Das Herz bluten und wieder volltanken lassen
15. Oct 09: Starsailor live | Dobrila Kontic
Zehn Jahre gibt es die britische Band Starsailor nun schon, die bekannt ist für ihre gefühlvollen Songtexte und die melancholische Stimme ihres Sängers James Walsh. In diesem Jahr haben sie ihr viertes Album „All the Plans“ veröffentlicht, dessen Songauskopplung „Tell me it’s not over“ zu Recht vermuten ließ, dass die Band inzwischen nicht mehr nur in rührenden Balladen brilliert, sondern auch ihre rauere Seite weiter kultiviert hat. So präsentierte sich denn auch der Auftritt von Starsailor im überschaubaren Postbahnhof in Berlin als eine besondere Mischung aus tränenreicher Melancholie und erbaulicherem Rock.
Unterstützt wurden Starsailor bei ihrem Auftritt von der jungen deutschen Band Oh Napoleon aus Krefeld. Die fünfköpfige Band hatte in ihrem halbstündigen Auftritt ein Repertoire aus kraftvollen emotionalen Songs zu bieten, die von einer noch etwas schüchternen, aber mit einer wunderschönen klaren Stimme gesegneten Sängerin vorgetragen wurden – insgesamt eine sehr passende Einleitung für den Auftritt des Hauptacts. Dieser gesellte sich denn auch nach einer scheinbar nie enden wollenden Aufbaupause (in der die drei verschiedenen Gitarren von James Walsh alle mit äußerster Präzision gestimmt werden mussten) schüchtern aber freudestrahlend auf die Bühne. Sie eröffneten ihren Auftritt mit „Tie up my hands“, dem ersten Song ihres ersten 2001 erschienenen Albums „Love is here“. Nach einem kleinen Witz über den offenen Knopf seines Hemdes und dem sich darunter befindenden gemütlichen Wohlstandsbäuchlein fuhr der Sänger James Walsh im Programm unter anderem mit „All the Plans“, dem titelgebenden Songs ihres aktuellen Albums vor. Doch es waren vor allem die ‚Klassiker‘ des Debütalbums, welche das alters- und stylemäßig bunt gemischte Publikum aufjubeln ließen. Unpassend und witzig zugleich erschien dabei das Aufjauchzen eines Fans nach dem Erklingen der ersten Zeile vom besonders Keyboard-lastigen Song „Alcoholic“: „Don’t you know you’ve got your Daddy’s eyes, and Daddy was an Alcoholic.“
Wer Starsailor zuvor noch nie live erlebt hat, dürfte erstaunt gewesen sein über die unglaubliche Präsenz von Walshs bewegender Stimme und der Solidität, mit welcher die Musiker ihre Instrumente beherrschen, allen voran der feurige Drummer Ben Byrne, der vor allem bei den schnelleren Liedern wie „Tell me it’s not over“ sein Können unter Beweis stellen konnte. Bei Balladen wie „Love is here“ wurden im Dunkel des beschaulichen Raumes bestimmt hastig Tränen weggezwinkert, während man bei ebenso traurigen aber melodisch etwas erbaulicheren Songs wie „Poor Misguided Fool“ den Kloß runterschlucken und wieder mitsingen konnte. Spätestens bei „Four to the Floor“ mündete die Stimmung in eine Heiterkeit, die in einer mit cooler Ironie vorgetragenen Version des ehemaligen grenzwertigen Thin White Duke -Remixes ebendieses Songs kulminierte. Kleine Abstecher in Bruce Springsteens „Secret Garden“ und das „Champagne Supernova“ von Oasis wurden ob der gefühlvollen Eigeninterpretation der Band positiv aufgenommen, ebenso wie die netten Dankesbekundungen an die Fans, die Starsailor schon seit dem ersten Album unterstützen. Dementsprechend wurde das offizielle Ende (hinterher gab es natürlich noch drei Zugaben) mit „Good Souls“, ohne die laut Songtext „life would not matter“, zelebriert. Nach solch einem gekonnten Auftritt einer überaus talentierten, aber dennoch bescheiden und bodenständig gebliebenen Band möchte man dieses Kompliment gerne zurückgeben.
| Starsailor: All the Plans. |
| Label: Virgin (EMI), 2009. |
| Dt. CD-Start: 6. März 2009. |


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