Gut – Ohne Sternchen
12. Aug 10: Die Ska-Band Streetlight Manifesto live im Magnet Club Berlin | Dobrila Kontic
Was kann man von einem Ska-Konzert in einem beschaulichen Berliner Club erwarten? Schweißnasse, aneinander klatschende Körper, die ein oder andere unschöne Verletzung, wenn man sich im Auge des Skanking-Tornados befindet und eine Band, die über genügend Lungenvolumen und Kondition verfügt, um den knapp einstündigen Auftritt auch durchzuhalten. Dies alles hat die US-amerikanische Ska-Punk-Truppe von Streetlight Manifesto am 10. August im Magnet Club in Kreuzberg mit Bravour geleistet und gemeistert. Lediglich an etwas mehr Esprit und Drive hatte es den vorgetragenen Songs gefehlt, um den entscheidenden Funken auch bei weniger eingefleischten Fans überspringen zu lassen.
2002 in New Jersey wurde die Band Streetlight Manifesto gegründet. Vier Alben, einige internationale Tourneen und diverse Wechsel in der Band-Formation später, befindet sich die siebenköpfige Truppe nun wieder auf Europa-Reise, um uns ihren – nach eigener Aussage – von Latin, Klezmer, Funk und Jazz beeinflussten Ska-Sound näher zu bringen. Was die Nähe zwischen Publikum und Band betrifft, eignet sich die Location vom kürzlich nach Kreuzberg umgezogenen Club Magnet hervorragend: Der relativ kleine Konzertraum und der kaum vorhandene Abstand zur Bühne erlauben es übereifrigen Fans sogar, die Schweißtropfen ihrer Lieblingsmusiker abzufangen. Nach einem soliden Auftritt der deutschen Support-Band The Bandgeek Mafia und einer rasch verflogenen Aufbaupause stürmten die sieben Jungs von Streetlight Manifesto die Bühne und beeindruckten das junge Publikum mit ihrer Nummer „We Will Fall Together“ vom vorletzten Album „Somewhere in the Between“:
Tanzwilligkeit und mitunter sogar Textsicherheit unter den Besuchern sorgte schnell für eine gute Stimmung, die auch für den Rest des Auftritts erhalten bleiben sollte. Souverän lieferte die Band auch „Watch it Crash“ und „Down, Down, Down to Mephisto’s Cafe“ von ihrem Vorgänger-Album ab, wobei sich vor allem der Lead-Vocalist und Gitarrist Tomas Kalnoky stimmlich hervortat. Was auf Neuhörer der Band anfänglich aber noch ganz erfrischend und tanzbar wirkte, verlor in den darauf folgenden Songs etwas an Glanz, da diese sich stark ähnelten und den versprochenen Einfluss anderer Musikrichtungen wie Klezmer und Funk vermissen ließen. So bleibt es auch verwunderlich, dass Streetlight Manifesto kaum auf die Songs ihres vielversprechenden neuen Albums „99 Songs of Revolution“ zurückgriffen, das beispielsweise ein hörenswertes Radiohead-Cover und die hitverdächtige Nummer „Would you be Impressed?“ enthält:
Nichtsdestotrotz boten die jungen Amerikaner bis zum Schluss eine solide Show. Ausgemacht wurde ihre Bühnenpräsenz dabei vor allem durch den schönen Kontrast zwischen den gerne herum zappelnden Mike Soprano, Michael Brown und Matthew Stewart an den Blasinstrumenten und dem wunderbar stoischen Peter McCullough am E-Bass, der gerne mit geschlossenen Augen spielte und eine verblüffende Ähnlichkeit zu Jack Black aufwies. Und die durch die Tanzwut der Fans entstandene Hitze im Publikum, das sich mitunter durch entkleidete Oberkörper und Stagediving Erfrischung verschaffte, ist Beweis genug für einen alles in allem durchaus gelungenen Auftritt der Band. Bleibt nur zu hoffen, dass Streetlight Manifesto durch das aktuelle Album musikalisch weiter an Profil gewinnen.
| 99 Songs of Revolution von Streetlight Manifesto |
| Erschienen am 12. März 2010 bei Victory Records |
Aktuelle Tourdaten für Deutschland:
- 11. August 2010: München
- 13. August 2010: Köln
- 14. August 2010: Eschwege Open Flair Festival

Kommentieren