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Mit 27 Jahren…

27. May 11: …droht der ruhmreiche Tod. Kim Franks Debütroman 27 | Dobrila Kontić

Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und schließlich, unserer Generation noch gut im Gedächtnis: Kurt Cobain. Das sind die ‚Ehrenmitglieder‘ des sogenannten Klub 27, bestehend aus mehr oder weniger bekannten Musikern, die im halbzarten Alter von 27 umkamen, durch Drogenmissbrauch, Selbstmord oder tragische, mitunter als mysteriös geltende Unfälle. Obwohl es keinen hinreichenden statistischen Beleg für dieses Phänomen gibt, bleibt der Klub 27 ein nicht tot zu kriegender Mythos, obwohl in den letzten Jahren kein außerordentlich berühmtes Mitglied hinzugekommen ist. Und so geistert der Klub 27 hin und wieder auch durch Filme oder Bücher als kleine Randnotiz oder wie im aktuellen Fall, dem Debütroman des Ex-Sängers Kim Frank, gleich als Aufhänger. 27 heißt er und greift den äußerst beliebten aber leider auch etwas abgegriffenen Themenkomplex aus wildem Rockstarleben, frühem Tod und ewigem Ruhm beherzt auf. Und so läuft auch der Autor dieses Romans über lange Strecken Gefahr, in die Plattitüden-Falle zu tappen, auch wenn ihm das deutsche Musikbusiness vertrauter sein sollte als dem durchschnittlichen Jungautoren.

27 setzt in einer Übergangsphase seines Protagonisten ein: Der hypochondrische Mika ist 18 Jahre alt, gerade mit der Schule fertig und weiß nicht so recht, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll. Zudem ist er allein, hat keine Freunde, kennt seinen Vater nicht und seine Mutter, eine Ärztin, glänzt im gesamten Verlauf des Romans nur durch Abwesenheit. Doch sein Leben ändert sich schlagartig, als er im Zimmer seines schwulen, Ende der 80er verstorbenen Onkels eine gut sortierte Plattensammlung und einen von ihm verfassten Artikel zum Klub 27 findet. Da sich Mika seit er denken kann von dieser Zahl „verfolgt“ gefühlt hat und vor kurzem sein Herz für den Bruchteil einer Sekunde stehengeblieben ist, wird ihm nun schlagartig bewusst: Er wird mit 27 sterben. Allerdings wohl leider ohne den Ruhm der Klub 27-Mitglieder erlangt zu haben. Doch halt! Eine flüchtige Friedhofs-Bekanntschaft mit dem Steinmetz Lennart, die sich zu einer folgenreichen Freundschaft entwickelt, der durch seine Mutter hergestellte Kontakt zum Manager Josh Goldmann und Mikas plötzlich aufflammende Songschreiber-Qualitäten lassen ihn in für den realistischen Leser empörend hohem Tempo zum gefeierten Sänger der international erfolgreichen Rockband ‚Fears‘ aufsteigen. Der Ruhm geht für den bis dato jungfräulichen Mika mit jeder Menge Sex, Drugs & Rock’n’Roll einher und so vergehen die Jahre im Nu, bis sein 27. Geburtstag schließlich sehr nahe rückt…

Die Story von 27 ist zwar nicht besonders einfallsreich, doch könnte generell das Potential für einen spannenden und tragikomischen Roman über die Angst vorm Erwachsenwerden bergen, die im größeren Sinne ja nichts anderes als die ewige Furcht vor der Vergänglichkeit und dem Tod ist. Doch Kim Frank verschenkt die meisten seiner Chancen, dem Plot gedankliche Tiefe zu verleihen. Die schnörkellose Sprache ist für die Thematik zwar zunächst gut gewählt, aber bei den entscheidenden Wendepunkten im Leben des Protagonisten greift sie einfach nicht tief genug, während Belangloses mit unnützen Umschreibungen breitgetreten wird. Und so erhält der Leser zwar nicht recht einen Eindruck davon, was es für eine so junge Psyche eigentlich heißt, in Windeseile in den Pop-Olymp katapultiert zu werden, weiß aber nach der Lektüre, dass man Orangensaft auch als „süß-saures Vitamin-C-Getränk“ bezeichnen könnte oder dass sich für eine burschikose, muskulöse Krankenschwester namens Christel mannigfaltige Betitelungen erfinden lassen („Frau Anabolika“ sei hier mal als Favorit genannt). Das ist schade. Denn eigentlich könnte man von Kim Frank erwarten, dass sich im Laufe seiner Karrierehöhen und -tiefen einiges Erzählenswerteres angesammelt hat. 1996 wurden er und seine Band Echt bei Teenies hierzulande sehr populär, konnten einige Chart-Erfolge und ausverkaufte Konzerte für sich verbuchen. Bis es 2001 rapide bergab ging, das letzte Album in kommerzieller Hinsicht floppte und sich die Band 2002 endgültig auflöste. Kim Frank kennt folglich beide Seiten des Ruhms, den großen Erfolg in jungen Jahren und den rapiden Abstieg in allmähliche Unbekanntheit, der schließlich einen Neustart erfordert. Interessante Erfahrungen, die man in einem Entwicklungsroman brillant verarbeiten könnte. Stattdessen liefert Frank mit 27 ein Debüt ab, das im Gegensatz zu den darin thematisierten Mitgliedern des Klub 27 steht: Er wird schnell vergessen sein.

Kim Frank:
27
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011
288 S., 12,95 Euro

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