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Die vergessene Perle

09. Sep 15: Terrence Malicks Drama Knight of Cups | Dobrila Kontić

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Erneut fordert Terrence Malick uns heraus: 118 Minuten voller rauschafter Bilder, unterlegt mit mal getriebenen und dann wieder sehnsüchtigen Klängen, dazu Bruchstücke einer Handlung und eine Stimme aus dem Off, die uns zu Beginn von Knight of Cups großzügigerweise ins Thema einweiht: „Einst gab es einen jungen Prinzen, dessen Vater, der König des Ostens, ihn nach Ägypten schickte, um eine Perle zu finden. Aber als der Prinz dort ankam, überreichte das Volk ihm einen Kelch. Der Prinz trank und vergaß, dass er ein Königssohn war, dachte nicht mehr an die Perle und fiel in einen tiefen Schlaf.“

Ein fragmentiertes Leben

Dies ist die Geschichte, die Rick (Christian Bale) in seiner Kindheit von seinem Vater erzählt wurde. Inzwischen ist Rick zu einer Hollywood-Größe aufgestiegen, jettet um die Welt, feiert wilde Partys und lernt jede Menge Frauen kennen – doch während er diese Momente zu genießen scheint, kündet Ricks Stimme aus dem Off (in den Szenen selbst bleibt Christian Bale ansonsten stumm) von der Leere, die sich immer stärker in ihm ausbreitet. Die Erzählung seines Vaters scheint sich für ihn zu bewahrheiten, denn dem Rausch und der Ekstase der Glitzerwelt Hollywoods ist eine nüchterne Realität entgegengesetzt: Ricks Ehe mit der Ärztin Nancy (Cate Blanchett) zerbricht an ihren seit Jahren auseinanderstrebenden Lebensstilen, seinem psychisch kranken und selbstmordgefährdeten Bruder Barry (Wes Bentley) kann er nicht helfen und all die Frauen, denen er begegnet, bleiben nur für kurze Zeit an seiner Seite. Es ist auch Ricks Vater, der eine Definition für eine Verdammnis solcher Art parat hat: Die Bruchstücke eines Lebens fügen sich nicht zusammen.

Melinda Sue Gordon © Dogwood Pictures

Hoffnung auf die Sonne

Orientierungslos lässt sich Rick durchs Leben treiben, wofür Malick geeignete Bilder findet, indem er seinen Protagonisten durch kalte Asphaltdschungel, aufgeputschte Hollywood-Partys und die kargen Räume seiner Luxuswohnung wandern lässt. Die Szenen fließen ineinander und werden lediglich durch die kurz eingeblendeten Kapitelbezeichnungen getrennt, die ebenso wie der Titel allesamt Tarotkarten-Motive sind. Diese spielen auch an entscheidender Stelle für Rick eine Rolle, als er eine Wahrsagerin aufsucht und sich die Karten legen lässt – vor allem das Motiv der Sonne, die im Tarot für Wiedergeburt und Zuversicht steht, lässt ihn aufhorchen. Doch es ist ein langer Weg, bis Rick dieser gewünschten Lebensveränderung näherkommt.

Die Wirkung ist das Ziel

Und diesen langen Weg macht Malick auch für den Zuschauer spürbar: Verträumte, zeit-dehnende Szenen, panoramahafte Aufnahmen, einlullende Monologe aus dem Off und Hanan Townshends perfekt abgestimmter Score fügen sich auf der Leinwand zu einem ermunternden Ganzen zusammen, sofern man sich auf die Details oder Erklärungen ablehnende Handlung einlässt. Mehr noch als in Tree of Life strebt Malick hier die Wirkung dieses Ganzen auf Assoziations- und Abstraktionsvermögen des Betrachters an. Denn das im Film erzählte Märchen vom Prinzen, der aus einem Kelch trinkt und seine Herkunft und das Ziel seiner Reise vergisst, spielt auf ein universelles und zeitloses Thema an, dem Malick mit Knight of Cups die passenden Bilder und einen weitgespannten Rahmen zum Nachsinnen gibt.

Knight of Cups
Waypoint Entertainment, USA 2015
Regie & Drehbuch: Terrence Malick
Hauptdarsteller u.a.: Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portman
118 Min.
Deutscher Kinostart: 10. September 2015
Premiere auf der Berlinale 2015 (Wettbewerb)

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