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Aliens wie wir

05. Dec 09: Jorge Blancos Animationsfilm Planet 51 | Jana Brinckmann

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Wie oft hat sich die Menschheit schon die Frage gestellt, ob es in den Weiten des Universums intelligentes Leben gibt. Der US-amerikanische Astronaut Charles ‚Chuck‘ Baker aus dem Animationsfilm von Regisseur Jorge Blanco und Autor Joe Stillman (Shrek), kann diese Frage überraschenderweise mit „Ja“ beantworten. Denn auf dem Lichtjahre entfernten Planeten 51 existiert eine sehr amerikanische und damit ‚natürlich‘ auch intelligente Spezies, die sich evolutionstechnisch in den Fünfzigern befindet. Mit vielen Bezügen zu diversen Science-Fiction-Filmen wie Alien oder E.T. versuchen die Produzenten ein witziges Weltraum-Abenteuer über die „unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu kredenzen, die gar nicht so unheimlich sein muss. Umso bedauerlicher ist, dass sich der Witz und die Originalität der Idee nicht in der Handlung widerspiegeln.

Die Welt der grünen niedlichen Außerirdischen, deren Haare wie Bananen aussehen, entspricht einer idealisierten Vorstellung der amerikanischen bürgerlichen Gesellschaft in den fünfziger Jahren. So geht es in der beschaulichen Kleinstadt des Teenagers Lem, der nach dem polnischen Science-Fiction-Autor Stanislav Lem benannt wurde, auch sehr friedlich zu. Die immer gut-gestylten Mütter kochen, kümmern sich um die Kinder und führen kleine Alien-Hunde aus, die äußerlich an die bösartigen Kreaturen aus dem Film Alien mit Sigourney Weaver angelehnt sind, und die Väter gehen fleißig zur Arbeit. Selbst die protestfreudigen Hippies passen vorzüglich in das heile spießige Bild. Doch nicht nur das Verhalten und der Kleidungsstil erinnern an die Erde, sondern ebenso die Gestaltung der Landschaft beziehungsweise des Ortes, was zu einer absurden, fast schon störenden Vertrautheit führt. Kleinere Abweichungen sind natürlich vorhanden, wie der Steinregen oder die Autos ohne Räder.

Nach einer kurzen Einführung in den Alltag à la Pleasantville (bevor Reese Witherspoon Aufruhr verursachte), wird an einem perfekten Grilltag das idyllische Leben allerdings empfindlich gestört als plötzlich ein UFO vor Lems Haus landet. In heiliger Entdecker-Mission entsteigt der Astronaut Chuck Baker, der heroisch drei große Schritte für die Menschheit macht, indem er die amerikanische Flagge in den Boden des neuen Planten rammt. Aber auch sein ‚idyllischer‘ Augenblick wird gestört, denn er muss feststellen, dass der Planet wider Erwarten bewohnt ist… Zeitgleich entwischt die durch Chucks Ankunft wieder aktivierte US-Weltraumsonde Rover, die einem Elektrohund nachempfunden ist, aus der geheimen Militärbasis „Base 9“, um zum Mutterschiff zurückzukehren. Diese Ereignisse rufen rasch die Army auf den Plan, die den Eindringling aus Angst vernichtet zu werden, festnehmen wollen. Allerdings hat auch der leicht narzisstische Astronaut Angst und versteckt sich im Planetarium, wo der pubertierende Lem arbeitet. Nach der ersten holperigen Kontaktaufnahme merken beide schnell, dass sie nicht nur (unglaublich aber wahr) dieselbe Sprache sprechen, sondern auch, dass der jeweils Andere liebenswürdig ist. Deshalb beschließt Lem Chuck bei seiner Flucht nach Hause zu helfen und der Öffentlichkeit gleichzeitig kundzutun, dass Aliens gar keine bösen Monster sind. Damit beginnt das Abenteuer auf Planet 51.

Mit seinen Produktionskosten in Höhe von ca. 70 Millionen Dollar und den vergleichsweise mageren US-Einnahmen von rund 30 Millionen Dollar ist das Animations-Abenteuer ein bisher sehr kostspieliger Kassenflop. Die Gründe dafür liegen nicht etwa an mangelhafter Qualität oder dem ‚Niedlichkeitsfaktor‘, sondern an der enttäuschenden Handlung. Denn abgesehen von der Vorhersehbarkeit, die bei kinderfreundlichen Filmen nicht zwangsläufig ein Abschusskriterium sein muss, langweilen sowohl die Dialoge als auch die Charaktere durch fehlenden Esprit. Selbst Wortwitz und Situationskomik sind seltene Phänomene. Abstrus ist zudem, dass es lediglich äußerliche Unterschiede zwischen Mensch und Alien gibt und sie trotz galaktischer Trennung sogar die gleiche Sprache sprechen. Dabei lassen sich doch grade Unterschiede in jeglicher Hinsicht lustig in Szene setzen und begünstigen originelle, humorvolle Handlungen. Amüsant sind dagegen die Einbindungen anderer Science-Fiction-Filme wie die E.T.-Mondszene. Übertragen wurde diese in eine Fluchtsequenz, in der Chuck mit einem Fahrrad fahrenden Briefträger zusammenstößt und sie daraufhin fliegend, mit dem Mond im Hintergrund, einen Berg hinunter krachen. Im Großen und Ganzen ist Planet 51 jedoch ein solider Kinderfilm, der zumindest mittels putziger Aliens und einer Philosophie des Friedens glänzt.

 

Planet 51
Ilion Animation Studios, Spanien, Großbritanien, USA 2009
Regie: Jorge Blanco, Javier Abad, Marcos Martinez. Drehbuch: Joe Stillman
Originalstimmen u.a.: Jessica Biel, John Cleese, Gary Oldman
91 min., Dt. Filmstart: 03.12.2009

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