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Wenig Aufregung um viel Hysterie

26. Jan 10: The XX live am 22. Januar 2010 im Astra Kulturhaus in Berlin | Martin Müller

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Bereits zum zweiten Mal schauen die Newcomer des letzten Jahres in Berlin vorbei. Genau wie im Oktober 2009 war auch dieses Konzert in Windeseile ausverkauft. Doch deckte dies bei Weitem nicht den Bedarf der Hungrigen, so dass kurzerhand eine Midnightshow für denselben Abend angesetzte wurde. Da ich zu denen gehörte, die für die sogenannte Frühvorstellung zu spät dran war, musste ich mit der Spätvorstellung leben. Natürlich muss man sich gewahr werden, dass es um The XX eine regelrechte Hysterie gibt, die, wie so oft, ihren Ursprung in England nahm – ihrem Heimatland. Und niemand geringeres als die Institution in Sachen Musik, der NME (New Musical Express), kürte die Band als die Entdeckung des Jahres 2009. Es lässt sich daher auch nicht verhindern, dass diese Band unter einem enormen Druck steht. Dies war auch der Grund, warum The XX nunmehr nur noch zu dritt unterwegs sind. Baria (Gitarre) ist als Opfer dieses Drucks zu beklagen, doch der Rest hielt dem Druck stand und gab ein zwar nicht überwältigendes aber für die späte Stunde des Abends wackeres Konzert.

Eröffnet wurde aber der Abend beziehungsweise der zweite Durchgang von New Look, einem Elektro-Duo aus Kanada. Wunderbar entspannte Elektrobeats, begleitet von Sängerin Sarah Ruba, die durch ihre warme Stimme einen angenehmen Kontrast zu dem kühlen Synthie-Klang wie aus Videospielen schuf. Genau richtig für das, dank Temperaturen jenseits des Nullpunktes, reichlich durch gefrostete Publikum. Zwar konnten auch sie nicht recht die Grundkühle des Astra Kulturhauses erwärmen, ein angenehmes Gefühl von Entspannung und Angekommen sein schon. Das schier überfüllte Astra schien der Masse an Menschen kaum gewachsen, die sich trotz der furchtbar polaren Wetterlage nicht fernhalten ließ. Bis es dann kurz nach null Uhr endlich losging. Eröffnet vom “Intro“ folgte gleich ihr Durchbruchs-Song “Crystalised“. Das typische Spiel der Leadgitarre von Romy und den Synthie-Drums von Produzent Jamie, die zusammen die herrlich eingängige Melodie rahmen, bricht kurz ab, um Oliver mit seiner tiefen Stimme und seinem Bass einsetzen zu lassen. Gefolgt von Romys liebreizender Stimme, nur dass sie noch etwas hadern muss, um sich in die richtigen Töne zu finden. Störend ist dies nur am Rande, denn die eröffnete Stimmung aus Musik und dezenter Beleuchtung machen die anfänglichen stimmlichen Schieflagen wett. Spätestens bei “Island“ ist auch Romy angekommen und singt in der The XX-typischen sanft-ruhigen Stimmung. Leider zeigen The XX wenig Ambitionen, über das Maß der Albumtracks hinaus zu gehen. Zu erwarten war sicherlich im Vorhinein keine extrovertierte Bühnenshow oder wild ausrastende Teenies, doch etwas mehr ‚Leben‘ auf der Bühne hätte dem Abend auch nicht geschadet. So wurden “Infinity“ und “VCR“ schon fast frenetisch gefeiert, wenn das Publikum nicht selbst in Lethargie gefangen gewesen oder, wie die andere Hälfte, in tiefe Gespräche abgetaucht wäre. Mit “Fantasy“ als Zugabe und einem Sternenhintergrund endete die Show und das Album „XX“ war abgespielt.

Das die Musik von The XX nicht dazu geeignet ist, große emotionale Ausbrüche auf der Bühne zu praktizieren, ist wohl nicht schwer zu erraten. Doch leider war die Begeisterung der Band am Spielen für das Publikum nicht wirklich zu merken. Vielleicht lag es daran, dass es die zweite Show des Abends war und sich Erschöpfung unter den Dreien breitmachte, doch ist es schade, denn die Vorfreude auf diese wunderbare Band wurde nur mäßig erfüllt. Aber gegen das teilweise von Desinteresse geprägte Publikum kommt man auch mit dem besten Enthusiasmus nicht an. Live fehlt ihnen noch die Erfahrung, doch bleiben sie die Entdeckung des letzten Jahres, denn diese dezente Art, das so Unaufgeregte als Kontrast zu den anderen heutigen Bands ist eine regelrechte Wohltat.

MySpace-Seite von The XX (Hier sind auch alle weiteren Tourdaten zu finden.)

Website von The XX

XX von The XX
Erschienen: 14. August 2009 bei Xl/Beggars (Indigo)

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