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One Man Standing

26. Aug 10: Red Hill - Die Schaffung eines ganz neuen Genres: Der Australo-Western | Martin Müller

Australien ist hier zu Lande ja eher für seine Naturwunder, Surfen und aufgeschlossenen Menschen bekannt. Dabei wird aber auch gerne über die wenig ruhmreiche Geschichte im Umgang mit seinen Ureinwohnern, den Aborigines, hinweg gesehen. Wie in vielen Teilen dieser Erde wurde auch Australien im Zuge der englischen Kolonialisierung von Unterdrückung und Verfolgung seiner ursprünglichen Bevölkerung geprägt. Die eingebildete Überlegenheit der ‚weißen Rasse‘ ließ jedwede Scham vergessen und unerträgliches Leid verbreiten. So wundert es auch nicht, dass der australische Beitrag zum Fantasy Filmfest um diesen alten Konflikt herum in einen knallharten Thriller mit leichter Western-Attitüde konzipiert wurde. In Red Hill macht ein Schwerverbrecher, ein Aborigine, Jagd auf seine alten Peiniger und versetzt so nicht nur diese sondern auch den jungen Constable Shane in Aufruhr.

Flash is required!

Doch beginnt alles zunächst sehr unscheinbar. Mitten im Nirgendwo der australischen Provinz tritt Shane (Ryan Kwanten) nach seiner Versetzung in der ‚bewohnten Kreuzung‘ Red Hill seinen Dienst an. Und der Tag fängt schon nicht besonders gut an, denn Shane kann seinen Revolver nicht finden, seine Frau hat einen Weinkrampf und er geht zu Fuß von seinem außerhalb gelegenen Häuschen zur Arbeit. Dort findet er einen seiner neuen Kollegen schlafend vor, der andere würdigt ihn nicht eines Blickes und der ‚Polizeichef‘ steckt in einer Bürgerversammlung. Also muss er dorthin und merkt schnell, dass sein neuer Chef nicht nur der Polizei vorsteht, sondern auch im Ort das Zepter schwingt. Nach einem Besuch beim Friseur und anschließendem Frühstück wird Shane erstmal gehörig ausgefragt, bis er dann auch seinen ersten Fall übernehmen darf. Per Pferd wird er auf eine Farm geschickt, wo angeblich ein Panther gewütet hat. Zurück im Revier bemerkt er plötzlich, dass sich eine Horde von Bewohnern versammelt hat und sich bewaffnet. Der Schwerverbrecher Jimmy Conway ist ausgebrochen und die Anwesenden wollen ihn um jeden Preis zur Strecke bringen. Auf einen entlegenen Straßenposten abgeschoben trifft Shane als erstes auf Conway und wird durch einen Sturz ins Tal ordentlich verletzt. Als er sich bis nach Red Hill durchgekämpft hat, muss er feststellen, dass Conway über Leichen geht, die seinen Weg säumen. Doch scheint es, dass Conway es nur auf die bewaffnete Meute abgesehen hat und dieser einen durchaus schmerzhaften Tod angedeihen lässt, was natürlich auch Fragen aufwirft. Es geht drunter und drüber und die Jäger sind ihrer Beute nicht gewachsen und verlieren schlussendlich komplett die Übersicht. Nur Shane gewinnt immer mehr Einblick in die dunklen Machenschaften vergangener Tage, die schließlich auch Conways Rachefeldzug durch die Gemeinde erklären.

Gerahmt von großartigen Landschaftsaufnahmen, inszeniert Regisseur Patrick Hughes mit seinem Thriller Red Hill eine spannende Jagd durch die verschlafene Ödnis im Stile eines Western. Man fühlt sich leicht erinnert an No Country For Old Men, wenn Conway ohne jede Regung eiskalt seine Jäger erledigt und selbst im größten Kugelhagel unbeweglich verharrt. Es gruselt einen schon, aber mehr noch durch die Inkompetenz seiner Verfolger, die diesem Mann einfach nicht gewachsen sind. Durch diese plumpen Versuche erzeugt Hughes eine subtile Komik, die aber im Blutrausch und der Brutalität der Exekutionen dem Zuschauer schnell wieder den Ernst der Lage vor Augen führt. Besonders Ryan Kwanten (bekannt aus True Blood) überzeugt mit seiner smarten Art. Daneben muss aber leider auch gesagt werden, dass die Story insgesamt vorhersehbar ist und sich ziemlich genau auf das Scharmützel beschränkt. Die schlussendliche Lösung um das düstere Geheimnis der im Kampfe verschworenen Männer überrascht auch keinen wirklich. Dennoch bietet Red Hill solide Thriller-Spannung und sticht neben den ganzen Slasher und Splatter-Filmen des Fantasy Filmfestes hervor.

Red Hill
Australien 2010
Regie und Drehbuch: Patrick Hughes
Hauptdarsteller u.a.: Ryan Kwanten, Steve Bisley, Tom E. Lewis
95 Min. Dt. Filmstart: unbekannt

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