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Ein doppelter Bruch

08. Feb 15: BERLINALE 2015 – Forum: Alex Ross Perrys Freundschaftsdrama Queen of Earth | Dobrila Kontić

Verschmierte Mascara, gerötete Nase, mintgrüner Bademantel: In der Eröffnungsszene von Queen of Earth erkennt man nicht nur am schmerzhaften Dialog umgehend, dass mit Catherine (Elisabeth Moss) gerade Schluss gemacht wird und sie das kaum verkraftet. Schließlich liegt der Selbstmord ihres Vaters, eines angesehenen New Yorker Künstlers, erst drei Monate zurück. Am Boden zerstört beschließt sie, sich im Ferienhaus ihrer Freundin Virginia (Katherine Waterston) einzuquartieren. Diese empfängt ihre beste Freundin bereitwillig, weiß aber nicht so recht mit deren Lebenstief umzugehen.

Vergeblicher Rückzug

Dabei hatte Virginia genau vor einem Jahr ein wohl ähnliches Schicksal zu bewältigen und zog sich damals just an diesen Ort, dem Ferienhaus ihrer Eltern in der Nähe von New York, zurück. Auch damals erhielt sie Besuch von Catherine – diese brachte aber zu Virginias großem Verdruss ihren damaligen Freund (ja genau: der Schlussmacher) mit. Die Rollen haben sich in diesem Jahr, so unterstreichen die perfekt platzierte Rückblenden in Queen of Earth, deutlich verkehrt: Virginia ist ihrer Krise entkommen und wirkt inzwischen ausgeglichen und lebensbejahend, während Catherine in den Tagen, die sie im Ferienhaus verbringt, langsam abdriftet und ein zunehmend beängstigendes Verhalten an den Tag legt. Über ihrem desolaten Seelenzustand schwebt zudem das nachvollziehbare Gefühl, dass die Freundschaft zwischen ihr und Virginia seit dem letzten Jahr nicht mehr zu kitten ist: Zu Beginn von Catherines Aufenthalt hat Virginia noch die Chance, auf ihre Freundin stärker einzugehen, doch der Groll darüber, dass Catherine im vergangenen Jahr für sie ebenfalls kaum da war, verstärkt die Distanz zwischen den beiden Freundinnen. Sowohl in den Rückblenden als auch im Verlauf der gegenwärtigen Handlung scheinen beide Frauen stets den spottend-ironischen einem aufrichtigen Ton und die Kritik der Einfühlsamkeit vorzuziehen – ihre Freundschaft hat irreparable Brüche davongetragen, die Catherines zunehmenden Wahn nur zu verstärken scheinen.

Verpasste Abfahrt

Mit Queen of Earth nimmt Alex Ross Perry eine durchaus interessante, komplizierte Freundschaft zwischen zwei Frauen ins Visier, aber an entscheidender Stelle entscheidet sich sein Film bewusst dagegen, eine eindeutige Richtung einzuschlagen: Catherines Wahn avanciert ab der Hälfte des Films unaufhaltsam zum Hauptthema, das die vorher sorgsam aufgebaute Spannung in der Beziehung zwischen den beiden Frauen im Nu in den Schatten stellt. Damit wurden bei diesem aufwühlenden Drama leider wertvolle Chancen vertan – wie auch das eher ärgerliche offene Ende klarmacht.

Queen of Earth
Her Majesty September, USA 2015
Regie & Drehbuch: Alex Ross Perry
Hauptdarsteller: Elisabeth Moss, Katherine Waterston, Patrick Fugit
90 Min. Berlinale 2015 – Forum

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