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14. Apr 10: Joanna Newsoms neues Album „Have one on me“ | Martin Müller
Nicht erst seit Carla Bruni wissen wir, dass Schönheit in Optik auch künstlerisch schön sein kann. Gemeinsam haben Bruni und Joanna Newsom, dass sie einst modelten und ihrem Hang zur Musik nachgehen. Aber unterschiedlicher könnten beide doch nicht sein. Mit ihrem nunmehr dritten Album „Have one on me“ setzt Newsom auf den Vorgänger „Ys“ von 2006 noch einen drauf. Entstanden ist eine Trilogie im Gesamtausmaß von über zwei Stunden und einem Grenzbach der Genres, dem nur ihre Harfe und Stimme als roter Faden dienent.
Auf die drei CDs verteilen sich insgesamt 18 Songs, die ein Facettenreichtum aufbieten, der glatt diese auf Dauer nervende Über-Mädchen-Stimme wett macht. Eingebettet wird diese in ihre so markante Harfe, sie greift um sich in Jazz, Pop, Folk und verweilt mitunter im Mittelalter. Diese Mischung sorgt an manchen Stellen für den gefühlten Märchenwald, schwenkt dann um ins Dämmerlicht der untergehenden Sonne und bricht dann und wann in krafttrotzenden Eruptionen aus. Und dafür nimmt sie sich Zeit, wenn die fünf, sechs, sieben bis schließlich die elf Minuten-Marke geknackt wird. Doch schwinden diese Minuten so unbemerkt dahin, denn die Arrangements wechseln stetig, immer lauert etwas Neues und wendet sich. Dies zeigt sich auch im Reichtum der rein akustischen Klangkörper, die aber niemals dem ‚kleinen Mädchen‘ mit ihrer großen Harfe den Raum nehmen.
Ein Album, oder besser gesagt drei Alben, voll wunderschön epischer Stücke, mit metaphorischen Bildern durchsetzten Texten und der Kultivierung eines unlängst vernachlässigten Instruments – der Harfe. Erschaffen hat Joanna Newsom wieder mal eine Traumlandschaft im Klang. Sensationeller Pop!
| Have one on me von Joanna Newsom |
| Erschienen am 26.02.2010 bei Drag City (rough trade) |
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