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Mut oder Wahnsinn?

28. Apr 10: Die sehr überraschende Comicverfilmung Kick-Ass | Jana Brinckmann

Flash is required!

Matthew Vaughns Kick-Ass ist eine Verfilmung des gleichnamigen Comics. Doch bedient sich der Regisseur nicht auf dem üblichen Wege der Vorlage, d.h. die Grundidee kopieren und für die Leinwand so modifizieren, dass zwar die Geldbörse lacht, aber mit Sicherheit nicht der/die VerfasserIn des Originals. Vaughn arbeitet stattdessen direkt mit den Autoren des Comics zusammen, die ihrerseits die letzten Episoden der Vorlage erst noch schreiben müssen. Dank dieser Kooperation präsentiert sich uns ein überaus actionreiches, mit Comicelementen ausgeschmücktes Werk über den brutalen Teil der Realität, der sinnlose Gewalttaten und unterlassene Hilfeleistung beinhaltet, somit geradezu nach Superhelden schreit und sie in Form von Teenagern ohne Superkräfte auch bekommt.

Der nicht gerade im nobelsten Stadtteil von New York lebende 17jährige Dave Lizewski ist ein stinknormaler, unauffälliger Teenager. Er liest gerne Comics, gehört eher zu den Außenseitern in der High School-Hackordnung und wird öfter mal auf dem Heimweg ausgeraubt. Letzteres stört ihn aber nach jahrelanger Defensivhaltung zusehends mehr und so stellt er sich ernsthaft die Frage: Warum hat sich noch kein Mensch dazu entschlossen, ein Superheld zu sein und den Verbrechern endlich mal denkwürdig eins auf die Nuss zu hauen? Viele Menschen würden jetzt damit argumentieren, dass einfach keiner Superkräfte wie die Comichelden hat und deshalb lieber die Beine in die Hand nimmt, als sich beispielsweise eine Kugel einzufangen. Auch Dave Lizewski hat einst so gedacht, doch nachdem er erneut von denselben Tätern überfallen wurde, will er sich durch diesen Umstand nicht länger abschrecken lassen. Deshalb ersteigert er bei Ebay ein froschgrünes Neoprenkostüm, spricht sich ganz viel Mut zu und zieht als Möchtegern-Held „Kick-Ass“ durch die New Yorker Seitengassen, auf der Suche nach kriminellen Subjekten und Unschuldigen in Not. Und siehe da, er wird fündig. Die unbelehrbaren Räuber, welche Dave zu seinem Sinneswandel verhalfen, wollen ein Auto klauen. Unser Superheld in Ausbildung versucht diese selbstverständlich aufzuhalten und wird prompt niedergestochen und hinterher nochmal überfahren. Das Ende seiner Karriere? Natürlich nicht, vielmehr beginnt die Geschichte hier erst. Denn durch die schweren Verletzungen hat er jetzt einen entscheidenden Vorteil: Dave alias Kick-Ass hat statt Knochen fast überall Metallschienen und spürt so gut wie keinen Schmerz mehr. Somit stürzt er sich tollkühn in den Kampf und rettet tatsächlich Leben. Doch auch Superhelden haben es schwer, was er auf brutale Art lernen muss, als er der Mafia in die Quere kommt. Zu seinem Glück existieren tatsächlich Vollprofis im Superhelden-Geschäft: Big Daddy und Hit-Girl alias Ex-Polizist Damon Macready und seine 11jährige Tochter Mindy, die dem Mafiaboss Frank D’Amico inklusive Crew nach dem Leben trachten. Da sich die Wege beider Helden-Parteien nun durch Zufall kreuzen und Hit-Girl Kick-Ass das Leben rettet, schließen sie sich zusammen und begeben sich auf einen unglaublich blutigen Feldzug gegen das ‚Böse‘.

Der Trailer zum Film Kick-Ass offenbart bereits die eine oder andere feurige Actionszene. Und dennoch spiegelt er nicht im Entferntesten die Brutalität wider, die der lebendig gewordene Comic tatsächlich enthält. Aber das Härteste ist nicht etwa der ständige Kugelhagel à la Wanted mit Angelina Jolie oder die eminente Zerstückelungskunst eines 11jährigen Mädchens mit ihrem Katana (japanisches Langschwert), sondern der kalte Realismus. Denn es gibt weder übernatürliche Kräfte, noch überzeichnete Charaktere, sondern ‚normale‘ Menschen in einem von Gewalt geprägten sozialen Umfeld, die aus Angst gelernt haben nichts zu sehen. Bis zumindest bei unseren Helden etwas Einschneidendes passierte, das den sogenannten Schalter umlegte. Allerdings wird der Film gehörig aufgelockert durch peppig-lustige Hintergrundmusik, wie Kick Ass von Mika oder Bad Reputation von The Hit Girls, Comicpassagen, die beispielsweise die Vergangenheit von Big Daddy sowie Hit-Girl erzählen und den unerschütterlichen Humor des Superhelden-Trios, das zu jedem Tritt immer einen coolen Spruch auf Lager hat. Matthew Vaughns Kick-Ass ist ein schonungsloser Actionfilm, der uns genauso fassungslos wie positiv erstaunt zurücklässt. Eben ein echter Geheimtipp!

 

Kick-Ass
Marv Films, USA, Großbritannien 2010
Regie: Matthew Vaughn. Drehbuch: Matthew Vaughn, Jane Goldman.
Comicbuchvorlage: Mark Millar, John Romita Jr.
Hauptdarsteller u.a.: Aaron Johnson, Chloe Moretz, Nicolas Cage
117 Min. Dt. Filmstart: 22. April 2010
FSK: 16

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