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Die Klänge des Liebeswahns

12. Oct 15: Paul Thomas Anderson filmt eine außergewöhnliche Musik-Kollaboration: Junun | Dobrila Kontić

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Den Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood und den Regisseur Paul Thomas Anderson verbindet nicht nur eine jahrelange Freundschaft, sondern auch eine So komponierte Greenwood unter anderem die Soundtracks zu Andersons Filmen There Will Be Blood und zuletzt Inherent Vice. Als Greenwood sich im Frühjahr dieses Jahres nach Nordwest-Indien aufmachte, um mit dem israelischen Musiker Shye Ben Tzur und regionalen Musikern ein Album aufzunehmen, lag es wohl nahe, dass Anderson das Ganze mit der Kamera begleiten sollte. Die daraus entstandene Doku feierte ihre Premiere kürzlich auf dem New York Film Festival und zeigt nicht viel mehr als das absolut Wesentliche: Die Entstehung betörend schöner Kompositionen innerhalb einer außergewöhnlichen musikalischen Zusammenarbeit.

Paul Thomas Anderson & Jonny Greenwood (©Shin Katan)

Zwischen Stromausfällen und mitreißender Energie

Junun führt uns auf einen 125 Meter-hohen Hügel über der Stadt Jodhpur im nordwestindischen Bundesstaat Rajasthan – direkt in die gewaltige Festungsanlage Mehrangarh: Hier finden die Aufnahmen zum Album Junun statt, das Shye Ben Tzur, der sich vor Jahren der traditionellen indischen Musik verschrieben hat, gemeinsam mit Jonny Greenwood, den Musikern des traditionellen Rajasthan Express und einer Blaskapelle einspielt. Wir sehen die Musiker gemeinsam proben, ihre Instrumente stimmen (darunter auch kaum bekannte Gerätschaften wie die 17saitige Kamaicha), einsingen und bekommen schließlich erhabene und mitreißende Stücke zu hören, die wohl alle was mit dem Ursprung des Album- und Filmtitels zu tun haben: Dieser leitet sich aus „junoon“ ab, dem arabischen, persischen, urdischen und hindischen Wort für „Liebeswahn“. Unterbrochen wird diese Fleißarbeit durch hin und wieder auftretende Stromausfälle, die keiner der Musiker so genüsslich zum Entspannen nutzt wie der schnauzbärtige Nathu Lal Solanki, der hier die einzige Ausnahme für den Ausspruch findet „Keine Toilette, keine Dusche, aber 24 Stunden volle Energie – das ist Indien.“

Die musikalischen Kollaborateure (©Shin Katan)

Raubvögel und Drohnen

Paul Thomas Anderson fängt diese Sessions ohne großes Konzept und mit gelegentlichem Kameragewackel ein, versteht es aber, die passende Kulisse für die epischsten Stücke zu finden: Mithilfe einer Kameradrohne filmte er atemberaubende Aufnahmen von den Höhen der Festung, über die zahlreiche Raubvögel kreisen, hinunter zu den Dächern der belebten Stadt Jodhpur, dessen Energie er in späteren Szenen zur visuellen Untermalung der beschwingteren Stücke des Albums nutzt. Junun endet nach einer im Nu vergehenden knappen Stunde, an dessen Ende die Musiker ihre außergewöhnliche Kollaboration mit einem Festival beschließen und der Zuschauer um aufregende, inmitten einer konzentriert-kreativen Atmosphäre produzierte Klangerfahrungen reicher geworden ist.

Junun
Musik-Dokumentation
Ghoulardi Film Company, 2015
Regie: Paul Thomas Anderson
Mitwirkende u.a.: Jonny Greenwood, Shye Ben Tzur, Nigel Godrich, The Rajasthan Express
54 Min. Exklusiv erschienen beim Streaming-Dienst mubi.com am 9. Oktober 2015
Albumveröffentlichung bei Nonesuch Releases am 13. November 2015

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