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Übers Suchen und Zweifeln

22. Feb 11: J.D. Salingers grandiose Erzählungen Franny und Zooey | Flora Treiber

Der markante Sprachduktus von Holden Caulfield, Ich-Erzähler in Jerome David Salingers Weltroman Der Fänger im Roggen, begeisterte Generationen. Der junge Held wurde zum Vorbild zahlreicher Jugendlicher. Zu gut konnten sie sich mit dem suchenden Holden und seinem Drang nach Freiheit identifizieren. Mit den Erzählungen um Franny und Zooey schafft der am 27. Januar letzten Jahres verstorbene Schriftsteller J.D. Salinger ein weiteres Werk, welches die Adoleszenzkrise unverblümt darstellt und sie in ihrem tiefsten Kern erfasst. Er beschreibt eine Welt voll von abstoßenden Menschen und schwer greifbaren Gefühlen. Aber zwischen all der Verwirrung lässt Salinger den jungen Protagonisten Raum für die Hoffnung auf eine hellere Welt.

Das Buch Franny und Zooey besteht aus der 1955 erstmals im Magazin „The New Yorker“ veröffentlichten Kurzgeschichte Franny und der anknüpfenden Novelle Zooey, die im Mai 1957 erschien. In Franny begegnen wir der jungen Studentin Franny Glass, die aus einer typischen New Yorker Familie stammt. Enttäuscht von der Scheinheiligkeit und dem Egoismus der anderen Studenten, fährt Franny übers Wochenende zurück nach New York. Ihr Freund, Lane Cartell, holt sie am Bahnhof ab. In einem Café prahlt Lane mit seinen Studienerfolgen, Franny allerdings reagiert nervös und mit großem Desinteresse auf seine Erzählungen. Lane ist von der Verhaltensänderung seiner Freundin verstört und spricht sie auf das kleine Buch an, das sie bei sich trägt. Die kleine Kladde trägt den Namen „The Way of a Pilgrim“ – ein Wanderer spricht darin immerzu das Jesusgebet. Irgendwann befindet er sich in Trance und ist der Meinung, Gott erkennen zu können. Das Buch gibt Franny Halt und sie hofft, darin eine Antwort auf ihre Orientierungslosigkeit zu finden. Nach der massiven Kritik ihres Freundes an dem ihr heiligen Buch, fällt Franny in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kommt, beginnt sie leise das Jesusgebet zu murmeln.

Die Novelle Zooey setzt zwei Tage nach Frannys Zusammenbruch an. Ihr fünf Jahre älterer Bruder Zooey sitzt rauchend in der Badewanne und liest einen bereits lappigen Brief seines Bruders und Vorbilds Buddy. Die Mutter der Geschwister, Bessie, setzt sich auf den Badewannenrand und spricht mit ihrem emotional abgeklärteren Sohn über Frannys Depressionen. Das Sprachgenie Zooey möchte nicht, dass seine Schwester von einem Psychologen behandelt wird. Er will ihr selber helfen und das Rätsel um ihren Gemütszustand lösen. Zooey ruft Franny aus dem ehemaligen Kinderzimmer an und gibt sich als Buddy aus, den auch Franny sehr bewundert. Die Geschwister telefonieren innerhalb der New Yorker Wohnung miteinander und obwohl Franny das Spiel schnell durchschaut hat, öffnet sie sich ihrem Bruder immer weiter. Zooey erzählt ihr von ihrem Bruder Seymour und dessen Rat für Lebenskünstler. Die gemeinsame Erinnerung an ihren verstorbenen Bruder Seymour löst Frannys Spannung.

Franny und Zooey begeistert wie Der Fänger im Roggen durch einen hohen Identifizierungsfaktor und durch die, für Salinger typische, rohe Sprache. Die kleinste Geste wird aufgezeichnet und beschrieben – niemals kommentiert. Die erschöpfte und suchende Franny steht im Gegensatz zu dem gelassenen, selbstdistanzierten Zooey. Frannys Zweifel an dem Leben selbst und Zooeys Unsicherheiten bezüglich seines Wissens über das Leben, stellen die Problematik des Lebens treffend dar. Salinger will seine unerfahrenen Figuren hinaus in die Welt schicken und sie von ihren Zweifeln befreien. Obwohl in diesem Buch nicht besonders viel passiert und man es langatmig nennen könnte, fasziniert es wie kein anderes. Es ist nichts für Actionliebhaber oder Romantiker, sondern etwas für die stillen Beobachter und für diejenigen, die in den kleinen Details den größten Wert sehen.

J.D. Salinger:
Franny und Zooey (1961)
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld
Rowohlt, Hamburg 2008.
240 S. 8,95 Euro

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