Rannells, Regina Hall, Paul Scheer, Casey Wilson, Horatio Sanz, Yassir Lester, Ken Marino
1 Staffel à 10 Episoden (Stand: 2019)
Episodenlänge: 30-35 Min.
Erstausstrahlung: Showtime
Verfügbar in Deutschland auf: Sky

culturshock-Wertung: 6/10

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