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Eine glitzernde Enttäuschung

05. Mar 10: Rob Marshalls starbesetzte Musical-Verfilmung Nine | Dobrila Kontic

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Nach dem Kassenknüller Chicago aus dem Jahr 2002 wagte sich Rob Marshall jüngst erneut an die Verfilmung eines Broadway-Musicals: Nine. Angelehnt an Federico Fellinis autobiographischen Film 8 1/2 (1963), werden uns die Leiden des berühmten italienischen Regisseurs Guido Contini präsentiert, die durch eine Schaffenskrise, der Angst vorm Altern, aber insbesondere die vielen Frauen im Leben des Womanizers bedingt sind. Das schillernde Schauspieler-Ensemble kann aber nicht vom ärgerlichen Mangel an Esprit, Tempo und vor allem guten Songs in diesem Musical-Film hinwegtäuschen.

Der fast 50jährige in Italien hochverehrte Filmregisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis) steckt in einer Schaffenskrise horrenden Ausmaßes: Bei seinem Produzenten hat er sich für einen Film verpflichtet, dessen Dreh kurz bevorsteht, allerdings liegt bis auf den Titel („Italia“) rein gar nichts vor. Nachdem er sich auf einer Pressekonferenz vor den Erwartungen der Journalisten gekonnt drücken konnte, begibt er sich an einen Kurort um zu entspannen – und lässt dafür seine Geliebte Carla (Penelope Cruz) anreisen. Seine daheim verbliebene Ehefrau Luisa (Marion Cotillard) schöpft Verdacht, ist sie doch Seitensprünge von ihrem Mann gewohnt. Darüber hinaus wird Guido geplagt von Visionen seiner verstorbenen ‚Mamma‘ (Sophia Loren), in denen Schuldgefühle gratis mitgeliefert werden. Eine ihn noch dazu umgarnende Modejournalistin (Kate Hudson) und eine betrübte Muse (Nicole Kidman) machen ihm das Leben auch nicht gerade leichter. Nachdem ihm seine Ehefrau im Kurort auf die Schliche gekommen ist und sein großer Film-Bluff aufzufliegen droht, steht Guido kurz vorm Verlust von allem, was ihm lieb und teuer ist.

Die Handlung von Nine ist nun wirklich nicht hochkomplex, aber bei einer Musical-Verfilmung sollte diese eh in den Hintergrund treten – zugunsten mitreißender, im besten Falle handlungstragender Songs. Aber ausgerechnet an diesen mangelt es in Marhalls Verfilmung. Schon das erste von Daniel Day-Lewis mit an Peinlichkeit grenzendem italienischen Akzent vorgetragene Stück „Guido’s Song“ lässt den Zuschauer nichts Gutes für den Rest des Films erahnen. Eine sich hemmungslos räkelnde Penelope Cruz täuscht dann auch nicht über den faden Text des zweiten Liedes (bestehend aus einem tausendfach hingehauchten „Guuuu-ido“) hinweg. Das von Marion Cotillard vorgetragene „Take it all“ wurde zwar als ‚Bester Song‘ für die diesjährige Oscar-Verleihung nominiert, vielmehr hätte es aber das von der einzigen professionellen Sängerin am Set performte „Be Italian“ verdient – ohnehin machte Fergie von den Black Eyed Peas als abgehalfterte Prostituierte Saraghina eine gute Figur. Doch einen Hauch von Tiefe konnten lediglich Judi Dench als Kostümbildnerin mit trockenem Humor und Nicole Kidman als unglückliche Muse dem Film verleihen. Ansonsten scheitert Nine auf famose Weise an allem, was sich der Regisseur und die Drehbuchautoren wohl vorgenommen haben: Das angestrebte italienische Sixties-Flair wirkt aufgesetzt, darüber kann auch eine immer wieder auftauchende Sophia Loren nicht hinweghelfen. Hätte man etwas weniger Zeit in eine möglichst glamouröse Besetzung der weiblichen Rollen (unter anderem wurden Catherine Zeta-Jones, Anne Hathaway, Sienna Miller und Katie Holmes gecastet) investiert, wäre das Ergebnis möglicherweise nicht so mangelhaft. Denn Glitzer allein kann einen Film nicht tragen – nicht einmal einen Musical-Film!

Nine
Marc Platt Productions, USA 2009
Regie: Rob Marshall. Drehbuch: Michael Tolkin, Anthony Minghella
Hauptdarsteller u.a.: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Penelope Cruz
118 Min. Dt. Filmstart: 25. Februar 2010

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