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Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

26. Aug 11: Die Ford Brothers besinnen sich mit ihrem Fantasy Filmfest-Beitrag The Dead auf die Ursprünge des Zombiefilm-Genres zurück | Dobrila Kontić

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Ein Vorteil am untoten Dasein: Man hat jede Menge Zeit, um sich ständig neu zu erfinden. So ergeht es neben dem Vampir auch dem Zombie, der als Figur in den einschlägigen Filmen der letzten Jahre einige Wandlungen erfahren durfte: Er wurde schneller (28 Days Later), klüger (Land of the Dead) und witziger (Shaun of the Dead). Und mitunter ließen sich auch die potentiellen Opfer ausgeklügeltere Taktiken einfallen (Zombieland). Doch Schluss mit den Neuerungen, zurück zu den Wurzeln – dachten sich wohl die Macher von The Dead und lassen ihre Untoten in diesem Genrefilm ganz old school im Schneckentempo und mit sinnentleertem Gesichtsausdruck durch die Gegend schlurfen. Lediglich das Setting ist neu: Die Zombie-Invasion sucht hier ausgerechnet den schwarzen Kontinent heim – als hätte er’s nicht schwer genug.

Nichts wie weg wollen die Insassen eines kleinen Frachtflugzeugs zu Beginn des Filmes. Mit an Bord ist der amerikanische Lieutenant Brian Murphy (Rob Freeman), dem Böses schwant, als sich die ersten Insassen nach und nach verwandeln. Eine Bruchlandung im Wasser setzt dem Ganzen ein Ende und am Ufer tummeln sich schon (wenn auch äußerst gemächlich) weitere Untote, die den Herangespülten nach dem Fleisch trachten. Doch Lieutenant Murphy weiß sich – einer Kiste voller Waffen sei Dank – zu helfen und kämpft sich unter der brütenden afrikanischen Hitze ins Innere des Landes vor. Er möchte zurück zu seiner kleinen Familie in die USA, ergattert bald eine alte Karre und lernt just in dem Moment, als diese im Schlamm stecken bleibt und ihm die eben noch weit entfernten Zombies gefährlich nahe kommen, den afrikanischen Soldaten Daniel Dembele (Prince David Oseia) kennen. Dieser hat bei einem Zombiemassaker in seinem Dorf bereits seine Ehefrau verloren und sucht nun nach seinem kleinen Sohn, der sich in letzter Sekunde retten konnte. Zusammen bilden die beiden kernigen Typen von nun an ein nahezu unschlagbares Gespann – doch auch langsame Zombies kommen schneller zu ihrem Ziel, als man denken mag…

The Dead ist wahrlich ein todernster Zombiefilm – so todernst, dass sich vor allem in den Szenen, die den Heroismus der beiden Protagonisten feiern, unfreiwilliges Gelächter einstellt. Aber selbst das stört diesen Zombie-Reigen keinesfalls, denn die Macher haben viel Herz- und Kunstblut einfließen lassen und huldigen den Genre-Klassikern auf ganz eigene Weise. Und hier und da schafft es The Dead sogar, nachdenkliche Töne anzuschlagen, etwa wenn Lieutenant Murphy darüber sinniert, dass die neue Invasion mal besser die USA anstelle des gebeutelten afrikanischen Kontinents heimgesucht hätte, oder wenn sich unter den Überlebenden in Afrika angesichts dieser finalen Bedrohung ein neuer Zusammenhalt fernab jeglicher Volkszugehörigkeit formiert. Insgesamt also ein durchaus sehenswerter Genre-Beitrag für Genre-Liebhaber!

The Dead
Fantasy Filmfest 2011
Indelible Productions, Großbritannien 2010
Regie & Drehbuch: The Ford Brothers
Hauptdarsteller: Rob Freeman, Prince David Oseia, David Dontoh
105 Min.

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