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Ein Satansbraten im Engelskostüm

15. Oct 09: Orphan - Das Waisenkind, ein neuer Vertreter des Kinderhorrors | Martin Müller

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Dass Menschen in Extremsituationen dazu neigen, Dinge zu überstürzen oder sich als Kompensation neuen Aufgaben widmen, ist nichts Neues. Dass diese dann zumeist auch zum Scheitern verurteilt sind und eher für neue Probleme sorgen, kann sich jeder ausmalen. Wenn dann auch noch ein Berg alter Probleme in einer Familie herrscht, bleibt doch die Frage, warum man sich nicht lieber erst denen zuwendet, bevor man den nächsten Schritt macht.

So wie bei Kate und John Coleman, die scheinbar glücklich sind. Ein riesiges Haus, zwei Autos, zwei Kinder und alles, was man braucht. Doch hängt nach einer Fehlgeburt ihre Ehe an einem seidenen Faden. Denn Kate verfiel dem Alkohol und verursachte einen Autounfall, bei dem ihre Tochter Max das Gehör verlor, John hatte eine Affäre und beide haben alles andere als ein Sexualleben. Es folgt die Therapie. Dann, eines Tages, entschließen sich beide, ein Kind zu adoptieren. Dabei scheinen die Beiden jedoch kein glückliches Händchen zu haben, denn die neunjährige Esther aus dem katholischen Waisenhaus entpuppt sich als eine 'Höllenbrut'. Vor allem aber hat sie ein dunkles Geheimnis, dass natürlich ganz Horrorfilm-like erst am Schluss verraten wird. Geschickt ködert die Verkörperung des Bösen anfangs die typische amerikanische Oberschichtfamilie mit guten Manieren, Intelligenz und einer Wohlerzogenheit, die den erfahrenen Cineasten schon aufmerken lässt. Denn in solch engelsgleichen Verpackungen steckt ja bekanntlich nichts Gutes. So wird auch niemand enttäuscht, als Esther anfängt, ihr wahres Gesicht zu zeigen und sich nonchalant daran macht, ihren Masterplan von einem Familienleben zu verfolgen. Dabei wird niemand verschont, der sich gegen sie stellt. Der Film schwankt zwischen Psychospielchen der immer bedrohlicher werdenden Frühreifen und heimtückischen Meuchelein hin und her. Auch Kate bleibt es irgendwann nicht verborgen, dass mit ihrem neuen Schützling etwas nicht stimmt und so beginnt eine Jagd, in der Kate nicht nur um ihr Überleben und das ihrer Familie kämpfen muss, sondern sich auch gegen ihren eigenen Mann verteidigen muss, der ihren Ahnungen keinen Glauben schenken will.

Jaume Collet-Serra zeigt hier deutliche Verbesserungen im Vergleich zu House of Wax, einem typischen Killerhorrorfilm, bei der Filmkomposition und inszeniert ein schönes Psychospiel zwischen Isabelle Fuhrmann als Esther und Vera Farmiga als Mutter Kate. Das einsam gelegene Haus, die Kälte des Winters und Esther mit ihrer ausdruckslosen Miene sorgen für Gänsehaut beim Betrachter. Dabei wird gänzlich auf übernatürliche Fähigkeiten verzichtet, was dem Film gut steht. Doch leider kommt auch dieser Film nicht ohne altbewährte Muster aus. Besonders enttäuschend ist die Figur des Vaters, gespielt von Peter Sarsgaard, die zu leicht der Manipulation erliegt. Auch die mangelnde Motivation, die die Adoption erklärt, und das Zweifeln an Kates Verdacht, weil man lieber glauben mag, dass sie wieder an der Flasche hängt, sind störend. Für die durchaus gute Kombination aus Psychothriller und Horrorfilm hätte man sich auch etwas mehr Enthusiasmus für das Ende gewünscht. So muss man leider sagen, dass das Potential des Stoffs nicht vollends ausgenutzt wurde. Orphan bietet durchaus spannende Unterhaltung und eine originelle Idee, aber ohne wirklich neue Dimensionen dieses Genres anzustreben.

 

Orphan – Das Waisenkind (Orphan), USA, 2009, 123 min.
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: David Leslie Johnson
Hauptdarsteller u.a.: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Isabelle Fuhrman
Dt. Kinostart: 22.10.2009
FSK: 16

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