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Die Rohrzange Gottes

23. Aug 11: James Gunns blutrote Superhelden-Komödie Super | Jana Brinckmann

Flash is required!

Super is a fucked up film with heart.“ Mit diesem Kommentar stellte der charismatische US-amerikanische Regisseur James Gunn (Scooby Doo, Slither) beim Fantasy Filmfest 2011 in Berlin sein aktuelles Werk vor, welches wunderbar das Anti-Superhelden-Genre bereichert und neben Matthew Vaughns Kick-Ass, den gewöhnlichen Superhelden-Streifen, wie X-Men oder Superman, die Stirn bietet. Und das ganz ohne Superkräfte! Gleichzeitig warnt Gunn das Publikum allerdings vor der besonderen Härte sowie Verrücktheit dieser Low-Budget-Produktion, die wohl nur etwas für Freaks sei. Denn unser Superheld Frank D’Arbo (Rainn Wilson) ist alles andere als heroisch: Seine Methoden im Kampf gegen das Böse sind sehr martialisch, sein Leitmotiv herrlich eigennützig und niemand weiß so recht, ob er nun tatsächlich ein Held oder doch eher ein Psychopath ist.

Frank D’Arbo ist eine recht unspektakuläre Persönlichkeit: Er arbeitet als Koch in einem Diner, hat keine Hobbys und gehört eher zu den introvertierten Zeitgenossen. Ganze zwei Momente in seinem bisherigen Leben bezeichnet Frank als glücklich. Einer davon ist die Hochzeit mit seiner einzigen Liebe Sarah (Liv Tyler), die allerdings ein leichtes Drogenproblem hat. So überrascht es kaum, als Sarah mit dem Drogenboss Jacques (Kevin Bacon) durchbrennt, der ihre erneute Sucht sehr unterstützt. Verzweifelt und überzeugt davon, Jacques habe seinen Engel Sarah entführt, veranstaltet Frank einige aussichtslose Unternehmungen um sie zu befreien, wie das Führen komischer Zwiegespräche mit Gott, den Gang zur Polizei oder die direkte Konfrontation mit dem Bösewicht. Resigniert flüchtet er sich schließlich in die perfekte Welt des Jesus-TV-Superhelden „The Holy Avenger“ (Nathan Fillion), was ihn geradewegs in den Comic-Laden von Libby (Ellen Page) führt, einer leicht durchgeknallten, hyperaktiven Comic-Expertin. Und dank eines so beiläufigen wie tiefgründigen Kommentares von Libby, weiß Frank plötzlich, was er zu tun hat: Er muss ein Superheld werden, um Sarah aus den Fängen des Bösen zu retten und nebenbei die Welt von kriminellen Subjekten zu erlösen. Gedacht, getan: Bewaffnet mit einer Rohrzange, einem roten Kostüm und ganz viel Gnadenlosigkeit, macht er sich fortan als „Crimson Bolt“ auf die Jagd nach Verbrechern und unhöflichen Menschen. Da er sich bisweilen ungeschickt anstellt, entdeckt Libby sofort seine Identität und drängt sich Frank unerbittlich als Kid-Sidekick „Boltie“ auf. Widerwillig, aber Hilfe brauchend, akzeptiert er und das Duo Infernale, das im Auftrag des selbst definierten Guten ganze Körperteile fliegen lässt, ist geboren.

James Gunn hat nicht zu viel versprochen: Super ist tatsächlich „a fucked up film“, aber auf absolut grandiose Weise: Denn die Geschichte um den stets von Halluzinationen - oder vielleicht auch Visionen - heimgesuchten Superhelden „Crimson Bolt“, ist eine wahre Achterbahnfahrt der Emotionen, die unweigerlich mit seinem Befinden zusammenhängt. Während wir beispielsweise in einer Sequenz von grenzenlosem Mitleid gebeutelt werden - vor allem wenn Frank traurig guckt - fällt uns im nächsten Moment schon wieder die Kinnlade herunter, weil ein plötzlicher Aktionismus zerfetzte Leichen hinterlässt und sich dabei nicht immer gegen kriminelle Subjekte richtet… Da die brutale Action oft durch abstruse, aber urkomische Ereignisse ausgelöst wird, stehen einem zwischendurch ebenfalls die Tränen vor Lachen in den Augen. In spezieller Form wird dies durch die teilweise wackelige Kameraführung unterstrichen, die das Auf und Ab in Franks Leben sowie Geist symbolisiert. Eine besondere Würze erhält die genial-verrückte Story durch die schön überzeichneten Charaktere und die fantastische Leistung der Schauspieler-Crew. Allen voran Ellen Page, die die wohl ausgeflippteste Rolle des ganzen Films hat und diese so glaubwürdig umsetzt, dass die Offenbarung von James Gunn, Ellen sei in der Realität eine sehr ruhige Person, erneut offene Münder erzeugte. In einem Punkt hat der Regisseur jedoch Unrecht: Super ist zwar eine schwarze, sarkastische, überaus brutale und tiefgründige Geschichte, die äußerst irre wirkt und einigen Menschen mit Sicherheit zu gewaltintensiv sein mag, doch erhält sie genau dadurch ihren Reiz und wird mit Originalität beseelt. Ergo: Nicht nur Freaks werden diesen Film lieben!

 

Super
Fantasy Filmfest 2011
Koch Media, USA 2010
Regie & Drehbuch: James Gunn
Hauptdarsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Kevin Bacon
96 Min.
DVD-Start in den USA: 9. August 2011

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