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Gewagte Genre-Liebelei

19. Aug 10: Franck Richards Horror-Slasher-Versuch La Meute eröffnete das Fantasy Filmfest 2010 | Dobrila Kontic

Eine unkonventionelle (Anti-)Heldin, Sorgfalt beim Stimmungs- und Spannungsaufbau, unabsehbare Bedrohungen, eine gehörige Portion Witz, Chanson-Beau Benjamin Biolay und jede Menge Blut: Die Zutaten, die der französische Regisseur und Drehbuch-Autor Franck Richard für seinen Horrorthriller La Meute gewählt hat, sind vielfältig und durchaus geeignet, einen Genrefilm fernab vom Mainstream-Gemetzel der letzten Jahre zu schaffen. Und obwohl die stimmige Mischung dieser Elemente einfach nicht so recht gelingen will, hatte La Meute dem Publikum doch einige bemerkenswerte Ekel-Momente und Lacher zu bieten.

Flash is required!

Immer weiter geradeaus, bis man ans Ende der hörenswerten CDs gekommen ist: So sieht die Route der jungen toughen Charlotte (Émilie Dequenne) auf den Straßen im Nirgendwo Frankreichs aus. Als ihr eine nervige Biker-Gang dicht auf den Fersen ist, beschließt sie kurzerhand, den sympathisch dreinblickenden Anhalter Max (Benjamin Biolay) auf ihrem Roadtrip mitzunehmen. Doch als die beiden schließlich in der heruntergekommenen Kaschemme „La Spack“ (benannt nach ihrer robusten Eigentümerin) einkehren, gibt es ein unerwartetes Widersehen mit ‚Bazooka Joe‘ und seinen debilen Biker-Kollegen. Dass diese aber nicht die eigentliche Bedrohung in dieser gottverlassenen Gegend darstellen, dämmert Charlotte langsam (etwas zu langsam), als Max von seinem kurzen Abstecher auf die Herrentoilette nicht mehr zurückkehrt. So einfach will sich Charlotte aber nicht abspeisen lassen, schon gar nicht von einem Mann, der ihr eigentlich ganz gut gefallen hat. Und so kehrt sie nachts wieder ins „La Spack“ ein, um heimlich nach Max zu suchen – eine Suche, das dürfte dem erfahrenen Horror-Fan bewusst sein, die sich bald als sehr schlechte Idee entpuppt und in menschliche und übermenschliche Abgründe mündet.

Als „verwunschene Variation des Backwoods-Slashers“ kündigte das Programmheft des diesjährigen Fantasy Filmfestes den Eröffnungsfilm La Meute in Berlin an und versprach damit nicht zu viel. Regisseur und Drehbuchautor Franck Richard, der zur Eröffnung erscheinen sollte, aber leider am Flughafen in Paris aufgehalten wurde (sein Ausweis war angeblich abgelaufen), ließ über einen Brief ans Publikum vermelden, dass er mit La Meute den Versuch eines Genrefilms, fernab vom gegenwärtig in der Szene um sich greifenden ‚Torture Porn‘ (man denke an Reihen wie Saw oder Hostel) gewagt hätte. Über den ‚Versuch‘ kommt Richard dann auch leider nicht hinaus, denn La Meute schwankt von der einen zur anderen Szene zwischen Road Movie, Horror, Gruselfilm, Schauermärchen und Satire. Einerseits ist diese Unmöglichkeit, La Meute in eine Kategorie mit entsprechendem Handlungsschema einzuordnen, ganz erfrischend, aber da sich die zu Beginn des Films recht unterhaltsamen Figuren und Dialoge bald erschöpfen und entscheidende, unerwartete Wendungen schließlich fehlen, verliert der Horrorthriller rapide an Esprit. Die zu Anfang mühsam aufgebaute düster-schmutzige Stimmung verspricht einfach zu viel, das sich am Ende leider nicht einlösen lässt. Dennoch bietet Richards Versuch eines Horror-Thrillers einige interessante Impulse in Sachen Humor und Figurencharakterisierung, die sich alt eingesessene Vertreter dieses Genres zu Gemüte führen sollten.

La Meute
La Fabrique 2, Frankreich 2010
Regie & Drehbuch: Franck Richard
Hauptdarsteller u.a.: Émilie Dequenne, Yolande Moreau, Benjamin Biolay
81 Min. Dt. Filmstart: unbekannt

jack schrieb am 06.08.2011 23:51

Fantastisch das beste was Frankreich 2010 zu bieten hatte...

die ausgefeilte Charakterstudie der einzelnen Protagonisten entbehrt nicht einer gewissen Komik sowie gewaltiger Bildpräsenz der selben...

Der Auftritt der Ghouls rundet den gelungenen Filmabend ab....

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