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17. Mar 10: Die experimentale Elektro-Oper „Tomorrow, In a Year“ des schwedischen Duos The Knife | Martin Müller
The Knife haben insbesondere mit dem Song “Pass it on“ in Deutschland ihren Durchbruch gehabt. Nicht zuletzt auch wegen ihres ominösen Videos mit singender Transe und einem Proletenpublikum, das nach und nach aus seiner Lethargie erwacht, und zutiefst peinlich tanzt. Doch ist auch die Stimme von Karin Dreijer Andersson keine unbekannte, denn sie war Gastsängerin bei Röyksopp. Zusammen mit ihrem Bruder Olof Dreijer bringen sie ihr nunmehr fünftes Album heraus, eine von dänischen Theatermachern in Auftrag gegebene vertonte Evolutionstheorie à la Darwin.
Wie das zugrunde liegende Konzept schon vermuten lässt, finden sich auf dieser Platte keine gewöhnlichen Songs. Von Piepsen, allerhand elektronischen Klangfetzen, die teils Naturgeräusche nachahmen, und Getöse durchsetzt, wollen uns The Knife zeigen, wie akustische Evolution geht. Um zu beweisen, dass es sich hier wirklichen um eine Oper handelt, finden sich auch Arien, die dann und wann von instrumentalen Stücken durchbrochen werden, bis im zweiten Teil dann The Knife wirklich erkennbar werden, wenn Karin Dreijer Andersson mit ihrem Gesang einsetzt. Das Duo nimmt uns mit auf die Reise durch die Evolution, setzt das Entstehen der Organismen in Synthieklängen um, symbolisiert durch auf- und abschwellende Loops die Entwicklung, mischt dies alles durch und schaltet dann noch mal den Verzerrer ein.
Entstanden ist ein Doppelalbum mit ganz eigener Magie, die weniger zum Genuss daheim mit einem guten Glas Wein geeignet ist. Zu schwer kommt man vom reinen Hören in die Thematik, auch wenn mit entsprechender Vorstellungskraft dies gelingen kann. Spannend ist es allemal und der Mut der beiden Schweden zu solch einer Herausforderung ist beeindruckend. Konsequentes Ignorieren der Konventionen für eine neue Klangsphäre.
| Tomorrow, In a Year von The Knife |
| Erschienen am 05.03.2010 bei Cooperative Music (Universal) |
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