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‚Second Life‘ wird Wirklichkeit

27. Jan 10: Jonathan Mostows Zukunftsvision Surrogates | Jana Brinckmann

Flash is required!

Roboter, die den Menschen immer ähnlicher werden. Computerrollenspiele wie Die Sims oder Second Life, die das ‚reale‘ Leben simulieren und es nahezu ablösen können, weil das fiktive Selbst so viel idealer zu sein vermag. Wohin kann uns die Wissenschaft noch führen? Eine durchaus mögliche Antwort präsentieren uns der Regisseur und die Drehbuchautoren zum Film Surrogates, die auf Grundlage des gleichnamigen Comics von Robert Venditti und Brett Weldele (2005/2006) die bereits existierende virtuelle Welt Wirklichkeit werden lassen.

Zu Beginn des Films zeigen uns Dokumentationsausschnitte, welchen Einfluss die rasante technologische Entwicklung in der Robotik auf das Individuum und die Gesellschaft haben kann. Denn innerhalb weniger Jahre werden aus schwerfälligen humanoiden Robotern, dem Menschen zum Verwechseln ähnliche Avatare, die mittels neuronaler Verlinkung perfekt steuerbar sind. Ursprünglich als zweite Chance für gehandicapte Mitbürger gedacht, werden diese Avatare in weiterführender Konsequenz global von der politischen und wirtschaftlichen Führungsriege als ultimative Lösung zur Bekämpfung beziehungsweise Ausradierung sämtlicher Krankheiten und Verbrechen angepriesen, da niemand mehr ‚leibhaftig‘ mit anderen in Berührung kommen muss. Und da das Gros der Menschheit scheinbar nur Freude an der ‚aufgepimpten‘, zum Teil stark vom eigenen Antlitz abweichenden Version von sich selbst hat, setzt sich eine Gesellschaft aus Surrogates durch. Trotz einer kleinen Minderheit, die lieber als ‚Fleischsäcke‘ weiterhin ein natürliches Leben führen will, verläuft auch alles friedlich, was zum Beispiel der Kriminalitätsrückgang um 99 Prozent belegen soll. Doch plötzlich, nach Jahren der ‚realen fiktiven Harmonie‘, geschieht gleich ein zweifacher Mord. Das erstaunte FBI will anfangs gar nicht an ein Tötungsdelikt glauben, räumt dann aber die Möglichkeit ein, dass es ein Anschlag der ‚Fleischsäcke‘ sein könnte. Damit beginnt die schnelle und doch sehr lahme Aufdeckung eines actionarmen Kriminalfalls.

Die Comic-Verfilmung Surrogates startet sehr vielversprechend mit mysteriösen Todesfällen und der Darstellung der Verwahrlosung des Menschen aus Fleisch und Blut hinter dem fremden ‚Zweiten Ich‘. Leider bleiben diese angedeuteten sozialen Konsequenzen unbeachtet im Raum stehen, da die Filmemacher scheinbar den Fokus lieber auf die kriminaltechnische Seite legen wollten. Dummerweise ist nicht einmal das gelungen, denn die Auflösung des Falls entbehrt jeglicher Spannung und Tiefe. Was angesichts der interessanten Thematik unglaublich schade ist. Selbst Hauptdarsteller Bruce Willis als FBI-Agent schafft es nicht den Film aufzuwerten, da auch die Persönlichkeit seiner Figur nur oberflächlich skizziert wird. Fazit: Der plumpe rapide Abfall des Spannungsbogens wirkt so, als hätten Regisseur und Drehbuchautoren nach den ersten 20 Minuten das Drehbuch verloren und die Galileo-Redaktion nach einem Ende gefragt. Also spart euch besser den eisigen Gang ins Kino…

 

Surrogates – Mein zweites Ich
Touchstone Pictures, USA 2009
Regie: Jonathan Mostow. Drehbuch: Michael Ferris, John D. Brancato
Hauptdarsteller u.a.: Bruce Willis, Radha Mitchell, James Cromwell
89 Min., Dt. Filmstart: 21. Januar 2010

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