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Ziellose Schwelgerei

10. Jul 15: Neu auf DVD: Gia Coppolas Palo Alto - nach einer Kurzgeschichtensammlung von James Franco | Dobrila Kontić

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2010 veröffentlichte der stets vielbeschäftigte James Franco seine Kurzgeschichtensammlung Palo Alto, in der er in mehreren miteinander verbundenen Erzählungen die dahintreibende Jugend seiner kalifornischen Heimatstadt porträtiert. Nun hat sich Gia Coppola, die Enkelin von Francis Ford Coppola und Nichte von Sofia Coppola (The Virgin Suicides, Somewhere) einem eher ereignislosen Teil dieser Erzählungen filmisch angenommen. Entstanden ist ein allzu laues Teenager-Drama mit beachtlichen Darstellern (und James Franco), das sich übereifrig um das Einfangen eines nicht gerade sehenswerten Lebensgefühls bemüht: Ziellosigkeit.

Fred (Nat Wolff) und Teddy (Jack Kilmer)

Entscheidungen für die Unentschiedenen

Im Mittelpunkt von Palo Alto stehen die Teenager Teddy (Val Kilmers Sohn Jack Kilmer) und April (Emma Roberts), die sich schon seit einiger Zeit mögen, aber bei allen günstigen Gelegenheiten den Moment der Annäherung verpassen. Ohnehin ist April unentschieden: Ihr Fußball-Coach Mr. B (James Franco), ein alleinerziehender Vater, auf dessen Sohn sie gelegentlich aufpasst, scheint ihr auch sehr zugetan. Von den Treffen mit seinen Kolleginnen gelangweilt und generell enttäuscht vom Erwachsenenleben, nähert er sich seiner sensiblen Schülerin, die an der Sinnlosigkeit des großen Ganzen leidet. Teddy hingegen vertreibt sich seine Zeit und seinen Frust darüber, April anscheinend nicht für sich gewinnen zu können, mit Kiffen und seinem Freund Fred, der sich alle Mühe gibt, als ungehobelter Freak durch die High School zu kommen. Erst nachdem Teddy unter Drogen einen Autounfall baut und fortan Sozialarbeit in einem Altersheim ableisten muss, fängt er an umzudenken, sich verstärkt seinem Zeichentalent zu widmen und eine neue Bahn einzuschlagen – auch Richtung April.

Mr. B (James Franco) und April (Emma Roberts)

Leiden an der Langeweile

Die Themen von Palo Alto sind altbekannt und nicht gerade erfrischend umgesetzt: Wir sehen Jugendliche feiern, trinken, das „ich habe noch nie…“-Spiel spielen, an Liebeskummer leiden und kiffen – und ebenso einige leicht derangiert wirkende Erwachsene (Val Kilmer als zugedröhnter, Stirnbandtragender Stiefvater von April entlockt einem zumindest ein Grinsen). Hin und wieder wird ein kitschiger Carpe Diem-Moment eingeworfen, an dem die Teenies etwas toootal Verrücktes tun, etwa die Party verlassen und auf einem Friedhof rumhängen, einen Baum fällen oder mitten in der Nacht in den Pool springen. Aber unvermeidlich werden sie schließlich eingeholt, von den Anforderungen des Erwachsenenlebens, dem anstehenden Kampf um einen Studienplatz, dem erhobenen Zeigefinger von Eltern und Sozialarbeitern. Und so schleicht Palo Alto leider völlig charmefrei dahin, ohne an das berauschende „School’s out“-Flair von Dazed and Confused oder die melancholische Dichte von The Virgin Suicides heranreichen zu können. In einer Szene befindet April, dass alle Filme, Spiele und Songs heutzutage doch sinnfrei seien, womit der Film wunderbar auf sich selbst verweist.

Palo Alto
USA 2013
Regie&Drehbuch: Gia Coppola
Hauptdarsteller u.a.: Emma Roberts, Jack Kilmer, James Franco
96 Min. DVD-Start: 10. Juli 2015
Erschienen bei: Capelight Pictures

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