Das Raumschiff ist gelandet
15. Oct 09: U2 – 360° Tour 2009 – Amsterdam II am 21. Juli 2009 | Martin Müller
Es ist doch immer dasselbe, wenn sich U2 irgendwo angesagt haben. Überall Menschen, auch wenn das Konzert noch Stunden entfernt ist. So auch in Amsterdam, wo die vier Iren schon tags zuvor das erste Konzert in der ausverkauften ArenA gaben. Vor dem Stadion bilden sich schon seit dem Morgen lange Schlangen an den Eingängen und die Holländer machen es sich erstmal gemütlich. Angereist mit allem, worauf man den Tag über ausharren kann, bildet sich eine riesige Menschentraube und eine entspannte Atmosphäre herrscht überall. Bis irgendwann ein Signal kommt und alles losstürmt und sich panikartige Zustände abspielen. Dabei wird mitgerissen, was nicht schnell genug allein mit rennen kann. Menschen mit ihren Stühlen unterm Hintern werden genauso wie der ganze Unrat, der sich während des ganzen Tages bereits angesammelt hat. Doch folgt sofort die Ernüchterung, denn bis zum Einlass wird es noch einige Zeit dauern. So stehen nun alle dicht gedrängt, lassen geduldig einige Gewitter mit Starkregen über sich ergehen, ohne dabei das Gemeinschaftsgefühl zu verlieren, denn kurzer Hand werden notdürftig Planen gespannt und es hat auf einmal eine heimelige Stimmung Einzug gehalten. Man ist ja auch unter sich!
Nach dem ewigen Warten ist es dann soweit, der Einlass, der 'Run' auf die Bühne, im Kampf um die besten Plätze hat begonnen! Aber geschafft, direkt vor der Bühne, ein wahrer Traum! So bleibt dann auch Zeit, sich das Wunderwerk einer Bühne zu betrachten, was ich so noch nicht gesehen habe. Zwar gab es im Vorfeld schon Bilder, aber dann direkt davor zu stehen, vor diesem Monster, das sich 50 Meter in die Höhe erhebt, ist es schon überwältigend. Das spinnen- oder krakenartige Etwas, gekommen aus einer fernen Galaxie, wie ein Raumschiff, das sich geradezu in der ArenA quetschen muss, hinterlässt schon ein Gefühl von Kleinheit und Ehrfurcht. Und dann geht es nach nochmaligem schier endlosem Warten los. Snow Patrol sind, wie auch bei der Vertigo Tour, wieder Vorband, diesmal aber ohne den Kaiser Chiefs. Hier zeigt sich dann leider auch das Manko einer überdachten und geschlossenen Arena. Die Bühne, die an allen vier Seiten mit Boxen versehen wurde, sorgte für ein enormes Echo, so dass es schon schwer fiel, überhaupt etwas von den Songs von Snow Patrol mitzubekommen. Dennoch schaffen sie es, die Stimmung anzuheizen. Mit dem bekannten Repertoire liefern sie eine solide Leistung ab und haben richtig Spaß auf der Bühne, was sich auf das Publikum überträgt. Doch leider sind mir die Zwischentexte komplett abhanden gekommen, rein akustisch. Egal, denn wir sind ja wegen Bono & Co. hier!
Dann ist es endlich soweit, ohne große Ankündigungen geht es gleich los mit Breathe und man merkt sofort, diesmal wird es rockiger als sonst! Es folgen No Line On The Horizon, Get On Your Boots, Magnificant und Beautiful Day, aber so richtig beginnt der Kessel erst zu brodeln, als Elevation angestimmt wird. Ungewöhnlich früh kommt One und man ist schon etwas irritiert, da dieser sonst eher zum Ende der Shows gebracht wird. Damit steigt die Spannung, was uns noch alles erwartet. Dann bei City Of Blinding Lights fährt der ovale Bildschirm aus als wollte sich die Band hinter ihm verstecken. Doch machen sie es nicht. Die von allen Seiten offene Bühne hat einen vorgelagerten Ring, verbunden mit beweglichen Brücken, und so rauschen The Edge, Adam Clayton und Bono über den Köpfen von uns Glücklichen, die im Kampf den Raum dazwischen erobert haben, mehrfach hinweg, so dass sie zum greifen nah sind. Aller spätestens bei Vertigo hält sich niemand mehr zurück und es wird gegrölt und gesprungen, was die Reste der Kräfte zulassen und es ist noch lange nicht Schluss! Bei Sunday Bloody Sunday singt die ganze Arena vereint gefolgt von Pride. Natürlich fehlen auch nicht Walk On und Where The Streets Have No Name. Besonders beeindruckend waren 40/Bad/Fool To Cry (snippet) da sie nur selten live gespielt werden!
Rund um war dies ein phänomenales Konzert. Die Band zeigte eine Spielfreude, wie schon lange nicht mehr. Auch gab es diesmal keine ewig währenden Predigten von Bono sondern eine durchweg gute Setlist mit einer Bühnenshow, die wie die Bühne selbst, nicht von dieser Welt war. Selbst Bonos Stimme war diesmal ohne Brüche und Schwächen. Wenn man den Aussagen der Fans vom Vorabend trauen darf, war die zweite Show um Längen besser, die Setlist mit mehr Mut zu Raritäten und die Leistung der Band wie zu ihren besten Zeiten! So wundert es nicht, dass Bono beim letzten Song Moment Of Surrender/Drowning Man stehend K.O. war. Und auch das Publikum zeigte sich dann erschöpft und beseelt, denn nach gut zwei Stunden herrscht einfach nur Überwältigung und Glück, so ein Konzert miterlebt zu haben.



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