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Blutige Tradition

12. Dec 09: James McTeigues Mixed-Martial-Arts-Splatter Ninja Assassin | Jana Brinckmann

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Die meisten fernöstlichen Kampfkünste wie Kung Fu faszinieren durch perfekte Körperbeherrschung, Schnelligkeit und die Möglichkeit, den Gegner ohne viel Muskelkraft, aber dafür mittels konzentrierter Energie zu besiegen. Doch in der Lehre dieses Kampfes steckt viel mehr. Denn den Schülern werden nicht nur tödliche Techniken beigebracht, sondern auch philosophische und moralische Werte. Beispielsweise soll der Kämpfer in sich ruhen und darf niemals einen Kampf provozieren. Eine besondere Ausnahme bildet dagegen (das ursprüngliche) Ninjutsu, die Kampfkunst der Ninjas, deren Entwicklung, genauso wie die der Samurai, militärische Hintergründe hat, aber heutzutage, weit vom kriegerischen Grundgedanken entfernt, ebenfalls der körperlichen und geistigen Ertüchtigung dient. Ihre Devise lautete: Angriff bis zum Tod. Ihre Methode: lautlos, blitzschnell und vor allem unsichtbar. So präsentieren sich auch die Ninja-Auftragskiller in James McTeigues Regiedebüt Ninja Assassin. In Clans organisiert, bilden die Großmeister in geheimen ‚Militärcamps‘ entführte Waisenkinder zu gnadenlosen Meuchelmördern aus und das bereits seit Tausenden von Jahren. Dem japanischen Ozunu-Clan wird diese blutige Tradition allerdings zum Verhängnis, denn ihr begnadetster Kämpfer Raizo, ‚wunderschön‘ vom koreanischen Model, Tänzer und Popstar Rain gespielt, wird abtrünnig… Für den Zuschauer bedeutet das: Blut, Blut und nochmals Blut.

Ninja Assassin ist ein zeitlich angepasster Mixed-Martial-Arts-Film der alten Schule, denn im Mittelpunkt steht ein einsamer Held, der märtyrerhaft gegen unzählige Feinde kämpfen muss. In diesem Fall verkörpert der Ninja Raizo die „Ein-Mann-Armee“, dessen Treue zum Meister Ozunu mit dem Tod seiner ersten Liebe endet, die ebenfalls als Kind unfreiwillig ins Trainingslager verschleppt wurde. In Rückblenden erfahren wir, wie hart sich das Leben im Clan gestaltete und mit welchen erbarmungslosen Trainingsmethoden die zukünftigen Krieger selektiert beziehungsweise ‚entseelt‘ wurden. Raizos Liebste entpuppte sich dabei als „Schwächling“, denn sie war nicht mit dem entbehrungsreichen, brutalen Leben zufrieden, versuchte deshalb zu flüchten und wurde wegen Verrats hingerichtet. Daraufhin bewusst an der Moral der Ozunu zweifelnd, wendet er sich nach seinem ersten Mordauftrag auf spektakuläre Weise vom Clan ab und gilt fortan als ‚vogelfrei‘. Im Berlin der Gegenwart untersucht währenddessen die Interpol-Agentin Mika Coretti zahlreiche politische Morde und findet heraus, dass der Ozunu-Clan von internationalen Regierungen als Auftragskiller engagiert wurde. Für dieses Wissen soll sie natürlich sterben, aber da der Feind des Feindes bekanntlich Freund ist, eilt ihr Raizo zur Hilfe. Gemeinsam versuchen sie dann dem Clan zu entkommen und ihn bestenfalls zu zerstören.

Trotz platter Handlung, kann sich über zu wenig Action in diesem Film wahrlich keiner beklagen. Bereits in der ersten Szene spritzt das Blut fontänenartig aus den von Wurfsternen durchtrennten Schädeln und Körpern. Leider werden die heißbegehrten Kampfkunsteinlagen im Vergleich zu diesen Splatter-Szenen nach ‚Tarantino-Art‘ geradezu stiefmütterlich behandelt. Denn die Bilder sind viel zu dunkel und die Geschwindigkeit der Bewegungen ist viel zu hoch, so dass die Finessen der Kampftechniken, welche wider Erwarten mehr Kung Fu- als Ninjutsu-Elemente enthalten, schlecht erkennbar sind. Lediglich Schatten, Blut und einige Kulissenfehler wie die auf wundersame Weise New York ähnelnde Skyline hinter dem Berliner Hauptbahnhof, sieht man vorzüglich. Die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Rain ist dagegen erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass er eher aus der Musik- und Modelbranche stammt. Die Aufnahmen von seinem durchtrainierten Oberkörper und natürlich auch die seiner Körperbeherrschung beeindrucken und regen gleichzeitig zum Schmunzeln an, da ein gewisser beruflicher Bezug nicht unbemerkt bleibt. Doch scheint das vom Regisseur beabsichtigt, denn in seltenen Wortwitzen wird es sogar aufgegriffen. Ninja Assassin ist dennoch ein solider Martial-Arts-Film, der mit allerlei modernen Action-Inhalten der westlichen Welt, also mit vielen Schießereien, Raketenwerfern und ‚coolen‘ Sprüchen, umgesetzt wurde.

 

Ninja Assassin
Warner Bros. Pictures, USA, Deutschland 2009
Regie: James McTeigue. Drehbuch: Matthew Sand, J. Michael Straczynski
Hauptdarsteller u.a.: Rain, Sho Kosugi, Naomie Harris
99 Min., Dt. Filmstart: 10. Dezember 2009
FSK: 18

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