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04. Nov 09: Wenn Dummheit mit dem Jenseits flirtet - Wendy Northcutts Sachbuch Die Darwin Awards | Jana Brinckmann
Die Natur ist schon ein beeindruckendes System. Arten entstehen, passen sich den aktuellen Bedingungen an und werden wieder ausgelöscht oder erledigen es selbst. Einigen Mitmenschen dauert die Selbstregulation der Natur allerdings zu lange, weshalb sie sich zur spontanen Abhilfe hinreißen lassen. Wie? Sie sterben eigenverschuldet aus Dummheit und bringen uns der Verbesserung des Genpools immer näher. Für die eigenwilligsten Methoden wird seit 1994 der Darwin Award verliehen. Zum Beispiel ging der Preis an einen „zerstreuten Terroristen, der zu wenig Porto auf seine Briefbombe klebte und das zurückerhaltene Päckchen später selbst wieder öffnete“.
Die glorreiche Idee für den „Negativpreis“ hatte der Cousin, ein Philosoph, der Molekularbiologin Wendy Northcutt. Sie entwickelte diese jedoch weiter und begann noch während des Studiums an der Berkeley-Universität in Kalifornien eifrig mit der Umsetzung. Anfangs als skurriles Hobby gedacht, sammelte sie seit 1993 Meldungen und „Urban Legends“ über bizarre Todesfälle, die sie zunächst per Mail an Freunde schickte. Schnell wird klar, Frau Northcutt ist nicht die einzige mit einem schwarzen Humor. Und just entstanden Die Darwin Awards mit Charles Darwin als Namens- und Bedeutungspaten. Der erste Schritt zur weltweiten Etablierung der Auszeichnung war dann die Erstellung einer Website, auf der sie ihre Geschichten für alle zum Lesen, Lachen, Diskutieren, Ergänzen und Abstimmen, hinterlegte. Nachdem der Erfolg für sich selbst sprach, fasste Wendy Northcutt viele preisgekrönte Geschichten in ihrem ersten Buch zusammen, dessen Originalausgabe im Jahre 2000 unter dem Titel The Darwin Awards: Evolution in Action (Dutton/Penguin Group, NY) erschien.
Das Amüsement beginnt aber bereits mit der Einleitung des Buches, in der u.a. geklärt wird was der unrühmliche Preis überhaupt ist, welche Gründe ihn rechtfertigen und wer teilnehmen darf. Sehr schön sind auch die fünf harten Auswahlkriterien formuliert, die zusammengefasst lauten: Der Teilnehmer/Teilnehmerin muss nachweislich auf eigenverschuldete, originelle („Mangel an Urteilsfähigkeit“) Art und Weise zu Tode gekommen sein, obwohl er/sie „über ein gesundes Urteilsvermögen“ verfügen sollte. Dadurch fallen z.B. Kinder und Alzheimer-Kranke heraus. Im Anschluss erwarten den Leser elf Kapitel, die von „Tierisches Pech“, „Gefährliches Familienleben“ über „Fatale Stürze“, „Gefährliche Liebschaften“ und „Strafende Gerechtigkeit“ bis hin zu „Penisneid“ viele kuriose Todesfälle abdecken.
Das erste Buch zu den Darwin Awards ist leicht und witzig geschrieben. Sehr gelungen sind auch die Erklärungen sowie die kurze, spritzige Biografie der Autorin. Anders als bei den Nachfolgern Neue Darwin Awards (November 2003) und Neueste Darwin Awards (April 2005), enthält diese Version noch „Urban Legends“, was den Auswahlkriterien bezüglich des Wahrheitsgehaltes zwar widerspricht, dem schwarz-humoristischen Genuss aber keineswegs schadet. Alles in allem ist es eine interessante Lektüre für Zwischendurch, die sich allerdings nicht für besonders zarte oder gar mitfühlende Gemüter eignet, denn einige Fälle sind nicht nur grob fahrlässig und dumm, sondern auch sehr anstößig.
Original-Hompage von The Darwin Awards
deutsche Version von The Darwin Awards
| Wendy Northcutt: |
| Die Darwin Awards. Die skurrilsten Arten, zu Tode zu kommen. Sachbuch |
| Übersetzt aus dem Amerikanischen von Almuth Dittmar-Kolb. |
| Goldmann Verlag, München 2003. 272 S., 7,90 Euro. |
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