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Einfach nicht einleuchtend

12. Feb 16: BERLINALE 2016 – Wettbewerb: Jeff Nichols enttäuschendes Sci-Fi-Drama Midnight Special | Dobrila Kontić

Flash is required!

Mit Take Shelter und Mud hat der amerikanische Regisseur Jeff Nichols in den letzten Jahren großartige Filme geschaffen, die geschickt zwischen Drama- und Thriller-Elementen balancierten und dabei Zweifel an der geistigen Gesundheit ihrer Hauptfiguren säten. Diese spannende Doppelbödigkeit lässt Jeff Nichols‘ neuester Film, das Science-Fiction-Drama Midnight Special, leider schmerzlich vermissen. Stattdessen wird auf rasante Verfolgungsjagden, Special Effects und eine allzu unoriginelle Alien-Story gebaut.

Alton (Jaeden Lieberher) in seinem Element (© 2016 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.)

Staatsfeind oder Opfer?

Als Kind mit alterstypischen Eigenheiten könnte man den achtjährigen Alton Meyer (Jaeden Lieberher) wahrnehmen, wenn man ihn da so unterm Bettlaken über einem Comic kauern sieht. Eine blaue Schwimmbrille bedeckt seine Augen und er scheint es sich in diesem Zwei-Bett-Motelzimmer irgendwo in Texas ganz gemütlich gemacht zu haben. Doch zugleich wird im Fernsehen die Fahndung nach seinen beiden Entführern ausgerufen, die ihn nun dazu drängen sich für die Weiterfahrt fertig zu machen. Die beiden Männer, die es so eilig haben, sind Lucas (Joel Edgerton) und Roy (Michael Shannon) – letzterer stellt sich dann auch bald als Altons leiblicher Vater heraus. Alton wurde vor einigen Jahren auf nicht näher erörtertem Wege zu einer Pflegefamilie gegeben, die sich als ausgewachsene Sekte entpuppt. Deren Oberhaupt Calvin Meyer (Sam Shepard) ist tief bestürzt über Altons Verschwinden, aber nicht etwa aufgrund eines väterlichen Verantwortungsgefühls diesem Kind gegenüber. Nein, Alton ist besonders. Als die ermittelnden FBI-Agenten Calvin Meyer dazu näher verhören, bekommen sie bloß zu hören: „Sie wissen nicht, womit Sie es hier zu tun haben.“

Das Entführungstrio (Joel Edgerton, Michael Shannon, Kirsten Dunst) schlägt zurück (© 2016 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.)

Die Flucht ist das Ziel

Ja, trotz eines aufschlussreichen Plakats ziert sich Midnight Special dann doch sehr, bis es schließlich damit rausrückt, was Alton für besondere Fähigkeiten hat: gleißend helles Licht aus seinen Augen schleudern, das den ihn umgebenden Menschen eine wichtige Heilsbotschaft überbringt – oder sie eben nur blendet. Er kann die Übermittlungen von Satelliten abfangen oder diese gleich abstürzen lassen. Wann welcher Fall eintritt, wird im Film nicht näher erläutert. Auch nicht, was es mit der alles verändernden Botschaft aus sich hat, die Lucas, einen texanischen Cop, dazu brachte, seinem alten Kumpel Roy bei der Entführung zur Seite zu stehen. Wichtig ist lediglich, dass Roy und Lucas nichts Böses mit Alton im Schilde führen, sondern ihn zu seiner wahren Bestimmung führen wollen und ihnen dabei das FBI und schließlich auch die NSA – in Verkörperung eines von Adam Driver allzu sympathisch dargestellten Agenten – auf den Fersen sind. Der Rest besteht aus lustvoll aneinander gereihten Verfolgungsjagden, kleinen Zwischenfällen durch Altons unkontrollierbare Superkraft und dem Erscheinen seiner Mutter Sarah. Diese wird dargestellt von einer wie so oft großartigen Kirsten Dunst, die in einer berührenden, finalen Szene für den einzigen, wirklich sehenswerten Moment in diesem Film sorgt.

Der Segen der alternativen Lesart

Wer bis zum Schluss von Midight Special auf eine einleuchtende Erklärung für die Bedeutung von Altons Superkraft oder gar auf einen Twist warten sollte, wird enttäuscht. Jeff Nichols ließ sich nach eigener Aussage von beliebten Science-Fiction-Filmen aus den 80ern, wie John Carpenters Starman und natürlich Steven Spielbergs E.T. – Der Außerirdische inspirieren. Leider reichte die Inspiration im Fall von Midnight Special nicht aus, um eine ebenso fesselnde, eigene Story zu erschaffen, obwohl das Potential durchaus vorhanden gewesen wäre. Dieses verwirkt Nichols, dem für seinen vierten Spielfilm mit 18 Millionen Dollar ein so großes Budget wie nie zuvor zur Verfügung stand, indem er die Vorgeschichte seiner Charaktere einer unspannenden Fluchtstory und einem enttäuschenden Finale opfert. Es bleibt lediglich die Option, Midnight Special in einer alternativen Lesart eine tiefere Erzählebene aufzuinterpretieren, in der Alton vielleicht doch nur ein etwas eigentümlicher Achtjähriger ist, der sich in eine aufregende Science-Fiction-Welt flüchtet. Würde der Sichtung dieses fast zweistündigen Films etwas Sinn verleihen.

Alton auf der Suche nach Antworten, die der Film nicht hergibt (© 2016 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.)
Midnight Special
Tri-State Pictures, USA 2016
Regie & Drehbuch: Jeff Nichols
Besetzung: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst
112 Min. BERLINALE 2016 – Wettbewerb
Deutscher Kinostart: 18. Februar 2016

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