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Das komplette Paket

25. Sep 09: Guy Ritchies Gangster-Komödie Rock N Rolla | Dobrila Kontic

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„Wir stehen alle auf die schönen Dinge im Leben. Der eine auf die Kohle, der andere auf die Drogen, wieder andere auf den Sex, den Glamour … oder den Ruhm. Aber ein Rock n Rolla, … der ist anders. Wieso? Weil der echte Rock n Rolla das komplette Paket will!“ Diese Erkenntnis lässt Guy Ritchie zu Beginn seines Gangster-Films RocknRolla von der alles überschauenden Figur Archie äußern – und lässt damit keinen Zweifel aufkommen, dass sein neuer Streich thematisch fast nahtlos an die einstigen Kultfilme Bube, Dame, König, grAS und Snatch – Schweine und Diamanten anknüpft. Wieder geht es um die geschäftlichen und persönlichen Verflechtungen von Londons Untergrund-Welt, doch dieses Mal drehen sich die lukrativen Geschäfte nicht etwa um Marihuana oder gestohlene Diamanten, sondern verlagern sich ganz zeitgemäß in ein anscheinend viel kriminelleres Umfeld: den Immobilienmarkt.

In den ersten Minuten von RocknRolla werden in einem der wahrscheinlich längsten Kameraschwenks in der Geschichte des Films die groben Handlungszusammenhänge erläutert: Drei Ex-Knackis, die sich die „harten Kerle“ (im Original „The Wild Bunch“) nennen, wollen sich durch ein Immobilienprojekt eine neue Existenz aufbauen. Die benötigten Kontakte zum schmierwilligen Stadtrat werden ihnen vom unsympathischen und skrupellosen Gangster-Mogul Lenny Cole verschafft. Dieser wiederum sieht sich jüngst (wieder sehr zeitgemäß) bedroht vom russischen Milliardär Juri Omovich, der sich einen fulminanten Aufstieg in der Immobilien-Branche erhofft und für Lenny den Untergang der alten, scheinbar ‚urbritischen‘ Gangsterschule verkörpert. Ein vom Milliardär an Lenny verliehenes, dann natürlich gestohlenes „Glücksgemälde“, eine in gleichem Maße hinterlistige wie attraktive Buchhalterin, ein tragikomischer Crack-abhängiger Rockstar namens Johnny Quid (Amy Winehouse, ick hör dir trapsen...), ein schwules Outing unter den „harten Kerlen“ und zwei sehr robuste Klischee-Russenschläger machen den ebenso chaotischen wie flüssigen Plot perfekt – fertig ist ein neuer und zugleich altbekannter Gangster-Film à la Guy Ritchie.

RocknRolla ist ein rasanter, streckenweise auf subtile und dann wieder auf ziemlich plumpe Weise witziger Film, der natürlich wieder von der Ritchie-typischen Coolness der Figuren, Dialoge sowie den musikalischen und visuellen Arrangements lebt. Überaus geschickt werden Handlungsverflechtungen zwischen Gangster-, UpperClass-, Junkie- und Musiker-Milieu offenbart. Fast schon zu glatt erscheint diese Komposition, wäre da nicht Gerard Butler, der (ähnlich dem nuschelnden Boxer, den Brad Pitt auf herrlich asoziale Weise in Snatch spielte) seine Figur OneTwo auf eine leicht tölpelhaft-verschmitzte, aber sehr sympathische Weise interpretiert und dem Film auf diese Weise eine Portion der dringend benötigten Ironie beimengt. Wie der Abspann verrät, darf man sich auf eine Fortsetzung namens The Real RocknRolla freuen, die dann hoffentlich durch zusätzliche ironische Auflockerungen das von uns allen so begehrte „komplette Paket“ zumindest in filmischer Form darstellt.

 

RocknRolla (RockNRolla). Großbritannien 2008. 114 Min.
Regie & Drehbuch: Guy Ritchie.
Hauptdarsteller u.a.: Gerard Butler, Tom Wilkinson, Thandie Newton.
Erschienen auf DVD bei: Warner. FSK: 16.
Extras: Regiekommentar.
DVD-Start: 24. Juli 2009.

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