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Kinder, wie die Zeit vergeht…

05. May 11: …oder auch nicht: Wes Cravens Scream 4 | Dobrila Kontić

Flash is required!

Vor sage und schreibe 15 Jahren hat Wes Craven, der Altmeister des Horrorfilms, das Slasher-Genre mit dem ersten Teil seiner Scream-Trilogie wiederbelebt, und zwar indem er an dessen Grundfesten rüttelte: In Scream wurden die Horrorklassiker der 70er und 80er, darunter Craven-Produktionen, von den Protagonisten immer wieder erwähnt und offen diskutiert, das allzu durschaubare Regelwerk des Slasher-Genres offen dargelegt und schließlich im Film selbst unwillkürlich widerlegt oder bestätigt. Zwei Fortsetzungen folgten und schafften es durch ihre selbstreferentielle Form und die Beibehaltung des Besetzungs-Dreigespanns Campbell-Cox-Arquette noch einen beachtlichen Erfolg an den Kinokassen zu erzielen und den Zuschauer durch ein paar nette Einfälle zu schocken. Mit der nun in Deutschland anlaufenden Fortsetzung Scream 4 steht daher eine Menge auf dem Spiel – schließlich haben die vergangenen 15 Jahre eine neue, von der digitalen Welt geprägte Zuschauer-Generation hervorgebracht und zudem Spuren am Horrorgenre hinterlassen, die Wes Craven einerseits einkalkuliert und andererseits bewusst missachtet.

„New Generation, New Rules“ lautet der Claim für Wes Cravens unerwartete Fortsetzung der Scream-Trilogie. Und mit ebendieser Generation wird das inzwischen gereifte Final Girl Sidney Prescott (Neve Campbell) konfrontiert, als sie ihre Heimatstadt Woodsboro aufsucht, um ihr neues Buch „Out of the Dark“ – eine autobiographische Schilderung der traumatisierenden Woodsboro-Morde – vorzustellen: Gerade jährt sich das Massaker in dem Städtchen zum 15. Mal und einige Jugendliche sind von der Mordserie noch immer so fasziniert, dass sie die Stadt mit den berüchtigten Ghostface-Masken geschmückt haben. „Die Tragödie der einen Generation ist der Witz der nächsten“, kommentiert Sheriff Dewey Riley (David Arquette) diesen makaberen Streich. Doch zum Kopfschütteln über die verkorkste Jugend bleibt ihm nicht viel Zeit, denn Ghostface hat wieder zugeschlagen: Zwei Mädchen von der Highschool wurden nach gewohnter Manier abends daheim mit Telefonanrufen belästigt und anschließend niedergestochen. Die nun erfolgenden Ermittlungen erfordern natürlich Sidneys weitere Anwesenheit – sehr zum Missfallen von Deweys Angetrauter Gayle (frisch gebotoxt und aufgespritzt: Courteney Cox), die in ihrer Rolle als Ex-Reporterin und von einer Schreibblockade geplagten Autorin kaum aufgeht und neidisch Sidneys derzeitigen Erfolg beäugt. Sidney kommt in der Zwischenzeit bei ihrer Tante und deren Teenager-Tochter Jill (Emma Roberts) unter. Durch Jill wird dem Zuschauer auch der aktuelle Highschool-Jahrgang näher gebracht: Wieder haben wir es mit von Horrorfilmen begeisterten Jugendlichen zu tun, die Sidney und Gayle gerne erläutern, was es mit den neuen Morden auf sich hat: Wie im Horrorfilm-Remake gehe es darum, das Original zu toppen und dabei treten allerlei Regeln außer Kraft, bis auf die eine: „Don’t fuck with the Original“

Mit einer bis zur Absurdität gesteigerten Selbstironie legt Scream 4 gleich zu Beginn los und schafft es dabei durchaus den Zuschauer zu amüsieren und einige Kommentare zur aktuellen Lage des Horrorfilms einzubetten. Dabei kriegt das Phänomen des Torture Porn-Films (man denke an Folter-Horror à la Saw und Hostel) ebenso sein Fett weg wie die seit Jahren kaum einzudämmende Flut an unnötigen Remakes von Horror-Klassikern wie Halloween. Und nachdem sich die Opfer zu Beginn des Films lustig machen über kleine asiatische Mädchen und Zombies, die das Publikum heutzutage gruseln, möchte man fast meinen, dass sich Scream 4 demzufolge doch einfach auf den guten, alten, Teenager aufschlitzenden Maskenmann besinnen und dabei noch einige Seitenhiebe verteilen würde. Doch Fehlanzeige. Im Verlauf des Films wird unnötigerweise der Hang der heutigen Jugend zur Selbstdarstellung übers Internet mit einbezogen – und zwar auf äußerst plumpe und uninspirierte Weise. Neue Fans wird Craven mit dieser Facette seiner Fortsetzung wohl kaum hinterm Ofen hervorlocken und auch die alten werden Scream 4 in seiner Gesamtheit eher als das betrachten, was es schmerzlicherweise letzten Endes tatsächlich ist: Eine Konfrontation mit längst vergangenen Zeiten, als man als junger Zuschauer im Kino noch einer echten, originellen Genre-Neuerung beiwohnen konnte. Hach, lange ist das her…

Scream 4
Dimension Films, USA 2010
Regie: Wes Craven. Drehbuch: Kevin Williamson
Hauptdarsteller u.a.: Neve Campbell, David Arquette, Courteney Cox
111 Min. Dt. Filmstart: 5. Mai 2011

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