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Die Ü30-Disko ist eröffnet

15. Dec 10: Mit der Rückkehr von Robbie wollen Take That scheinbar den Dancefloor erobern | Martin Müller

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Was waren das für Aufschreie und schier dem Wahnsinn anheim gefallene Teenager, die 1995 nicht mehr wussten wohin, als Robbie Williams Take That verließ und dann 1996 das wohl nicht mehr sonderlich unerwartete vollständige Ende hinnehmen mussten. Eine der erfolgreichsten Boybands des 20. Jahrhunderts gab es nicht mehr und was sollte folgen? – Nun ja, Robbie Williams zeigte nach einigen Anlaufschwierigkeiten, dass er der größte Entertainer ist und Gary Barlow versuchte ebenfalls sein Glück auf Solopfaden – mit weit weniger Erfolg. Doch dann 2005 die Überraschung: Gary, Mark, Jason und Howard wollten es nochmal wissen und Take That kamen zurück. Mit „The Circus“ schafften die vier den größten Erfolg der Bandgeschichte, auch ohne Robbie. Dann folgte nach einer langen Pause von Robbie und zum Schluss hin eher mäßigen Soloalben die erste gemeinsame Single von Robbie und Gary, die ein Vorbote auf die lange schwelenden Gerüchte um den Wiedereinstieg von Robbie Williams bei Take That war. Nun ist es soweit und das erste Album mit der vollständigen Besetzung kam jetzt auf den Markt. „Progress“ heißt diese Zusammenarbeit und verspricht erstmal das, was man von einer guten Boyband erwartet: großspurigen Pop!

Und der Opener „The Flood“ bietet gleich den richtigen Rahmen, mit weit ausgedehnten Arrangements, die im hymnisch ausufernden Refrain anschwellen und so für eine rundum wohlige Popnummer sorgen, bei deren von reichlich Hall getragenem Gesang schon fast von einer Messe gesprochen werden könnte. Doch endet abrupt der getragene Charakter, wenn durch reichlich Tempo und Synthie-Einsatz „SOS“ als wahrhafte Dancefloor-Nummer daherkommt. Insgesamt scheinen die Jungs weit mehr an tanzbaren Sounds gedacht zu haben, als an die großen Balladen früherer Zeiten. „Kidz“, „What do you want from me?“ und „Affirmation“ sind dementsprechend auch instrumentiert und dröhnen im Synthie-Einerlei dahin. Daneben werden noch kurz die neusten Sounds der Hip-Hop-Szene in „Wait“ abgegrast. Eigentlich sind die Jungs ja mittlerweile schon gestandene Männer mit reichlich Lebenserfahrung, doch hetzen sie in diesem Tempo mehr den Teenie-Stars nach, als Menschen zu sein, die etwas zu sagen haben. So ist das mehr als naiv dahin gepolterte „Underground Maschine“ nicht zu ertragen, wenn Robbie lauthals verkündet: „When a Boy meets a Girl / And a Girl meets a Boy / Allright“. Dagegen ist „Happy Now“ mit seinem recht schlichten und doch eingängig flächigen Sound eine gelungene Dance-Nummer geworden, in deren Kanon alle fünf gemeinsam singen und so gar nicht mehr nach Take That klingen.

Mit „Progress“ melden sich die fünf Jungs recht temporeich wieder zurück. Unerwartet elektrolastig ist diese Platte geworden, die dennoch die großen Arrangements einer Boyband beibehält. Es ist ja ihre große Stärke, sich mehrstimmig zu vereinen und so für den großen Auftritt zu sorgen. Dennoch fehlt es „Progress“ etwas an Herz, denn neben überdurchschnittlich zahlreichen Temponummern wirken die Balladen eher wie kitschige Tupfer im Diskofieber und so reichlich deplatziert eingestreut. Man wird auch nicht so recht das Gefühl los, die Jungs wollten sich mit aller Macht neuen Entwicklungen des Pop anpassen, wodurch sie sich von ihrem ureigenen Stil weiter entfernen, als es die Trennung geschafft hätte. Während „The Flood“ zwar recht üppig in Szene gesetzt ist, bleibt es doch recht sympathisch, was leider den meisten anderen Songs verwehrt bleibt. Man könnte sagen, der Funke will nicht recht überspringen und die Platte verhallt eher belanglos in seinem konformen Mainstream-Gehabe. Schade eigentlich, denn die Jungs könnten eigentlich wesentlich mehr, vor allem musikalisch!

Progress von Take That
Erschienen am 19. November 2010 bei Polydor (Universal)

särra schrieb am 15.12.2010 09:13

exactly!

habe sie sofort gekauft, einmal gehört und seitdem liegt sie in der ecke.bis auf 2 songs bleibt einem fast nix davon im kopf...

...viel erwartet,schwer enttäuscht!!!

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