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Vampire für Erwachsene

27. Apr 10: HBOs Erfolgsserie True Blood auf DVD | Dobrila Kontic

Flash is required!

Nach Twilight und Vampire Diaries dachten wir eigentlich, wir hätten endgültig genug von der neuartigen, meist schwülstigen Vampir-Präsenz in Kino, Literatur und Fernsehen – zu lahm, glitzernd und empfindsam präsentierten sich hier die Vampire des 21. Jahrhunderts! Doch mit dem HBO-Erfolgsprodukt True Blood wendet sich das Blatt. Die auf der Southern Vampires-Buchreihe von Charlaine Harris beruhende Mystery-Serie rund um die Erlebnisse von Südstaaten-Sweetheart Sookie Stackhouse hat es nämlich in sich: Sex, Gewalt und eine ordentliche Portion Selbstironie machen die Schöpfung von Erfolgs-Drehbuchautor Alan Ball zu einer spannenden Serie für Erwachsene, die weit mehr bedient als die übliche Faszination für Blutsauger. Das erkannte hierzulande ausgerechnet nur der Pay TV-Sender 13th Street, weshalb die Serie einer Menge Zuschauer verwehrt blieb. Nun da die erste Staffel endlich auch in Deutschland auf DVD erschienen ist, wird es Zeit, die äußerst unterhaltsame Welt von True Blood kennen zu lernen.

Allein der Vorspann hat es in sich: Zu den dunklen Klängen von Jace Everetts „Bad Things“ wird uns eine raffinierte Collage aus körnigen Szenen des ‚Southern Way of Life‘ präsentiert. Neben Sümpfen, Schlangen und Opossums begegnen uns hier die in Europa häufig diskutierten zwei Gesichter der USA – eine mitunter bis zum Fundamentalismus gesteigerte Lobpreisung des Christentums und die Überpräsenz von Sünden aller Art. Dieser Vorspann läutet auf raffinierte Weise die Grundthematik von True Blood ein: „God hates Fangs“ prangert da in großen Lettern auf der Tafel vor einer Kirche – ein Bezug zur fiktiven Diskriminierung der Vampire in True Blood und zugleich zur sehr realen Homophobie der amerikanischen Westboro Baptist Church und ihrem Slogan „God hates Fags“ („Gott hasst Schwuchteln“).

Flash is required!

Als ein von Sünden, Bigotterie und Diskriminierung gezeichnetes Städtchen wird so der fiktive Ort der Handlung ‚Bon Temps‘ im US-Bundesstatt Louisiana dargestellt. Hier arbeitet die 25jährige Sookie Stackhouse (Anna Paquin) als Kellnerin in der Bar „Merlotte’s“. Ein einfaches Leben möchte man meinen, doch Sookie verfügt über eine besondere Gabe: Sie kann Gedanken lesen, hört ununterbrochen, was in den Köpfen fremder wie bekannter Menschen vorgeht. Umso interessierter und aufgeregter ist sie, als der Vampir Bill Compton (Stephen Moyer) erstmals das Lokal betritt. Seine Gedanken bleiben ihr verschlossen und noch dazu übt er eine große Anziehungskraft auf die bis dahin jeglichen näheren Kontakt mit Männern scheuenden Sookie aus. Nicht so begeistert von dieser Liaison sind aus unterschiedlichsten Gründen Sookies Freunde und Familie. Ihr gutherziger Chef Sam Merlotte (Sam Trammell) hegt selbst Gefühle für Sookie und betrachtet den Vampir als unwillkommenen Nebenbuhler. Ihr Bruder Jason Stackhouse (Ryan Kwanten) fühlt sich von der allgemein bekannten Virilität der Blutsauger in seinem Image als stadtbekannter Aufreißer bedroht. Und ihre temperamentvolle Freundin Tara Thornton (Rutina Wesley) begegnet Vampiren ebenso skeptisch und feindselig wie allen Menschen. Noch dazu wird Sookies Glück von einer mysteriösen Mordserie in Bon Temps überschattet, bei der die Opfer sogenannte „Fang Bangers“ sind, also Frauen und Männer, die mit Vampiren schlafen und sich dabei von ihnen beißen lassen.

Doch die Besonderheit von True Blood liegt eben darin, dass diese folgenreiche Liebesgeschichte zwischen Bill und Sookie und der Kriminalfall auf komplexe Weise in eine größere gesellschaftliche Thematik eingebettet sind: Dass Vampire existieren, ist in der Welt von True Blood bekannt. Es tobt ein erbitterter politischer Kampf zwischen der ‚American Vampire League‘, die Gleichberechtigung für Vampire einfordert, und christlich-fundamentalistischen Gruppierungen, die die ‚Fangs‘ („Beißer“) weiterhin auslöschen wollen. Die Vampirrechtler begründen ihren Anspruch auf das Ende der Verfolgung mit der Verfügbarkeit von „Tru Blood“, in Japan entwickeltem synthetischen Blut, das die Vampire von ihrem Blutdurst befreien soll. Dennoch werden die vermeintlichen Blutsauger weiterhin gefürchtet und Vampirblut auf dem Schwarzmarkt als vielversprechende Droge „V“ gehandelt, wodurch Vampire vielfach als Zapfanlage missbraucht werden. Noch dazu sind Vampire bei weitem nicht die einzigen übermenschlichen Kreaturen in True Blood. Und selbst die stinknormalen menschlichen Figuren in Bon Temps tragen Bürden und Geheimnisse, die den Mystery-Elementen der Serie in Sachen Spannung und Unterhaltsamkeit in nichts nachstehen.

True Blood hat somit viel zu bieten, was auch an dem enormen Erfolg der Serie in den USA abzulesen ist, der ihr viele Auszeichnungen, unter anderem den Golden Globe, beschert hat. Neben dem Gehalt an hochtheatralischen Sexszenen, der sogar Die Tudors toppt, und dem Augenzwinkern, mit der die Mystery-Elemente aufgegriffen werden, sind vor allem die Bezüge der Serie zu realen Themen wie Rassendiskriminierung, Homophobie, sozialen Missständen und Religiosität besonders faszinierend. Spätestens, wenn man das Titelblatt einer Boulevardzeitung mit der Überschrift „Angelina adoptiert Vampir-Baby“ in der Serie erblickt und sich Sam Merlotte wünscht, dass die Vampirkillerin Buffy oder Daywalker Blade das Örtchen Bon Temps aufsuchen, merkt man, dass hier eine Vampir-Serie auf Augenhöhe mit humorvollen und den alltäglichen Wahnsinn der fiktiven und realen Welt kennenden Zuschauern produziert wurde. Und dann wäre dann noch Alexander Skarsgård als Vampir Eric Northman, der einen zusätzlichen beachtlichen Reiz von True Blood ausmacht. Anschauen!

 

True Blood
Home Box Office (HBO), USA 2008
Regie und Drehbuch: Alan Ball
Hauptdarsteller u.a.: Anna Paquin, Stephen Moyer, Alexander Skarsgård
1. Staffel, 12 Folgen à 55 Min.
Erschienen auf DVD bei: Warner Home Video
Dt. DVD-Start: 9. April 2010

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