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Minutiös, monoton und mitreißend

18. Nov 10: Sofia Coppolas gefeierte Zustandsaufnahme Somewhere | Dobrila Kontić

Flash is required!

Zurücklehnen, in sich aufnehmen und gaaanz langsam wirken lassen – was für abstrakte, auf den ersten Blick unverständliche Kunstwerke im Museum gilt, kann man sich getrost auch für die Filme von Sofia Coppola vornehmen. Denn nur über die Akzeptanz langer Kameraeinstellungen, kaum vorhandener Dialoge und Figuren, die nicht handeln, sondern eher die dürftige Handlung über sich ergehen lassen, lernt man Somewhere, ihren Film über die leere, stumpfsinnige Seite des Ruhms, zu schätzen als das, was er ist: Die durch Minutiösität und Randdetails überzeugend gestaltete Greifbarmachung eines Lebensgefühls, das ansonsten abstrakt bleiben würde.

Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein recht berühmter, kurzzeitig in einem Hotel in den Hollywood Hills verweilender Schauspieler. Sein Leben besteht aus langen Fahrten in seinem eleganten, schwarzen Ferrari, nicht mehr ganz so wilden Partys, die er sich mit Pillen und Alkohol verschönert und den stereotypen kalifornischen Blondinen, die ihn stets freudestrahlend mit einem dahingeblödelten „Hallo, Johnny!“ begrüßen. In die Masse von Freizeit ragt hin und wieder eine kleine Arbeitsinsel, wie die aufwändige Maskierung in der Special Effects-Abteilung der neuesten Filmproduktion oder Presse- und Fototermine, bei denen immer wieder deutlich wird, wie sehr der Schauspieler Hülle, und wie wenig Inhalt er ist. Etwas mehr Abwechslung bringt da schon der ein Mal pro Woche stattfindende Besuch der 11jährigen Cleo (Elle Fanning), seiner Tochter aus einer lange gescheiterten Beziehung. Die Zeit vertreiben sich Vater und Tochter mit Videospielen und Abstechern zum Hotelpool. Als Cleos Mutter Layla kurzfristig auf unbestimmte Zeit verreist, soll Johnny seine Tochter zum Feriencamp bringen. Doch er beschließt, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, nimmt sie mit zu einer Filmpremiere nach Mailand und genießt mit ihr für kurze Zeit die verzerrte Illusion eines Alltags, den er schon lange nicht mehr hatte.

„In meinen Filmen gibt es viele Menschen, die irgendwie heimatlos wirken. Sie befinden sich in einer Phase des Übergangs, lassen sich treiben und wissen nicht, wohin ihr Weg sie führen wird“, äußerte Sofia Coppola in der jüngsten Ausgabe des ZEIT Magazins und liefert damit eine treffende Beschreibung ihrer Filme. In Virgin Suicides war es der schmerzhafte Übergang ins Erwachsenendasein, in Lost in Translation das ziellose Treiben durch das Nachtleben Tokios und in Marie Antoinette das sinnentfernte, müßiggängerische Schwelgen einer Königin. Nur scheint Somewhere durch seine gewollte Handlungsarmut, den bewussten Verzicht auf allzu viel Hintergrundmusik und die überall einen Tick zu lange verweilende Kamera die von Coppola so geschätzte „Phase des Übergangs“ in ihrer reinsten Form erfassen zu wollen. Durch diesen Mut zur minutiösen Monotonie macht sie die Sinnlosigkeit und die Leere, die der Hauptfigur im Laufe des Films immer bewusster wird, auch für den Zuschauer, der vielleicht nicht so recht verstehen will, was am Leben eines Hollywood-Stars schon bedauernswert sein könnte, schließlich erfahrbar. Somewhere gelingt damit auf sehr subtile Weise die Demontage des ‚Lifestyle of the Rich and the Famous‘, die Darstellung der Leere hinter der immerglatten und –glücklichen Hollywood-Fratze.

Somewhere
American Zoetrope. USA 2010
Regie & Drehbuch: Sofia Coppola
Hauptdarsteller: Stephen Dorff, Elle Fanning
93 Min. Dt. Kinostart: 11. November 2010

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