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16. Sep 10: Julie & Julia – Nora Ephrons warmherzige Komödie über Koch- und Lebenskünste | Dobrila Kontić

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Ein Omelette kann eine Stütze sein

Einen Film über den Zauber der Kochkunst zu drehen ist eine waghalsige Angelegenheit. Jedem Regisseur und Produzenten dürfte klar sein, dass Szenen über das Pochieren eines Eis oder die Anfertigung hauseigener Sülze für die Hobbyköche unter uns ganz interessant sein mögen, aber kaum Massen ins Kino locken werden. Und überhaupt ist es ein schwieriges Unterfangen, dem Zuschauer die Schmackhaftigkeit und den Wohlgeruch eines fabelhaften Gerichts nahe zu bringen, da der Film als Medium ausschließlich die visuelle und akustische Wahrnehmung bedient. Doch es gab drei Frauen, die sich dieser scheinbaren medialen Beschränkung des Themas Kochen mutig entgegenstellten: Julia Child, eine amerikanische TV-Köchin und Kochbuch-Autorin, die in den 50er Jahren US-Amerikanerinnen die französische Kochkunst lehrte. Julie Powell, die sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit den komplizierten Rezepten von Child in einem Blog auseinander setzte und aus ihren Erfahrungsberichten anschließend ein erfolgreiches Buch zu Papier brachte. Und schließlich die erfolgreiche Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron, die aus den kulinarischen Wendepunkten im Leben dieser beiden Frauen einen wunderbaren und über die reine Darstellung der Freude am Kochen weit hinaus gehenden ,Dramedy‘-Film gedreht hat.

Paris, 1949: Die 40jährige Amerikanerin und Ex-Sekretärin im öffentlichen Dienst Julia Child (Meryl Streep) zieht mit ihrem Mann, dem Diplomaten Paul Child (Stanley Tucci), in die französische Hauptstadt und ist von dem Pariser Flair mehr als begeistert. Allerdings gibt es eine Lücke in Julias ansonsten restlos glücklichem Leben, die sie füllen möchte, indem sie sich ein Hobby sucht. Nach einem abgebrochenen Hutmacher-Kurs und einer langweiligen Instruktion im Kartenspiel Bridge, stürzt sie sich schließlich in eine Beschäftigung, für die sie seit kurzem eine große Leidenschaft entwickelt hat: der Zubereitung französischer Gerichte. Sie absolviert einen Kurs am renommierten Kochinstitut ‚Cordon Bleu‘ und lernt zwei Französinnen kennen, die mit ihrer Hilfe ein Kochbuch über die französische Kochkunst für amerikanische Hausfrauen herausbringen wollen. Julia ist Feuer und Flamme, aber es soll einige Zeit vergehen, bis das 700seitige Werk auch wirklich auf den Markt kommt, Zeit, in der sie zahlreiche Höhen und Tiefen an der Seite ihres Mannes durchleben soll.

New York, 2002: Die 29jährige Julie Powell (Amy Adams) zieht mit ihrem Mann Eric von Brooklyn nach Queens in eine armselige Wohnung über einer Pizzeria. Ihren Bürojob in einer nahe dem Ground Zero gelegenen Firma, die sich um die finanziellen Belange der Hinterbliebenen der Opfer des 11. September 2001 kümmert, ist sie schon seit längerem leid. Da hilft es auch nichts, dass ihre ehemaligen Studienkolleginnen ihr beim Mittagessen regelmäßig von ihren großen Karrieresprüngen erzählen, während Julie ihren Traum, eine Schriftstellerin zu werden, bereits vor einiger Zeit an den Nagel gehängt hat. Aus dem Gefühl heraus, bisher nichts im Leben wirklich zu Ende geführt zu haben und aus ihrer Begeisterung fürs Kochen, beschließt Julie sich des 50er Jahre-Kochwälzers „Mastering the Art of French Cooking“ von Julia Child anzunehmen und über das Nachkochen dieser aufwendigen Rezepte einen Blog zu führen. 524 Rezepte in 365 Tagen, lautet ihr ambitioniertes Projekt. Ein Jahr voller köstlicher Gerichte, die mal vorzüglich, mal weniger gut gelingen, ein Jahr der Sinnsuche und Sinnkrisen, ein Jahr, das ihren Blick auf das Leben und auf Julia Child herself ändern soll.

Diese wichtigen Abschnitte im Leben zweier Frauen aus zwei sehr unterschiedlichen Generationen verwebt Nora Ephron kunstvoll in ihrem mal komischen und dann wiederum berührenden Werk Julie & Julia, der auf dem gleichnamigen Roman der realen Julie Powell beruht. Was diese Figuren in diesem Film gemeinsam haben, ist nicht nur eine Begeisterung fürs Kochen komplizierter französischer Gerichte, sondern auch das Gefühl, dass das Leben nicht den gewünschten Weg eingeschlagen hat. Ein Gefühl, dem beide Frauen die Stirn bieten, indem sie sich auf die scheinbar einfache Freude des Kochens besinnen. Dabei gelingt Ephron auf beeindruckende Weise eine Allegorie auf das Leben, in dem nicht jedes Vorhaben gelingt, aber der Versuch selbst geehrt werden muss und schließlich zum unerwarteten Erfolg führt. Aufnahmen von Gerichten, die während des Drehs auch tatsächlich gekocht und verzehrt wurden, und zwei sehr überzeugende Darstellerinnen, die sichtlich Spaß an ihren Rollen hatten, machen Julie & Julia zu einem Film, der die Koch- und Lebenslust feiert und dem ein oder anderen diese für kurze Zeit wieder zu wecken vermag.

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Die 'echte' Julia Child zeigt uns, wie man ein Omelette zubereitet
Julie & Julia
Columbia Pictures, USA 2009
Regie & Drehbuch: Nora Ephron. Nach einem Roman von Julie Powell
Hauptdarsteller u.a.: Amy Adams, Meryl Streeo, Stanley Tucci
Erschienen auf DVD bei: Sony Pictures Home Entertainment
123 Min. Extras: Making of, Kommentar von Regisseurin Nora Ephron
DVD-Start: 11. März 2010

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