Inhalt:

Jugend und Wahn

28. Feb 12: Jason Reitmans vierter Streich ist wohl auch sein bislang bester: Young Adult | Dobrila Kontić

Flash is required!

Wenn man an Filme übers Erwachsenwerden denkt, kommen einem zunächst gängige Coming of Age-Dramen wie Spielbergs Stand By Me, oder die deutsche Romanverfilmung Crazy in den Sinn, die ihre jugendlichen Protagonisten im Verlauf der Handlung durch prägende Erlebnisse desillusionieren und ihnen damit wertvolle Einblicke in den kommenden Lebensabschnitt gewähren. Man denkt wohl kaum an eine geschiedene und depressive 37-Jährige, die ihren Teenager-Jahren nachhängt und sich in diese mit erschreckendem Eifer zurückkatapultieren will, wie es in Jason Reitmans Young Adult der Fall ist. Ein beeindruckender Film über die Absurdität und die wahren Hintergründe des Jugendwahns.

Es ist das Foto einer Neugeborenen, das die allein lebende Mittdreißigerin Mavis Gary (Charlize Theron) schließlich überschnappen lässt: Sie packt ihren Koffer, nimmt ihr Handtaschenhündchen Dulce mit und macht sich in ihrem Mini-Cooper auf den Weg in ihr Heimatkaff Mercury, Minnesota. Eigentlich hatte sie vor Jahren schon mit diesem Ort abgeschlossen und war in die nächste Großstadt Minneapolis gezogen, wo sie sich eine unglamouröse Existenz als Ghostwriterin einer Jugendbuch-Reihe aufgebaut hatte, die nun ihr Ende finden soll. Doch in Mercury scheint jemand auf sie zu warten: Buddy Slade (Patrick Wilson), ihre einstige Highschool-Liebe und der frischgebackene Vater der Neugeborenen auf dem Foto. Mavis will ihn aus seinem vermeintlichen Kleinstadt-Mief in die Großstadt ‚retten‘ und ihre Teenager-Romanze wieder aufleben lassen, schließlich hat sie mit ihm die beste Zeit ihres Lebens gehabt. Dass Buddy inzwischen glücklich verheiratet und mit seinem Dasein als liebevoller Vater durchaus zufrieden scheint, will Mavis partout nicht wahrhaben. Trotz der gutgemeinten Ratschläge von Matt (Patton Oswalt), einem ehemaligen Mitschüler, den sein Außenseitertum in Teenager-Jahren fürs Leben gezeichnet hat, läuft sie blindlings in ihr Unheil: die Realität.

„Alle werden älter, aber nicht jeder wird erwachsen.“ Der Spruch, der die Plakate zu Young Adult ziert, bringt die Essenz dieses Films gekonnt auf den Punkt, auch wenn sich seine finale tragische Bedeutung zu Beginn nicht ganz abschätzen lässt. Denn obwohl Jason Reitmans bisherige Regie-Arbeiten (Thank You for Smoking, Juno, Up in the Air) für ihr Changieren zwischen bitteren und süßen Momenten bekannt sind, herrschte in keinem ein so extremes Aufprallen von Komik und Tragik, wie das bei Young Adult der Fall ist. Das dürfte zuvorderst an der brillanten Charakterzeichnung liegen: Charlize Therons präzise Darstellung von Mavis vermag es einerseits bei dem Zuschauer Gefühle wie Fremdscham, Mitleid und Belustigung auszulösen, birgt aber auch in den Momenten der harschen Konfrontation mit der Realität ein Identifikationspotenzial, das man sich kaum eingestehen mag. Ein Film, der die Sehnsucht nach der einstigen Jugend als das bloßstellt, was sie ist: eine regressive Flucht ohne Ausweg.

Young Adult
Paramount Pictures, USA 2011
Regie: Jason Reitman. Drehbuch: Diablo Cody.
Hauptdarsteller u.a.: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson
94 Min. Dt. Kinostart: 23. Februar 2012

Seitenleiste:

Alle Beiträge aus Kino & TV:

Abonnieren

Wir bei...

Weitersagen

Facebook

Twitter

Delicous

Weitere

Fusszeile: