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Die Mauer der Schuld

02. Mar 10: Martin Scorseses Psychothriller Shutter Island | Jana Brinckmann

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Am 13. Februar 2010 war es endlich soweit: Martin Scorsese ließ sein bereits 2008 abgedrehtes Werk, Shutter Island, auf der 60. Berlinale uraufführen. Wieder mit an Bord ist Leonardo DiCaprio, der seit den Dreharbeiten zu Gangs of New York im Jahr 2002 die neue Muse des mehrfach ausgezeichneten Regisseurs zu sein scheint. Diesmal bekam DiCaprio die Hauptrolle des U.S. Marshalls Teddy Daniels auf den Leib geschneidert, der gemeinsam mit einem Kollegen die mysteriöse Flucht einer Insassin aus der psychiatrischen Anstalt für geistig gestörte Gewaltverbrecher untersuchen soll. Doch wer jetzt aufgrund der Story und/oder des Trailers glaubt, Scorsese macht einen Ausflug ins Horrorgenre, der irrt. Vielmehr wird uns ein hauptsächlich durch die Musik beängstigend wirkender Psychothriller präsentiert, der aber dennoch überraschend gelungen ist.

Im Jahr 1954 begibt sich der seekranke und unter Migräne leidende Marshall Teddy Daniels samt neuem Kollegen, Chuck Aule, nach Shutter Island, um ‚offiziell‘ das angebliche Verschwinden der dreifachen Kindermörderin Rachel Solando aufzuklären. Der Fall erweist sich jedoch als äußerst seltsam, denn von der „Patientin“ und nicht Gefangenen, wie es der leitende Anstaltsarzt Dr. Cawley zu nennen beziehungsweise zu betrachten wünscht, existiert im wahrsten Sinne keine Spur. Selbst wenn sie das bewachte Gelände verlassen konnte, gäbe es kein Entkommen von der von Steilküste umringten Insel, auf welcher zudem ein Sturm wütet. Suspekt ist ebenfalls das Verhalten aller befragten Patienten und des gesamten Personals einschließlich Dr. Cawleys, welche die Untersuchungen durch kollektives Schweigen behindern. Abstruser wird das Ganze nachdem Daniels in Rachels Zimmer eine Notiz mit dem Hinweis auf einen scheinbar unbekannten 67. Insassen findet. Da er allerdings in diesem Fall vorerst nicht weiter kommt und der Sturm die Insel von der Außenwelt abgeschnitten hat, beschließt er seinem ‚inoffiziellen‘ persönlichen Anliegen nachzugehen. Denn der eigentliche Grund für das Erscheinen des Marshalls ist erstens die Suche nach dem Mörder seiner Frau Dolores, welcher kürzlich in die Anstalt eingewiesen wurde, und zweitens die Beweisfindung für den Verdacht, dass auf Shutter Island grausame Experimente an den Gefangenen durchgeführt werden. Die Suche wird aber immer bizarrer und undurchsichtiger, was auch an der schlechten gesundheitlichen Verfassung Teddy Daniels‘ liegt. Immer wieder plagen ihn Migräneattacken, weshalb er Medikamente nehmen muss, die Halluzinationen beziehungsweise Alpträume verursachen. Völlig am Ende sieht er sich dann als Schachfigur in einer Regierungsverschwörung zwecks Vertuschung einer entsetzlichen Wahrheit. Doch was ist die Wahrheit? Daniels vertraut jedenfalls niemandem mehr und spielt auf Leben und Tod.

Scorsese hat mit Shutter Island einen Film auf die Leinwand gebracht, der die Zuschauer bestimmt in zwei Lager teilen wird. Die Einen werden nur mäßig angetan sein, denn die Geschichte gewinnt nur langsam an Fahrt, was dank des Trailers wahrscheinlich eine negative Überraschung ist. Genauso wie die suggerierte Erwartung, es handle sich um einen Thriller zum Fürchten mit verstörenden Szenen. All denjenigen sei hiermit die Illusion genommen. Auch kann die übermächtige musikalische Untermalung, mit ordentlich Trompeten und Paukenschlag, vor allem während des ersten Drittels des Films sehr nervenraubend wirken. Das andere Lager hingegen mag restlos bewegt sein, denn der ruhige Start wandelt sich doch noch in Spannung pur, die sich in einem wirklich unerwarteten, geistreichen Schluss entlädt. Wer demnach wissen möchte, wie das Ende selbst die ohrenbetäubende Musik rechtfertigt und dazu animieren kann, den Film auch ein zweites Mal zu schauen, der traue sich ruhig ins Kino.

 

Shutter Island
Paramount Pictures, USA 2008
Regie: Martin Scorsese. Drehbuch: Laeta Kalogridis
Romanvorlage: Dennis Lehane
Hauptdarsteller u.a.: Leonardo DiCaprio, Michelle Williams, Ben Kingsley
138 Min., Dt. Filmstart: 25. Februar 2010

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