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Vom Ghost Club zu Para-Spionen

22. Mar 10: Grant Heslovs Army-Parodie Männer, die auf Ziegen starren | Jana Brinckmann

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Seit der Gründung des „Ghost Club“ im England des Jahres 1862 beschäftigt sich offiziell eine Minderheit von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachgebiete mit Phänomenen, die unsere Sinne übersteigen. Ende des 19. Jahrhunderts werden die Grenzen dieses ‚geisterhaften‘ Forschungsfeldes explosionsartig auf weitere Untersuchungsgebiete, wie Telepathie, Präkognition, Psychokinese und Fernwahrnehmung (Remote viewing), ausgedehnt, so dass es zur Etablierung eines eigenen Forschungszweiges auf internationaler Ebene kommt: der Parapsychologie. Hochkonjunktur hatte das stets stiefmütterlich behandelte Wissenschaftsgebiet im Zuge des Kalten Krieges, als sich das russische und amerikanische Militär der Forschungen annimmt, um Para-Spione auszubilden. Und genau jene historische Tatsache verwendet der Regisseur Grant Heslov als Vorlage für seine überspitzt-komische Army-Komödie Männer, die auf Ziegen starren, in der ein Journalist auf „Jedi-Soldaten“ trifft und ein bewusstseinserweiterndes Abenteuer erlebt.

Der vom Alltag gelangweilte und von seiner Frau abservierte Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) beschließt sich in den Irakkrieg zu stürzen, um offiziell für einen Politreport zu recherchieren. Inoffiziell möchte er einfach nur den Trennungsschmerz überwinden und seine Männlichkeit unter Beweis stellen, indem er die Gefahr sucht. Und wie der Zufall so spielt, begegnet er in einem Hotel in Kuwait City dem Ex-Elitesoldaten Lyn Cassady (George Clooney), der trotz Ruhestand in geheimer Mission unterwegs ist. Wilton kann sein Glück kaum fassen, denn Cassady ist nicht irgendein US-Soldat, sondern einer der Top-Mitglieder der Spezialeinheit „New Earth Army“, die in den 80er Jahren vom Spät-Hippi Bill Django (Jeff Bridges) gegründet wurde und sich parapsychologischer Kampftechniken bedient. In der Hoffnung auf eine sensationelle Enthüllungsstory über die geheimen Praktiken der angeblich wegrationalisierten Einheit, deren Mitglieder als „Jedi-Soldaten“ bezeichnet werden, hängt sich der rasende Reporter an die Fersen des Jedis Cassady. Dieser ist wider Erwarten damit einverstanden, da er glaubt, das Schicksal habe sie zusammengeführt. Gemeinsam brechen sie also in ein ‚berauschendes‘ Abenteuer auf, das die Grenzen des Möglichen zu sprengen versucht, indem Ziegen zu Tode gestarrt, durch Wände gegangen oder der Feind über Meilen hinweg erspürt werden soll. Und alles für die Erfüllung des Geheimauftrages: Finde Bill Django!

Das weite Feld der Parapsychologie ist schon seit langem nicht nur eine Quelle der Inspiration für die Wissenschaft beziehungsweise das Militär, sondern auch für die Filmindustrie. Am wohl bekanntesten mag deren Verarbeitung in Horror-, Mystery- sowie Science-Fiction-Filmen und Serien zu sein, wie The Butterfly Effect, Poltergeist oder Fringe. Nun endlich gibt es diesbezüglich aber wieder etwas zu lachen, denn Männer, die auf Ziegen starren ist eine herrliche Parodie auf die gänzlich unlustigen Bemühungen der Armee, Para-Spione und „Jedi-Krieger“ für zwar unblutige, aber dennoch nicht weniger grausame Kampfeinsätze, heranzuzüchten. Besonders George Clooney, Jeff Bridges und Kevin Spacey als leicht verrückte „New Earth Army“-Vertreter begeistern restlos durch die hervorragende, humorvolle Umsetzung ihrer Charaktere. Doch neben allerlei Witz und Charme, hat der Film auch kritische Seitenhiebe für einen militärischen Apparat auf Lager, der die theoretische Chance auf gewaltlose Präventivmaßnahmen zur Verhinderung kriegerischer Handlungen, welche die Parapsychologie bieten sollte, ins Gegenteil verkehrt und stattdessen lieber neue Foltermethoden entwickelt. Grant Heslovs Army-Parodie ist demnach ein historisch gehaltvoller Spaß für die ganze Familie.

 

Männer, die auf Ziegen starren (The Men Who Stare at Goats)
BBC Films, USA, UK 2009
Regie: Grant Heslov. Drehbuch: Peter Straughan
Hauptdarsteller u.a.: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges
94 Min., Dt. Filmstart: 04. März 2010

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