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Der moderne Vagabund

11. Mar 10: Jason Reitmans Tragikomödie Up in the Air | Dobrila Kontic

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Sechs Nominierungen konnte Up in the Air bei der diesjährigen Oscar-Verleihung verbuchen, ging am Ende aber leer aus. Leider – denn die Tragikomödie über das scheinbar sorglose Leben eines Business-Vagabunden changiert gekonnt zwischen grotesk-komischen und größtenteils kitschfreien, emotionalen Momenten. Dazu liefert die Romanadaption noch einen kritischen Blick auf die westliche Leistungsgesellschaft, in der Freiheit und Ungebundenheit Segen und Fluch zugleich sein können.

Flughallen, Hotels, Büroräume – das sind die Orte, an denen sich Ryan Bingham (George Clooney) vorzugsweise aufhält. Als Angestellter einer Firma, die sich auf das professionelle Entlassen von Angestellten anderer Unternehmen in ganz Amerika spezialisiert hat, erlebt er häufig emotionale Momente mit, verliert aber nie die Fassung. Er schätzt seine Arbeit, erlaubt sie ihm doch, das ganze Land zu bereisen, dabei obsessiv Flugmeilen zu sammeln und sich von dem Ballast emotionaler Bindungen dauerhaft zu distanzieren. Daher kommt es ihm höchst ungelegen, als die junge College-Absolventin Natalie Keener (Anna Kendrick) mit einer innovativen Idee die Vorgehensweise der Firma und damit auch sein Leben radikal umstrukturieren will: Künftig sollen die bedauernswerten Mitarbeiter der feigen Auftraggeber nicht mehr in einem persönlichen Gespräch über ihre Entlassung informiert werden, sondern per Videokonferenz. Dies soll eine effiziente Kostensenkung gewährleisten und Bingham und seinen Kollegen ein Leben ermöglichen, in dem sie sich niederlassen und an einem Ort verweilen können. Ein Alptraum für Bingham. Doch als er Natalie mit auf seine Reisen nimmt, um sie von der Absurdität ihrer Idee zu überzeugen, gerät sein emotional risikofreies Leben hoch in den Lüften durch die plötzliche Nähe zur scheinbar ebenso ungebunden Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) allmählich ins Wanken.

In Up in the Air setzt Regisseur Jason Reitman, der bereits mit Juno und Thank you for Smoking sein Talent für die gelungene Umsetzung tragikomische Stoffe bewiesen hat, gekonnt Kontraste zwischen einer hektischen Welt der perfekt organisierten Businessreisen und kalten Büroräume und einer rar besuchten provinziellen, aber herzerwärmenden Gemütlichkeit. Hier die von Bingham perfektionierte Routine des Reisens, fernab dem, was andere Menschen ihr Zuhause nennen. Der Film stellt die scheinbaren Vorzüge der Freiheit und Ungebundenheit auf vielfache Weise in Frage: Ein Geschäftsmann, der für diese Ideale lebt und sie verkörpert und – sozusagen als letzte Konsequenz – andere Menschen in eine ungewollte Freiheit entlässt. Für Zwischentöne bleibt bei dieser Kontrastierung kein Raum, aber wahrscheinlich schafft es Up in the Air gerade deswegen, einen berührenden Kommentar zu unserer Gesellschaft zu leisten. Denn die Freiheit der Wahl zwischen einer immer mehr Zeit und Hingabe verschlingenden Arbeitswelt und einer in immer weitere Ferne rückenden privaten Welt ist kaum noch gegeben.

Up in the Air
Paramount Pictures, USA 2009
Regie: Jason Reitman. Drehbuch: Jason Reitman, Sheldon Turner
Hauptdarsteller u.a.: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick
110 Min. Dt. Filmstart: 04. Februar 2010

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