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…aber der Bart sitzt.

21. Jan 15: Die Schnöselkomödie Mortdecai | Dobrila Kontić

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Turbulent, witzig, charmant und typisch britisch: Das alles ist Mortdecai mit Johnny Depp in der Hauptrolle nicht. Wer sich also auf dieses als Komödie daherkommende Filmchen einlässt, sollte sich vorab auf bemühte Akzente, lieblos ausgetragene Wortgefechte und einen für den Running Gag des Films stark strapazierten Schnurrbart einstellen – dieser tut aber zumindest seinen Job.

Exzentriker vor dem Ruin

Charlie Mortdecai (Johnny Depp), britischer Aristokrat und Kunsthändler besonders schnöseliger Natur, weiß, wie man lebt. Zu seinen Statussymbolen gehören ein prächtiges Anwesen, unzählige mal mehr, mal minder geschmackvolle Kunstwerke, sein Luxus-Eheweib Johanna (Gwyneth Paltrow) und seit neuestem ein sorgsam gehegtes Schnurrbärtchen à la Hercule Poirot. Dieses spielt die zweite Hauptrolle neben Johnny Depp und muss für zwei Dutzend Scherze herhalten, im Stile von „Was ist das Ding da über Deiner Lippe?“ sowie zahlreiche, von Gwyneth Paltrow wenig überzeugend vorgetragene Würgreflexe. Von dieser geringen Wertschätzung für sein neuestes Accessoire aber mal abgesehen, könnte für Mortdecai alles weiterhin prächtig laufen, wären da nicht diese lästigen 8 Millionen Pfund Steuerschulden, die das Leben auf großem Fuß schwer machen. Das Geld muss innerhalb einer Woche her, doch Mortdecais letzte Kunstdeals waren erfolglos und hätten ohne das beherzte Eingreifen von Jock (immerhin sehenswert: Paul Bettany), seinem Butler fürs Grobe, sogar tödlich für ihn verlaufen können. Da trifft es sich gut, dass Mortdecai eines Tages von seinem ehemaligen Kommilitonen Alistair Martland (Ewan McGregor mit der gleichen Haartönung wie Johnny Depp) aufgesucht wird: Dieser ist inzwischen ein angesehener Agent des britischen Geheimdienstes MI5 und bittet ihn um Hilfe beim Auffinden eines lange als verschollen geglaubten Goya-Gemäldes. Mortdecai handelt einen Deal mit Alistair aus, hegt insgeheim aber eigene Pläne: Denn das verschollene Gemälde hat nicht nur als Schöpfung von Goya seinen Wert, sondern verbirgt in sich auch noch einen Hinweis auf in der Schweiz hinterlegte Nazi-Konten.

Schnösel ohne Charme, Drehbuch ohne Witz

Dies ist die handlungstechnisch recht solide Ausgangslage für die nun folgende Jagd auf das Bild, bei der Mortdecai und Jock sich mit internationalen Terroristen, einem skrupellosen russischen Oligarchen und einem windigen amerikanischen Millionär herumschlagen müssen. Eine Jagd, die mit hastig eingestreuten Actionsequenzen und der passenden musikalischen Unterlegung möglichst rasant daherkommen will, aber für den Zuschauer leider zur zähen Wanderung von Kulisse zu Kulisse wird. Das träge Voranschreiten von Mortdecai ist folgendem, kaum übersehbaren Manko verschuldet: Die Figur des Mortdecai erweckt einfach keinerlei Sympathie – vermutlich nicht einmal die seiner Vorlage, sofern diese überhaupt bekannt sein dürfte. Der Brite Kyril Bonfiglioli erschuf Mortdecai in den 70er Jahren als Protagonisten seiner Romanreihe über einen gerissenen snobistischen Kunsthändler. Begeistert von diesen Romanen nahm sich Johnny Depp des Stoffes an und brachte die Verfilmung durch den befreundeten Filmemacher David Koepp (Das geheime Fenster) ins Rollen. Doch in die Rolle selbst konnte er sich einfach nicht einfinden: Depp gibt sich sichtlich Mühe, das britische Schnöseltum in hoher Stimmlage gekonnt rüberzubringen, und lässt es gerade dadurch an der dringend benötigten Nonchalance für diese exzentrische Figur fehlen – war es zu abwegig, die Hauptrolle einfach mit einem britischen Schauspieler zu besetzen? Gwyneth Paltrow als Trophy Wife und Ewan McGregor als strebsamer Beamter sind zu ertragen, können aber nicht vom trägen Drehbuch hinwegtäuschen: Die Dialoge sind fade, die Gags wirken häufig deplatziert und lediglich die subtilen Beleidigungen, die Mortdecai von seinem Hausdiener Jock serviert bekommt, sorgen mitunter für ein Schmunzeln. Den Rest soll wohl die auch im Marketing des Films zentrale Gesichtsbehaarung stemmen – doch das ist einfach zu viel Last auf einem Schnurrbart. Selbst so einem ausgezeichneten.

Mortdecai – Der Teilzeitgauner
Infinitum Nihil, USA 2014
Regie: David Koepp. Drehbuch: Eric Aronson
Hauptdarsteller u.a.: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Ewan McGregor
107 Min. Dt. Filmstart: 22. Januar 2015

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