Ohne Strom elektrisierend?
17. Dec 10: Mando Diao bringen ein Unplugged Album für den Gabentisch | Martin Müller
Aus Schweden kommt nicht nur eine überaus erfolgreiche Möbelhauskette, deren Credo billig und hübsch selbst aufgebaut heißt, sondern dieses skandinavische Land ist auch ein Hort der Indie-Kultur. Auch wenn das nordische Königreich mit seinen etwas mehr als vier Millionen Einwohnern eher klein anmuten mag, bietet es in Sachen Trend und fortschrittlichem Denken gegenüber den Mitteleuropäern reichhaltige Innovationen zum Nachahmen. Nun ist es aber auch mal an Schweden, ein Erfolgskonzept aus anderen Landen anzunehmen: Nach über zehn Jahren Bandgeschichte und derzeit Leerlauf in Sachen neuer Songs greifen die fünf Jungs von Mando Diao auf das von MTV bewährte Allheilmittel für Einfallslose zurück und bringen pünktlich zur Weihnachtszeit ein Unplugged Album mit dem passenden Namen „Above and Beyond“ heraus. Es währte lange, bis sich der Geheimtipp der Indie-Szene zu einer festen Größe mauserte. Zuletzt holten sie mit der Single „Dance with Somebody“ zum ganz großen Schlag aus, die zudem noch die erfolgreichste in der Bandgeschichte wurde. Verendet in den Samplern für Tanzmusik und inzwischen wirklich auf jeder Party zu vernehmen, war es nun an der Zeit für mehr Besinnlichkeit ganz ohne Strom. Gebannt in Ton und Bild als CD oder DVD/Blu-ray bereichern die wilden Schweden den Wunschzettel zum Weihnachtsfest.
Für dieses intime Konzert wurden 2010 die Berliner Union-Filmstudios angemietet und eine interessante Bühnenszenerie erschaffen: Vier unterschiedliche Räume symbolisierten den Weg der Band, die ihrerseits in folkloristischen Outfit das Ganze konterkarierten. So steht die Garage für den Anfang, ein Hotelzimmer für die Tourneen, ein schwedisches Wohnzimmer für die Heimat und schließlich ein Speicher für die Zukunft. Doch geht es erstmal zurück in die Vergangenheit und die großen Gassenhauer ihrer Bandgeschichte lassen sie für sich und uns nochmal Revue passieren. Trotz fehlender elektronischer Unterstützung geraten „Gloria“, „Down in the Past“ und „God knows“ ganz energisch und kraftvoll. Man möchte sogar meinen, ihnen steht dieses abgespeckte Gewand geradezu. Daneben holen die fünf Jungs auch Raritäten wie „How we walk“, „Hail your sunny Days“ und „Your Lover´s Nerve“ aus dem muffigen Schrank der B-Seiten und würdigen diese Lieblinge der Fans. Für „High Heels“ darf dann Juliette Lewis mit ans Mikro, was zwar nett anzuhören ist, aber ohne Bild leider etwas untergeht. Wesentlich schnoddriger gerät das von Lana Del Ray launig dargebotene „Viktoria“. Als besondere Geste an die Anfänge darf auch das ehemalige Bandmitglied Daniel Haglund mit auf die Bühne und in die Tasten hauen. Etwas irritierend wirkt dagegen Klaus Voormann, der während der Show seine Eindrücke auf Leinwand bannt. Als besondere Zugabe der Platte und mit Blick auf ein kommendes Studioalbum gab es dann noch das bisher unveröffentlichte „No more Tears“.
Zum Jahresausklang bescheren Mando Diao uns und sicher auch sich selbst nochmal eine Werkschau in einer ‚light‘ Version. Das besondere Konzept hinter dieser Variante von Mando Diao soll der persönliche Blick in die Welt der Band und ihres Werdegangs sein. Es macht Spaß die Musik der fünf Schweden auch ohne große E-Gitarren halbwegs wild und natürlich zu vernehmen. Allzu große Überraschungen bleiben allerdings in Hinblick auf die neue musikalische Gestaltung aus, bis auf das hier ganz langsam und zart gegebene „Dance with Somebody“, das erst am Schluss richtig an Fahrt gewinnt. Dennoch wird in der Albumvariante reichlich geboten, denn insgesamt umfasst der Konzertmitschnitt 24 Songs, die man eigentlich auch als ‚Best of‘ bezeichnen könnte.
Als Album ist „Above and Beyond“ gut zu hören, aber sicherlich mehr für den visuellen Genuss gedacht. Daher sollte man überlegen, ob man nicht gleich zur DVD/Blu-ray greift. Dann lassen sich auch die körperlichen Einsätze der Jungs besser erschließen und ihr Spiel beobachten. Zwar bietet die DVD/Blu-ray nicht besonders viele Specials, aber es zählt ja auch nur die Musik und das Konzert an sich. Besonders für jene zu empfehlen, die nicht das einmalige Vergnügen hatten, dem intimen Konzert vor 250 Fans beizuwohnen.
| „MTV Unplugged: Above and Beyond“ (2 CDs) von Mando Diao |
| Erschienen am 12. November 2010 bei Vertigo Be (Universal) |
| „MTV Unplugged: Above and Beyond“ |
| Mando Diao |
| Sprache: Englisch |
| Erschienen auf DVD bei: Universal/Music/DVD |
| 125 Min. Extras: Behind the Scenes |
| DVD-Start: 13. Dezember 2010 |




Sorry, aber wenn du nicht einmal weißt, wieviele Einwohner Schweden hat, dann kann ich dich als Autor nicht für voll nehmen. "etwas mehr als vier Millionen Einwohnern" - es sind etwas mehr als neun Millionen! Ebenso bot Lana Del Rey nicht Victoria dar (eine der Hits von den Kinks, wurde beim Konzert mit Ray Davies performt), sondern das bluesige "Chet Baker". No more tears ist dazu ein alter Song, der definitiv keinen Ausblick auf die neue Platte darstellen soll. Na ja zuletzt möchte ich noch hinzufügen, dass ich mir ein wenig mehr Kritik und nicht belanglosen Inhalt gewünscht hätte. Mich hat das Konzert, als "eingefleischter" Fan jedenfalls nicht umgehauen. Kenner wissen, dass sie nichts revolutionäres vollbracht haben, sondern lediglich B-Sides und andere Versionen ihrer Stücke, die bereits schon öffentlich gemacht wurden, auf recht emotionslose Art rüberbrachten. Früher jedenfalls fand ich die 5 "Jungs", seien wir ehrlich sind sie doch schon eher Männer, exzentrischer und wilder. Was eindeutig besser zu ihnen passt.
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