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16. Feb 10: Männer al dente (Mine vaganti) - Ferzan Ozpeteks amüsantes Gesellschaftsdrama | Jana Brinckmann

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Zum sechzigsten Mal lädt die Berlinale ein, sich von einem bunten Potpourri an Themen durch alle Genres mitreißen zu lassen. Einer der diesjährigen Preisanwärter für den Publikumspreis ist der italienische Film Mine vaganti (dt. Titel "Männer al dente") vom türkisch-italienischen Regisseur und Drehbuchautor Ferzan Ozpetek, der eine Coming-Out-Geschichte zweier homosexueller Brüder aus gutem konservativen Hause erzählt. Aus diesem Zündstoff macht Ozpetek ein mit Situationskomik und rasantem Tempo angereichertes Drama, das nicht vor Klischees und Übertreibungen zurückschreckt.

Mitten im idyllischen Städtchen Puglia, wo in der Upper Class noch strenge, altmodische Konventionen herrschen, wird die heile Welt des Pasta-Fabrikanten Vincenzo Cantones gehörig auf den Kopf gestellt. Der stolze alte Mann ist Vater zweier prachtvoller Söhne, die das Familienunternehmen fortführen sollen. Leider haben sowohl der bereits dort arbeitende Erstgeborene Antonio, als auch das kreative Nesthäkchen Tommaso wenig Lust auf diesen vorgefertigten Weg. Deshalb fasst Tommaso den tollkühnen Plan sich ausgerechnet beim großen Familienessen zu outen, an dem zwecks feierlicher Fabrikübergabe auch Geschäftspartner teilnehmen. Denn er weiß, sein Vater wird ihn verbannen, was einerseits zwar schmerzhaft für beide ist, andererseits jedoch Freiheit für ihn bedeutet. Am Abend zuvor vertraut er sich allerdings zuerst seinem großen Bruder an, der verhalten aber verständnisvoll reagiert. Der Grund für diese freundliche Zurückhaltung offenbart sich dann zum Schock aller, und ganz besonders zu Tommasos, beim denkwürdigen Familienessen: Antonio ist ebenfalls schwul und klaut seinem jüngeren Bruder kurzerhand die Coming-Out-Idee. Vater Vincenzo rastet wie vorhergesehen aus, verbannt Antonio und erleidet eine Herzattacke. Damit wird nun Tommaso unglücklicher Besitzer der Pasta-Fabrik und beschließt aus Angst vor dem endgültigen Tod des Vaters zu schweigen. Doch bleibt nicht jedem seine Homosexualität verborgen. Vor allem nicht, als sein Geliebter mitsamt dreier ‚eindeutig‘ schwuler Freunde zu Besuch kommt…

Mine vaganti ist ein wunderbar witziger, emotionaler sowie poetischer Film über den Zusammenprall zweier Welten und der Suche nach sich selbst. Die mittels heiterer Musik untermalte Geschichte brilliert allerdings nicht nur durch die überzeichnete Inszenierung ‚warmer Brüder‘ als Kontroverse, sondern auch durch die extravagant zugespitzten Charaktere wie dem aufbrausenden Vater Vincenzo, der verschrobenen Tante Luciana oder dem verträumten, leidenden Tommaso, die allesamt mit wilder Gestik und Mimik das mittlerweile schon klischeehafte italienische Temperament celebrieren, gewürzt mit saloppen und sarkastischen Dialogen voll trockenem Humor. Der Stoff des Films ist nicht neu oder wirklich originell, aber die Charaktere und ihre teilweise Schrulligkeit sind ein echter Genuss. Beste Unterhaltung, die es verdient hat, den Publikumspreis zu bekommen.

Link zum Programm der Berlinale

Männer al dente (Mine vaganti)
Fandango, Italien 2009
Regie: Ferzan Ozpetek. Drehbuch: Ferzan Ozpetek, Ivan Cotroneo
Hauptdarsteller u.a: Riccardo Scamarcio, Elena Sofia Ricci, Ennio Fantastichini
110 Min. Dt. Filmstart: 15. Juli 2010
Europapremiere am 13. Februar 2010 auf der Berlinale

michel villa schrieb am 18.03.2010 22:59

nach *tee with moussolini* oder *Italien for beginners* endlich wieder ein toller italienischer film.. wie war die verlogenheit der uperclasse.. unbedingt sehen...michel villa

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