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The Bad 2011

29. Dec 11: Der culturshock-Jahresrückblick Teil II | culturshock-Team

Nachdem wir uns in The Good 2011 der kulturellen Sonnenseite dieses Jahres gewidmet haben, folgt nun: Schatten. Und ja es war dunkel in diesem Jahr, Schlimmes bekamen wir in kultureller Hinsicht zu hören und zu sehen – von den gesellschaftlichen und politischen Katastrophen mal ganz abgesehen. Wenn wir nun die Tiefpunkte der Kultur-Industrie Revue passieren lassen, unhörbare Lieder, grauenvolle Filme und TV-Serien präsentieren und noch einmal feststellen, welche großen Talente und Persönlichkeiten die Welt in diesem Jahr verloren hat, wird uns eins klar: Das Schlechte war in diesem Jahr wirklich bad to the bone – ein Grund mehr, das Gute künftig mehr zu schätzen!

Die Unhörbaren 2011

Auch dieses Jahr blieb uns musikalisch so manch ein Unfall frisch vom Mischpult nicht erspart. Die Frage, warum es scheinbar immer wieder Produzenten wagen, ohne Gehalt einfach jede Ausdünstung eines schwachen Moments unter die Leute bringen zu müssen, kann wohl nie recht befriedigend beantwortet werden. Viele an fast schon menschenrechtsverletzenden Klangschanden erinnernde Retorten bereicherten uns dieses Jahr mal wieder und erreichten höchste Positionen im fiebrigen Ohrwurmbereich. Da hätten wir Rebecca Black, die mit ihrem sinnentleerten Friday das Maß an Toleranz für Teenie-Allüren an Selbstdarstellung aufs Äußerste strapazierte:

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Rebecca Black - „Friday“

Daneben legten die Stuttgarter vom Glasperlenspiel als neuste Deutsche Welle eine von elektronischen Sound unterlegte hohle Floskel zum Thema Echt nach, die mehr an vorpubertären Romantikkitsch erinnert, als denn an ernsthafte Musik geschweige denn Songwriting:

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Glasperlenspiel – „Echt"

Dann meldete sich auch Frau Lopez wieder zurück, wenngleich wir darauf auch gerne verzichtet hätten. Eine solch hohle Nummer mit geklautem Sound lässt sich wirklich nur zusammengekauert On the Floor ertragen:

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Jennifer Lopez - On the Floor

Und dann auch noch das: Pitbull startet einen Großangriff auf alle Geschmacksnerven und holt sich dazu alle Unterstützung, die er finden kann. Scheinbar ist niemand davon abzubringen, seinen Namen und Stimme dieser im Zustand schwerster geistiger Abwesenheit zusammengeschusterten Schrammelmusik mit sinnfreiem verbalen Ausfluss zu leihen:

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Pitbull feat. Marc Anthony - „Rain over me”

Derlei Verbrechen schließen sich noch unendlich fortsetzen, doch zum Wohle aller verzichten wir darauf!

Schmidtsche Ironie

Sein Dasein im öffentlich-rechtlichen Rundfunk währte nicht allzu lang, doch nun ist er zurück und wieder zu Hause, wie es Sat.1 auch großspurig verkünden ließ. Harald Schmidt bekam beim Hausfrauensender seinen gewohnten Platz und scheinbar auch seine alte Form wieder. Zum Auftakt ließ er es ordentlich krachen und die Feuilletonisten waren begeistert, doch scheinbar nur diese! Bereits nach der dritte Folge der Harald Schmidt Show sanken die Quoten ins Bodenlose und Nebenbuhler Stefan Raab gräbt sie ab. Offensichtlich kann der intellektuell anspruchsvollere Sarkasmus eines Harald Schmidt nicht gegen den eher kleingeistigeren Proletenspott des Stefan Raab ankämpfen und Unkenrufe nach dem Aus für Schmidt lassen daher auch nicht lange auf sich warten. Obgleich sein Ruf und Können bei der ARD stark gelitten haben, zeigte sich Schmidt bei seiner Heimkehr durchaus wieder willens, an alte Zeiten anzuknüpfen. Aber ob ihn ein kommerzieller Sender aus sentimentalen Gründen weiterhin ausstrahlen wird, bleibt indes eher zweifelhaft, denn ohne Quoten sinken die Werbeeinnahmen und der sichere Stuhl Schmidts wird fleißig angesägt. So setzt sich langsam der Verfall des Harald Schmidts fort und ob er sich von einem weiteren Rückschlag erholen wird, ist ebenso zweifelhaft, wie der Rückgewinn seiner Quoten.

Menschen, die wir vermissen werden…

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Enttäuschende Filme 2011

Contagion

Schreckensszenarien, die die Menschheit ernsthaft in ihrer Existenz bedrohen, sind allzeit beliebte Motive. Immerhin spiegeln sie – im besten Falle – drastisch und kritisch unsere Ängste sowie Befürchtungen wider. Verbunden mit einer Liebesgeschichte, wie in Perfect Sense, kann aus der filmischen Darbietung ein unter die Haut gehendes Meisterstückchen werden, doch dass es auch anders gehen kann, zeigt uns eindruckslos Regisseur Steven Soderbergh mit seinem im Oktober 2011 erschienenen Film Contagion: Ein schnell mutierender Virus tötet lautlos und relativ schnell Millionen von Menschen weltweit. Der Film zeigt ebenso lautlos, aber leider überhaupt nicht schnell Homeland Security, das CDC und die WHO bei der Arbeit, was hier nichts anderes bedeutet als das Hin- und Herwerfen des Offensichtlichen. Das Schicksal des im Mittelpunkt stehenden Familienvaters Mitch Emhoff (Matt Damon), der immun gegen das Virus und der Ehemann von Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) ist, der Frau, die die Seuche von Asien nach Amerika brachte – wird völlig emotionslos abgerissen, was den gesamten Handlungsstrang völlig deplatziert wirken lässt. Diese oberflächliche Abhandlung zieht sich leider durch den gesamten Film, weshalb er wie ein extrem langgezogener Trailer wirkt, der versucht eine Mischung aus Drama, Politthriller und Katastrophenfilm zu gebären, dabei aber ein weder-noch herauspresst. Schade!

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Krieg der Götter

Von Fantasy-Action-Fans heiß ersehnt und mittels eines bildgewaltigen, vielversprechenden Trailers angepriesen, kam das Spektakel des indischen Regisseurs Tarsem Singh im November 2011 in die deutschen Kinos. Die Handlung: Krieger Theseus (Henry Cavill) wird von Zeus (Luke Evans) zum Retter der Menschheit sowie der olympischen Gottheiten auserkoren und darf gegen den bösen König Hyperion (Mickey Rourke) in den Krieg ziehen. Hyperions Ziel ist die Befreiung der Titanen, die einst im Kampf mit den Olympianern in den Tartarus verbannt wurden. Mit deren Hilfe will Hyperion sowohl die Götter als auch die Menschheit zerstören. Das Ergebnis: ein Graus. Denn die griechische Mythologie ist komplett neu erfunden worden, die Handlung der reinste unausgereifte Zeitraffer und der Actionanteil mehr als dürftig. Das einzig Sehenswerte an dem Film sind die beiden Augenweiden Freida Pinto (Phaedra – das Orakel) und Henry Cavill!

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R.E.M. machen Schluss

Rund 30 Jahre Bangeschichte, 15 Studioalben, große Tourneen – als R.E.M. 1980 zum ersten Mal auftraten – in der Episkopalen Kirche in ihrer Heimatstadt Athens, Georgia – hatte wohl keiner solch eine rasante Karriere vorhergesehen. Ebenso wenig hatten die Gründungsmitglieder Michael Stipe, Mike Mills, Peter Buck und Bill Berry damit gerechnet, mit der Single Losing My Religion und dem anschließenden Album Automatic for the People Zugang zu einem breiten Publikum zu finden, international bekannt zu werden und Chartspitzen zu stürmen, schlicht: Mainstream zu werden – hatte man sich doch stets als Atlernative-Band gesehen. Großartige Musik haben uns R.E.M. über die Jahre beschert – Songs wie It’s The End Of The World As We Know It, Drive, Daysleeper, die wohl ewig in der popkulturellen Erinnerung verankert sein werden. Doch in den letzten Jahren verlor die Musik von R.E.M. zunehmend an Durchschlagskraft – sowohl in künstlerischer als auch kommerzieller Hinsicht. „Zeit zu gehen“, dachten sich wohl Michael Stipe und Kumpanen, als sie sich dieses Jahr im September noch einmal zu einer Best of-Compilation einfanden. Konsequent und respektabel und uns bleibt nur zu sagen: Danke R.E.M.! Und wenn uns die Traurigkeit darüber übermannt, greifen wir gerne zu einem Song von euch:

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Serienflops 2011

Terra Nova

Spielberg kommt von den Dinos einfach nicht los. Alle Projekte nach dem letzten Jurassic Park-Teil vermochten scheinbar eine mysteriöse Saurier-Lücke in seinem Innersten nicht zu stopfen. Wie schön, dass er sich dazu durchgerungen hat, an einer Dinosaurier-Fernsehserie mitzuarbeiten! Im September wurde diese auch endlich in den USA ausgestrahlt und erfreut sich bislang einträglicher Erfolge. Doch ob das auch so bleibt? Die Geschichte ist zugegebenermaßen interessant: Im Jahre 2149 hat es die Menschheit endlich geschafft, sich an den Rand ihres Aussterbens zu katapultieren. Da kommt der entdeckte Zeitriss, – wo, wie, warum sind spannende und unbeantwortete Fragen – der ein Portal in die 85 Millionen Jahre zurückliegende Vergangenheit darstellt, gerade recht. Nach sorgfältiger Auswahl werden dann nach und nach Pilgerfahrten durch das Portal organisiert, um auf Terra Nova ein neues Leben zu starten. Doch auch hier gibt es gespaltene Lager, Intrigen, Mord und Geheimnisse. Im Mittelpunkt befindet sich die Familie Shannon, die zwischen Neuanfang, politischen Verwicklungen und Dinosauriern einfach nur ein friedliches, aber dennoch abenteuerliches Familienglück genießen will. Wenn die teilweise sehr vorhersehbare und äußerst langsam in Fahrt kommende Handlung nur ein wenig actionreicher sowie mit mehr Dinosauriern ausgestattet wird und sich von den stereotypen Charakteren und dem typisch amerikanischen Kitsch verabschiedet, hat zumindest die zweite Staffel die Chance auf einen Platz in unserer Top-Serien-Liste. Wen die erste Staffel also nicht abschreckt, der darf gespannt sein!

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Grimm

Auch NBC präsentiert seit Oktober eine neue Fantasy-Serie, die aus der beständig vollen Inspirationsquelle der Gebrüder Grimm schöpft, wie unser Serien-Top Once Upon A Time. Auch hier stellen sich die Märchen als wahr heraus, allerdings nicht in Form zweier parallel existierender Welten, sondern frei nach Supernatural-Manier. Das heißt, es gibt nicht nur Mensch und Tier, sondern auch was dazwischen und undefinierbares. Der melancholische Held der Geschichte ist der Polizist Nick Burkhardt (David Giuntoli), der auf gänzlich unüberraschende Weise erfährt, dass er der letzte Nachkomme der Grimms ist, einer legendären Jägerdynastie. Fortan sieht er nur noch Monster in Menschengestalt, die natürlich alle mit Hilfe des familiären „Märchenbuches“ identifiziert und letztendlich aufgehalten werden können. Klingt vertraut? Kein Wunder, denn die Serie ist ein wirklich schlechter Mix aus Charmed und Supernatural!

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Die Krise 2011

von Martin Müller

So inflationär wie in diesem Jahr das Wort Krise gebraucht wurde, scheint der Weltuntergang ja ganz nahe zu sein. Oder ist das nur heiße Luft, um die Angst zu schüren und so ein Maß an Ruhe zu gewährleisten, damit sich der elitäre Kreis der Entscheidungsträger weiter im sicheren Fahrwasser bewegen kann? Wo im letzten Jahr noch mit damals schon unvorstellbaren Summen Banken gerettet werden mussten, sind es in diesem Jahr ganze Staaten gewesen, die mit noch unglaublicheren Beträgen vor dem Kollaps bewahrt wurden. Ob diese Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen, ist indes zweifelhaft und noch gigantischere Summen werden uns in Aussicht gestellt, um den Zweifeln zu begegnen. So spinnt sich langsam ein schier endloser Strudel aus Zusagen und Verheißungen, die alle nur ein Ziel haben: Die Rettung! Nur so langsam hegt der gemeine Bürger einen leisen Verdacht, dass es so etwas wie eine Rettung wohl nicht geben wird, denn zu bodenlos ist das Fass der Krise.

Erst war es Griechenland, das mit einer fast schon kriminellen Ader die Bilanzen fälschte und dann um die Hilfe der Partner im Euroraum bat. Unendliche Debatten folgten, Milliarden an Krediten flossen, um das Land zu stabilisieren, Reformen des von Korruption und Misswirtschaft zerfressenen Staates sollen ihn langfristig fit machen und schließlich der Schuldenschnitt, der nun alles Richten soll. Aber trotz all dieser Maßnahmen und harten sozialen Einschnitten für die griechische Bevölkerung bleibt es offen, ob sich das Land wirklich erholen kann. Und was soll helfen? Weiteres Geld, das aber eigentlich auch niemand hat. Schon bahnen sich die nächsten Pleiten an und Irland und Portugal müssen gestützt werden. Dann geraten auch Spanien und Italien ins Wanken. Es folgen neue Ratings, französische Banken verlieren an Boden, schließlich auch der Staat und langsam verliert wirklich jeder den Überblick. Das Zauberwort des Problems: Schulden!

Hätten wir doch früher nicht so sehr auf Pump gelebt und solch gigantischen Schulden angehäuft, dann wäre es heute alles nicht so schlimm. Diese bemerkenswerte Erkenntnis der politischen Kaste ist in ihrer scharfen analytischen Aussagekraft ein Merkmal des Handelns 2011. Es werden Probleme erkannt, die sowieso schon jeder kennt, die Lösungen sind derweil so infantil, wie die Interpretationsebene der handelnden Akteure. Wir bekämpfen das Problem mit dem Problem selbst: mangelndes Geld! Wir pumpen mittlerweile Summen bar jeder Vorstellungskraft in ein System, das sich selbst schon fast überlebt hat. Denn die Wurzel allen Übels ist weniger, dass womöglich der Euro irgendwann an Wert verliert, als vielmehr, dass ein Finanz- und Wirtschaftssystem völlig außer Kontrolle gelaufen ist und sich niemand in verantwortlicher Position traut, diesem System den Maulkorb zu verpassen. Daher verwundert es wenig, wenn Menschen auf die Straßen gehen, wie die sich mittlerweile von New York aus weltweit ausbreitende Occupy Bewegung, und sich gegen die Unvernunft und mangelnde Handlungsbereitschaft ihrer politischen Vertreter erwehren.

Daneben werden dann auch noch diejenigen vergessen, die eh schon am Ende der Hackordnung stehen. Dies musste England im August 2011 dramatisch erfahren, als tagelang fast im Ausnahmezustand jugendliche Randalierer in London, Bristol, Liverpool, Birmingham und Manchester auf sich aufmerksam machen wollten, wenngleich ein Großteil dieser Krawalle lediglich eine sinnlose Zerstörungswut inne hatte. Doch sind sie Sinnbild für die immer stärker werdenden gesellschaftlichen Diskrepanzen und der Angst vor dem, was morgen kommt.

Dass wir in Deutschland bisher noch auf recht sicheren Füßen stehen, bezweifelt noch niemand, aber wie lange dies noch der Fall sein wird, ist indes offen. Zudem haben wir neben der ganzen Krise um die Staatsschulden, den Euro und die Finanzmärkte auch noch innenpolitisch mit dem völligen Versagen unserer Behörden zu kämpfen. Eine weitere Krise, die uns im Fokus zwar gerade vom europäischen Dilemma ablenkt, aber ebenso krisenhaft anmutet. Die Verfassungsschutzbehörden treiben scheinbar ein eigenes Spiel mit dem Staat, den sie ja eigentlich schützen sollen. Die Zwickauer Terrorzelle der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) aus dem Neonazibereich beschäftigt die Nation, bringt die Politik in Erklärungsnot und weckt Skepsis gegenüber den staatlichen Einrichtungen. Immer mehr müssen sich die Behörden erklären, derweil werden das Ausmaß und die Verstrickungen von Tag zu Tag dubioser.

Ja, es kriselt allerorts. Während wir nun den Weihnachtsbraten verdauen und uns erfreuen, dieses Jahr noch ganz gut davon gekommen zu sein, wartet bereits das nächste Jahr auf uns und wir ahnen, dass es gut war, in diesem Jahr nochmals ordentlich im Wohlstand gesuhlt zu haben!

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