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Liebe in Zeiten der Globalisierung

15. Mar 10: Detlef Bucks Liebesdrama Same Same But Different als Kulturcrash | Martin Müller

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Das Südostasien bei Europäern und überhaupt Westlern sehr beliebt ist, liegt nicht nur an der überwältigenden Natur und Gastfreundschaft. Neben der Exotik bietet diese Region vor allem für Abenteurer ein hohes Maß an Möglichkeiten für wenig Geld. Natürlich auch Frauen, die für ebenso wenig Geld das Gefühl von Zuneigung und Begehren vorheucheln – oder nur billigen Sex bieten. Nicht selten kommen über solch dubiose Bekanntschaften auch echte Liebesgeschichten zustande, wie sie jetzt von Detlef Buck nach dem autobiografischen Roman von Benjamin Prüfer mit Same Same But Different verfilmt wurde. Ein frischgebackener Abiturient geht mit einem Freund als Backpacker nach Kambodscha und findet dort seine Liebe. Doch zeigt sich schnell, dass hier nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen, sondern auch ein schweres Schicksal zur Bewährungsprobe wird. Ohne große Sentimentalitäten inszeniert Buck dieses Drama und lässt so keinen Raum für Kitsch oder allzu pathetische Auswüchse. Dies geht leider auch zu Kosten der Charaktere, die dadurch etwas unbelebt wirken angesichts der Dramatik.

Denn allein aus der Eröffnungsszene entspringt die ganze geballte Dramatik, als das Bargirl Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) per Internettelefonie ihrem deutschen Freund Ben (David Kross) die Nachricht überbringt, dass sie positiv auf HIV getestet wurde. Von hier aus geht der Blick zurück auf den „Kriegsurlaub mit Anspruch“, wie es Ed, Bens Freund, nennt. Dies meint Panzerfaustschießen, Kokain und Sex. So lernt Ben dann auch Sreykeo zugedröhnt in einer Bar kennen, nimmt sie mit und sie verbringen zusammen die Nacht – ohne Sex, aber gegen Bares. Daraus entwickelt sich langsam eine Romanze, wegen derer sich Ben entschließt, länger zu bleiben. Er verbringt die Tage bei Sreykeo zu Hause, gibt bereitwillig Geld, was Sreykeos Mutter verspielt, bis er wieder zurückreisen muss. Doch haben beide vereinbart, dass Sreykeo nicht mehr ‚arbeiten‘ geht und Ben ihr dafür Geld schickt. So beginnt Ben ein Praktikum in der Redaktion von seinem Bruder Henry, der wenig von dieser Liebe hält, ihn aber unterstützt. Dann sind wir wieder am Ausgangspunkt: Die schreckliche Nachricht. Negativ getestet, reist Ben nach Kambodscha, um seiner Freundin zu helfen, reist mit ihr nach Thailand für Untersuchungen und schafft es schließlich mit unlauteren Mitteln die richtigen Medikamente zu besorgen. Nach einem Besuch bei Sreykeos Familie auf dem Lande kommt es zum Eklat, als Sreykeos Vater ihn fragt, ob er einen Hausbau finanziert, was Ben ablehnt. Schließlich fragt Sreykeo auch noch, ob er sie heiraten möchte, was er ebenfalls verneint. Zurück in Deutschland schwindet der Kontakt zwischen beiden. Grund ist Sreykeos wieder aufgenommene Arbeit als Bargirl. Es kommt zum großen Showdown in Malaysia, wo Ben sich formal von ihr trennen möchte.

Die Geschichte allein verlangt einem Mitgefühl ab, doch weniger seine saloppe Präsentation. Zwar ist es die große Stärke des Films, seine Protagonisten nicht als Voyeure zu betrachten, aber dies lässt sie eher wie blasse Facetten wirken. Dagegen kommt die politisch-gesellschaftliche Komponente nicht zu kurz. Buck reißt in diesem Film die groteske Schizophrenie westlicher Besucher zwischen Helfer und Nutznießer an, hinterfragt auch gleichzeitig die Wahrhaftigkeit einer Liebe, die so sehr vom finanziellen Fundament abhängt und der leidlichen Situation junger Mädchen, die zur Prostitution auch aus ihren eigenen Familien heraus gezwungen werden. So tritt die eigentliche Geschichte zweier Menschen in einer unwirklichen Situation in den Hintergrund. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass von den Hauptfiguren allein nicht der Funke überspringt. Vielmehr bringt Buck in Nebenrollen überzeichnete Charaktere ein, wie den Weltenbummler Alex, der eigentlich nach China will, aber billigem Sex und Drogen in Kambodscha erlegen ist. Geschichten wie diese sollen gesellschaftskritisch sein, wirken aber derart pseudolässig wirken, dass es eher an die dümmlichen deutschen Klamauk-Komödien erinnert. Symptomatisch dafür wirken zudem die Gaststar-Auftritte von Mario Adorf als verwirrten Chef und Olli Dietrich, der den blödsinnig grinsenden Vater gibt und alles ganz relaxt-entspannt sieht. Ein eigentlich schönes Drama, weggespült in lakonischer Distanz.

Same Same But Different
Boje Buck, Deutschland 2009
Regie: Detlef Buck. Drehbuch: Ruth Thoma, Michael Ostrowski, Detlev Buck
Hauptdarsteller u.a.: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Jens Harzer
106 Min. Dt. Filmstart: 21.01.2010, FSK: 6 Jahre

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