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Love and Peace Woodstock!

19. Feb 10: Taking Woodstock - Der anrührende Film zum Geburtstag der Legende nun endlich auf DVD | Martin Müller

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Aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums im Jahre 2009 des legendären Woodstock-Festivals wagte sich Oscar-Preisträger Ang Lee an einen anderen Blick auf diese Zeit und die scheinbar zufällige Entstehungsgeschichte des Festivals. Lee lehnt seinen Film Taking Woodstock an die wahre Geschichte von Elliot Tiber an, ohne dabei allzu genau zu sein. Wichtiger ist ihm in diesem Film die Atmosphäre des Aufbruches in eine von Bewusstseinserweiternden Mitteln unterstützte Befreiung und Emanzipation einer ganzen Generation an einem Wochenende im August. Wer aber meint, der Film verliert sich dabei in einer Darstellung Woodstock selbst, der irrt. Vielmehr steht die Geschichte aus dem Blickwinkel des 34-jährigen Elliot Teichberg im Vordergrund, wie er das Festival in den kleinen im nirgendwo befindlichen Ort Bethel im Staate New York holt und seiner Selbstfindung. Aus einem intimen Focus heraus schafft Ang Lee es, eine Komödie von besonderer Stimmung zu inszenieren.

Wie vieles im Leben, hängt es oft nur vom Zufall ab, so auch die Geschichte des Woodstock-Festivals. Lange suchten die Organisatoren nach einem geeigneten Ort, doch wollte kaum jemand im Jahre 1969 eine Horde wildgewordener Hippies in seinem Vorgarten haben. Es traf sich daher ganz famos, dass Elliot zufällig eine Genehmigung zum Ausrichten einer Musikveranstaltung hatte. Eigentlich wollte er, wie jedes Jahr, irgendeine Band oder Orchester anheuern, um das herunter gekommene Motel seiner Eltern zu retten und irgendwie Leute in diese Ödnis locken. Da er selbst Vorsitzender der örtlichen Handelskammer ist, bedarf es nur eines Dollars und der Antrag ist genehmigt. Als er aber erfährt, dass die Woodstock-Organisatoren wiedermal im letzten Moment eine Absage erhielten, fackelt er nicht lang, greift zum Hörer und holt sich Michael Lang, Musikproduzent und Organisator, ins schäbige Motel. Elliots Eltern sind naturgemäß wenig begeistert von der Idee ihres Sprösslings und scheinen auch fast mit einem blauen Auge davon zu kommen. Denn ihr Grundstück ist dank starker Versumpfung nicht recht geeignet. Doch erklärt sich der befreundete Farmer Max Yasgur bereit, sein Weideland zur Verfügung zu stellen. Kurzerhand wird das Motel zur Organisationszentrale und von Unmengen Hippies bevölkert. Die anfängliche Ablehnung der Eltern weicht schnell dem Geschäftssinn, denn insbesondere Elliots Mutter kann sich dem Geschäft ihres Lebens nicht erwehren. Der zurückhaltende Vater blüht in Gegenwart des Transvestiten Wilma, der sich als Sicherheitschef und Mutter aller in diese skurrile Szenerie einfindet, geradezu auf. Vom Festival selbst bekommt Elliot nicht viel mit. Nur einmal ist er dort, aber durch einen LSD-Rausch dem Geschehen ganz fern. Vielmehr findet er sich und erkennt, dass seine bisher erfolgslose Tätigkeit als Innenarchitekt und Künstler in New York und das Motel seiner Eltern nicht alles sein können. Der Wunsch nach mehr lässt Elliot über sich und sein Leben nachdenken. Der Konflikt mit seinen Eltern ist vorprogrammiert.

Die heitere und absolut nicht belanglose Geschichte voll skurriler, bisweilen sogar schrulliger Charaktere, lässt Taking Woodstock zu einem Porträt mit leichtem Überschwang an ‚Love and Peace‘ geraten, das nicht nur seinem Hauptprotagonisten gewidmet ist, sondern auch den Raum für die Nebenrollen lässt. Anrührend, aber alles andere als kitschig oder gar anheimelnd, zeigt uns Ang Lee sozusagen Woodstock Backstage. Besonders überzeugt Demetri Martin als Elliot Teichberg, wie er langsam erwacht, aber nie ganz aus seiner Haut als Beschützer der Familie kann. Aber zu einem echten Erlebnis geraten Imelda Staunton, Elliots Mutter, und Henry Goodman als Elliots Vater. Die Eine ist ein kapitalistisches Vollblut und der Andere ein in sich gekehrter und voll wärme steckender Gutmensch. Aus dieser Kombination, der schier verrückten Ausgelassenheit der Hippies und dem daraus entstehenden Chaos entspringt die unaufgesetzte Komik des Films. Dabei spielt Ang Lee auch mit dem Dokumentarfilm über Woodstock, wenn er zeitweilig mit Bild-im-Bild Sequenzen arbeitet. So schweift der Blick auch auf die Abläufe im Hintergrund und des Festivals selbst und Lee stellt damit die Verbindung zwischen seiner Geschichte und der des Festivals her. Wobei es wohl noch keinen Film über das Woodstock-Festival gab, in dem dieses eigentlich fast gar nicht gezeigt wird.

Website zum Film Taking Woodstock

Taking Woodstock, USA 2009, 116 Min.
Regie: Ang Lee
Drehbuch: James Schamus, Elliot Tiber (Roman), Tom Monte (Roman)
Hauptdarsteller u. a.: Demetri Martin, Imelda Staunton, Henry Goodman
Erschienen auf DVD bei: Universal/DVD, FSK: ab 6 Jahren
DVD-Start: 18. Februar 2010

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