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Der verlorene Witz

15. Apr 15: Chris Rocks Komödie Top Five dreht sich um einen Comedy-Star vorm drohenden Karriere-Knick | Dobrila Kontić

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Seit gut 25 Jahren ist Chris Rock nun schon als Komödiant im Geschäft, hat bei der legendären Sketch-Show Saturday Night Live und in Komödien wie Dogma mitgewirkt, sowie sich einen Platz in der Starriege der Stand Up-Künstler wie Jerry Seinfeld, Louis C.K. und Bill Burr erkämpft. Sein Comedy-Stil ist bissig, direkt und trifft vor allem ins Schwarze, wenn es um seine favorisierten Themen wie die Klassengesellschaft und Rassismus in den USA geht, wobei er stets fröhlich-lächelnd und mit voller Absicht der Kontroverse in die Arme läuft. So machten zuletzt seine Scherze im Zusammenhang mit dem im letzten Jahr auf Ground Zero errichteten ‚One World Trade Center‘ von sich Reden – wobei seinen Kritikern wohl entgangen ist, dass er sich nicht etwa über die Ereignisse des 11. September sondern vielmehr über die seltsame Kommerzialisierung des Andenkens lustig machte. So albern und unbekümmert sein Spiel auf der Bühne auch rüberkommen mag, Chris Rocks Gesellschaftskritik schlägt darin umso kraftvoller durch. Dies gilt leider nur bedingt für seine aktuelle Komödie Top Five, für die er sowohl Drehbuch, Regie als auch die Hauptrolle übernahm.

Vom Franchise zum Flop

Dabei dürfte das Thema von Top Five Chris Rock in Ansätzen vertraut sein: Comedy-Star Andre Allen (Chris Rock) möchte sich von seinem Image als Komödiant lösen: Nachdem er jahrelang in den Franchise-Filmen „Hammy The Bear“ einen Polizisten im Bärenkostüm spielte, dessen markiger Spruch „It’s Hammy-Time“ zum Kult wurde, beschließt er einen ernsten Film über die Haitianische Revolution zu drehen. Trotz all seiner Bemühungen, den brutalen Film namens Uprize zu promoten, floppt dieser an den Kinokassen: Es will sich einfach niemand einen Film ansehen, in dem zahlreiche weiße Plantagenbesitzer abgeschlachtet werden. Andre steht vorm Karriereknick (sein Manager Charles droht ihm bereits mit Dancing with the Stars), was vor allem im Hinblick auf seine anstehende Hochzeit mit Reality-Sternchen Erica Long (Gabrielle Union) ungünstig ist. Als Charles (Kevin Hart) ihm ein Interview mit einer Journalistin der New York Times aufdrängt, kann Andre nicht ablehnen, obwohl er der New York Times den brutalen Verriss seines Films sehr übel nimmt. Er trifft sich also widerwillig mit der Journalistin Chelsea Brown (Rosario Dawson), die ihn einen ganzen Tag bei seinen Promotion-Terminen durch New York begleitet und ihm auf sein Drängen hin schließlich die einzig wirklich interessante Frage stellt: Wieso ist er nicht mehr lustig? Andres Antwort: Weil er inzwischen trockener Alkoholiker ist.

Halbherzige Pendelei

Eine interessante Ausgangslage für einen Film, der sich um die Liebe zur Stand up-Comedy, den schnellen Ruhm und vergessene Wurzeln dreht. Die Gespräche und das Geplänkel zwischen Chelsea (einer wirklich interessanten, starken Frauenfigur, wunderbar gespielt von Rosario Dawson) und Andre sind erfrischend und mitunter sehr lustig, aber leider gilt das nicht für die weiteren in den Film eingebetteten Geschichten Andres: Dem Abstecher in seine wilde Vergangenheit, als er noch trank, fehlt es etwa trotz aller Schlüpfrigkeit an der durchschlagenden Pointe. Die Kritik an den besonders absurden Auswüchsen des Reality-TV in Form der anstehenden medienwirksamen Hochzeit Andres wird nur angerissen und geht nicht wirklich in aussagekräftige Tiefen über und auch der spontane Besuch in Andres einstiger Nachbarschaft fällt nicht so charmant und witzig aus, wie wohl ursprünglich angedacht. Top Five pendelt immer wieder zwischen Ernst und Witz, wobei keine Seite wirklich gezielt angesteuert wird: In entscheidenden Szenen ist der Film zu nachdenklich, um wirklich witzig zu sein, während in anderen Möglichkeiten einer tiefergehenden Kritik am Starrummel und Rassismus der schnellen Pointe geopfert werden. Lediglich der sich entspinnenden Liebesgeschichte zwischen Chelsea und Andre widmet sich Rocks Film mit etwas mehr Sorgfalt. Ansehnlich dürfte Top Five letzten Endes vor allem für Chris Rock- und Stand Up-Fans sein – die diesen dann aber natürlich im Original ansehen sollten.

Top Five
Produktionsfirma, USA 2014
Regie & Drehbuch: Chris Rock
Hauptdarsteller u.a.: Chris Rock, Rosario Dawson, Gabrielle Union
102 Min. Deutscher Kinostart: 16. April 2015

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