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Das Leben der „Pariser Frau“

06. Oct 11: In Madame Hemingway erzählt Paula McLain von der zärtlichen Zerbrechlichkeit einer großen Liebe. | Flora Treiber

In den meisten Biografien über den berühmten Schriftsteller Ernest Hemingway wird seine erste Frau immer nur beiläufig als „Pariser Frau“ vorgestellt aber selten näher betrachtet. Mit ihrem Debütroman Madame Hemingwaybeleuchtet Paula McLain das Eheleben des schroffen Schriftstellers und seiner ersten Frau Hadley Richardson und schließt somit eine literaturhistorische Lücke. Sie entführt uns in eine atemberaubende aber besonders Nerven zehrende Liebesgeschichte. Durch die Augen der ersten Madame Hemingway wird eine liebevolle, aber ebenso düstere Seite des jungen Hemingway und der Pariser Nachkriegszeit gezeichnet.

Hadley Richardson, rothaarig und robust, ist seit ihrer Kindheit von dem Selbstmord ihres Vaters und der langjährigen Krankheit ihrer Mutter gezeichnet und versucht sich bei Freunden in Chicago zu amüsieren. In einem verrauchten Wohnzimmer trifft sie zum ersten Mal den jungen Ernest, der gerade erst aus dem Krieg zurückgekehrt ist und an seinen ersten Kurzgeschichten feilt, die er Hadley bittet zu lesen. Wie jedes Mädchen ist sie von seiner stattlichen Figur und seiner gradlinigen Art hingerissen. Über eine lange Zeit hinweg schreiben sie sich Briefe und treffen immer mal wieder aufeinander. Sie heiraten und ziehen gemeinsam nach Paris, weil Ernest hofft dort den Einstieg als Schriftsteller zu schaffen. Für die Liebenden ist der Anfang in Paris nicht leicht, doch schnell rutschen sie in den Strom der schillernden 20er Jahre und freunden sich mit der geschätzten Lektorin Gertrude Stein und den Fitzgeralds an. Ernest verzeichnet schnell literarische Erfolge und wird als großes Talent gehandelt. Immer mehr verschreibt er sich seiner Arbeit und scheint darüber hinaus die Liebe zu seiner Frau durch Alkohol, wilde Feste und andere Schönheiten zu ersticken. Hadley ist eine verständnisvolle Frau und mittlerweile auch Mutter, die mit ihrem ganzen Herzen an Ernest hängt und versucht die anderen Liebschaften solange wie möglich zu ignorieren.

Die Liebesgeschichte zwischen Hadley und Ernest erscheint im Roman zunächst als fiktiv wirkende Erzählung. Erst wenn man die Widmung des Romans Fiesta liest, den Ernest während seiner Ehe mit Hadley schrieb, wird einem bewusst, dass sich diese Geschichte voller Leidenschaft und Eifersucht wirklich zugetragen hat. „Hadley und John Hadley Nicanor zugeeignet“, heißt es auf der ersten Seite von Fiesta. Bis zu Hemingways Selbstmord hielten er und Hadley telefonischen Kontakt und waren durch große Vertrautheit immer miteinander verbunden. In diesem Fall kann man sich der eingestaubten Redewendung das Leben schreibt die schönsten Geschichten bedienen und dankbar sein, dass Paula McLain diese so wunderbar aufbereitet hat.

Paula McLain gewährt uns Einblicke in die Gefühlswelt von Hadley, aber ebenso in die Zerrissenheit von Ernest, in den man sich als gefühlsduseliger Leser, trotz seiner Fehler, selbst ein bisschen verliebt. Der auf historischen Quellen basierende Roman reißt einen mit, bringt einen ins Grübeln über eigene Liebschaften und lässt einen sicher sein, dass man sich auch in Mistkerle verlieben kann. In charmante Mistkerle, wie Ernest Hemingway. Er macht einem Lust auf die Stadt der Liebe und auf die lebhaften Cafés in Montparnasse. Man möchte selbst einmal verliebt durch den Jardin de Tuileries schlendern und Rhum St. James trinken. Hemingway sagte einst „Paris – ein Fest fürs Leben“ und Madame Hemingway bestätigt dieses Zitat.

Paula McLain:
Madame Hemingway
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Yasmin Dincer
Aufbau Verlag, Berlin 2011
456 S. 19,99 Euro
Zusatzmaterial: Chronik zu Hemingways Leben,
Interview mit Paula McLain und eine Stadtkarte von Paris

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