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The Ugly 2010

30. Dec 10: Der culturshock-Jahresrückblick Teil III | culturshock-Team

Wir hatten Gutes, wir hatten Schlechtes und nun wird es Zeit fürs Hässliche: Die popkulturellen Kuriositäten, schmutzigen Skandale und trashigsten Phänomene dürfen in unserem Jahresrückblick 2010 natürlich auch nicht fehlen. Nach der Durchsicht aller musikalischen, filmischen und gesellschaftlichen Merkwürdigkeiten, die dieses Jahr zu bieten hatte, sind wir um einige Erkenntnisse reicher, die wir euch selbstverständlich nicht vorenthalten wollen: Die 80er sind nicht totzukriegen, auch nicht in den 10er Jahren. Immer wenn man denkt, das deutsche Fernsehen kann nicht mehr trashiger werden, setzt es noch einen obendrauf. Es ist alles nur geklaut (und gestohlen und gezogen und geraubt)! Man sieht sich immer zweimal im Leben, alternde Actionstars aber noch sehr viel häufiger. Steve Jobs ist der Messias (der minderbemittelten Hipster all over the World). Und ja, The Ugly 2010 war für uns der spaßigste Teil unseres Jahresrückblicks. Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und garantieren euch: Auch 2011 wird es jede Menge Good, Bad and Ugly in Sachen Popkultur geben!

Sie müssen nochmal ran

The Expendables

Die Flut an Wiederkehrern, Reunions, Fortsetzungen und Neuauflagen alter Stars und Filme, wie Universal Soldiers 3 mit Jean Claude Van Damme und Dolph Lundgren oder Das A-Team mit Liam Neeson als Hannibal und Quinton Rampage Jackson als B.A. (!), ist im Jahr 2010 sensationell. Doch ein Film überragt auf eine seltsam erfrischende Weise in der Kategorie „Wiederkehr des Jahres“ einfach alles und jeden: Der Ensemble-Actionfilm The Expendables mit Silvester Stallone als Regisseur. Tja, was mag da wohl anderes herauskommen als eine leidenschaftliche Hommage an den Actionfilm der 80er beziehungsweise 90er Jahre schlechthin. Und tatsächlich, The Expendables erfüllen auch wirklich jedes Klischee: Eine platte Story à la „Du zahlst, wir töten – scheiße, wir wurden verraten, also hauen wir mit Kaboom wieder ab“, muskelbepackte Machos mit sinnfreien, aber coolen Sprüchen und ganz viel Geballer sowie Explosionen. Grandios ist allerdings das Aufgebot an alten Actionstars, wie selbstverständlich die Ein-Mann-Armee Silvester Stallone als Anführer Barney „The Schizo“ Ross, Dolph Lundgren als Blindgänger Gunnar Jensen, Mickey Rourke, Eric Roberts, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis. Natürlich ist auch der Nachwuchs mit an Bord, wie Jason Statham (The Transporter) und Jet Li (Unleashed). Leider vermissen wir in genau diesem Ensemble schmerzlichst Jean Claude Van Damme, Chuck Norris und Michael Dudikoff. Aber wer weiß, Hollywood ist auch mal für eine Überraschung gut.

Flash is required!

Ich glaub, ich bin den 80ern

Es ist doch kaum zu glauben, aber die 80er feiern ein unentwegtes Comeback, das auch im Jahr 2010 kein Ende nimmt. Da feiern die Althelden von OMD sich und ihren damaligen Erfolg durch eine Reunion und finden damit auch noch unglaublichen Anklang. Ihr Werk „History of Modern“ ist so modern, wie der postmoderne Baukitsch historistischer Anwandelungen einiger Städte in Rückbesinnung zu alter Schönheit. Prinzipiell ja ganz nett, aber irgendwie auch ganz schön fehl am Platz. Dennoch findet es Gefallen, dem sich andere längst vergessene ‚Helden‘ nicht erwehren können. Da kommt das Pop-Duo von Alphaville auch wieder aus der Versenkung und beglückt die Fans, die sie vielleicht vermisst haben, mit einer neuen Platte namens „Catching Rays on Giant“, die derart penetrant im Fernsehen beworben wird, dass man schon gar nicht mehr hinhören kann. Ebenso penetrant und latent nervend verfolgt uns wie ein böser Schatten Chris de Burgh, der Schmonzetten-Sänger mit den schmalzigen Balladen. „Moonfleet & Other Stories“ ist die musikalische Interpretation des gleichnamigen Buches von John Meade Falkner. Ob es das Buch verdient hat, so ‚geadelt‘ zu werden, mag man bezweifeln, aber der Ire schert sich wenig darum und hofft auf einige Willige, die sich gerne in die vergangene Zeit mitnehmen lassen, als er erfolgreich und bekannt war. Jedoch den Vogel in Sachen „Back to the 80‘s“ haben ausgerechnet Jungmusiker abgeschossen. Schamlos weiden sie sich an den Sounds der 80er und feiern damit auch noch riesen Erfolg. Hier sind niemand anders als die beiden Jungs von Hurts gemeint. Dreister oder auch cleverer geht es wohl kaum noch. Hierzu könnt ihr gerne unsere ausführliche Kritik zum Album „Happiness“ nachlesen.

Der Heilsbringer ist da!

Steve Jobs präsentiert das iPad – ein Gerät, das kein Mensch braucht, aber jeder haben will

Am 27. Januar betrat der Apple-Messias die Bühne des Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco und präsentierte uns einen Tablet-PC, der die Zeitungsbranche retten, unser permanentes Informationsbedürfnis stillen und unser Leben generell bereichern, wenn nicht gar erst lebenswert machen soll. Die Rede ist natürlich vom iPad, dem „Riesen-iPhone“, das das Internet noch greifbarer und mobiler machen soll. Gedacht ist es weniger zum Arbeiten, sondern eher als Info-Medium für unterwegs, das uns E-Books und den Paid Content von Printmedien noch attraktiver machen soll. Die arg gebeutelte Zeitungsindustrie atmete auf, so lobte auch Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner die von Apple auf den Markt gebrachte Innovation und rief die Verlagschefs weltweit dazu auf, täglich zu beten und Steve Jobs für die Erschaffung dieses ach so wichtigen Geräts zu danken. Seit dem 3. April war das iPad dann für süße 499 Dollar auf dem Markt und bis November sind ungefähr 7,5 Millionen Stück weltweit verkauft worden. Und die Zeitungsbranche? Neueste Studien belegen, dass der Kauf der Magazin- und Zeitungs-Apps bei den iPad-Usern abnimmt, sowie gewisse Kannibalisierungseffekte entstehen, da die Nutzer der kostengünstigeren Apps auf Print-Abonnements verzichten. Die Frage lautet nun: Welche Innovation hat uns das iPad denn nun eigentlich beschert? Eine Marktlücke wurde ja definitiv nicht geschlossen. Die eigentliche Sensation ist wohl eher, dass Steve Jobs es wieder einmal geschafft hat, ein Gerät, das weder einzigartig, noch neu, noch besonders nützlich ist, als das ‚Must Have‘ schlechthin zu präsentieren – und damit auch noch Erfolg zu haben! Vielleicht sollten wir ihm schon allein deshalb huldigen… NÖ! Wir teilen da eher Bart Simpsons Meinung:

Flash is required!

Oh Schreck, sie sind back!

Die Take That-Reunion samt neuer Platte

Es war ja schon seit längerem zu erwarten und kaum mehr eine Überraschung, als Take That nun in der vollständigen Originalbesetzung wieder ein Album herausbrachten. Gespannt wartete man auf das Ergebnis aus der Rückkehr von Robbie Williams zu seinen alten Weggefährten und hoffte auf eine großartige Platte, die das Können der Fünf vereinen würde. Doch dann der Schreck: die Platte klingt nach einem Retortenbaby des Disco-Trash der 90er. Plattgebügelte Songs, einfältig bis gefällig und mit zeitweilig derart infantilen Texten, dass man diese Platte ganz schnell in der Mottenkiste verstauen möchte. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass die mittlerweile in einem gewissen reifen Alter befindlichen Herren etwas mehr zu sagen hätten und vor allem auch musikalisch besser arrangierte Songs hervorbringen würden, doch wird man auf „Progress“ herb enttäuscht. Mehr dazu findet ihr in unserer Kritik zur Platte.

Übers Kreieren und Plagiieren

Flash is required!

Der Skandal um AXOLOTL Roadkill

Begeisterungsstürme, ja gedankliche Standing Ovations löste Anfang 2010 Helene Hegemanns Roman AXOLOTL Roadkill im deutschen Feuilleton aus. Die damals erst 17jährige Autorin wurde als „Wunderkind“ gefeiert, ihr experimenteller, zusammenhangloser Roman über ein wohlstandverwahrlostes Teenie-Mädchen, das ein exzessives Party- und Drogen-Dasein in Berlin führt, zur Sensation deklariert. Doch dann die Nachricht im Februar: Der Blogger Deef Pirmasens gab bekannt, einige Passagen dieses Romans schon zu kennen, und zwar aus dem Buch Strobo des Berliner Bloggers Airen. Helene Hegemann gab zwar daraufhin zu, aus dessen Blog einige Sachen abgeschrieben zu haben, relativierte aber das Ausmaß dieser Tat, indem sie von der „Ablösung dieses ganzen Urheberrechtsexzesses“ sprach und keck formulierte: „Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.“ Das sahen viele Literaturkritiker, die sie nur einige Wochen früher in den Himmel gelobt und ihr zu einem Bestseller-Erfolg verholfen hatten, aber anders. Es entflammte eine heiße Debatte um die Bedeutung des Urheberrechts in der Literatur, um die Berechtigung des Plagiatsvorwurfs, um postmoderne literarische Techniken, die angeblich zum Passagen-Klau berechtigten und die generelle Sharing-Mentalität des 21. Jahrhunderts. Einerseits mag man eingestehen, dass die auf Helene Hegemann niederprasselnde Kritik ein wenig zu viel des Guten war, aber ihr nonchalanter Auftritt am 11. Februar in der Harald Schmidt-Show konnte das für die zuvor vielleicht empfundene Mitleid schnell wieder eindämmen. Sehr viel unnützes Rumgelaber brachte die Debatte hervor und zeigte wieder einmal, wie schnell sich der Wind im deutschen Feuilleton drehen konnte und wie sehr einige Kritiker wohl nach so einer Sensation gegiert hatten. Aber ein Gutes hatte der Schlagabtausch schon: Blogger und Autor Airen wurde vielfach erwähnt, sein Roman Strobo war nach kurzer Zeit vergriffen und inzwischen einem größeren Publikum bekannt. Der Ullstein-Verlag reagierte diplomatisch, setzte sich mit dem Autor in Verbindung und bot ihm sogar einen Vertrag an. Seit der vierten Auflage von AXOLOTL Roadkill ist dem Buch ein Quellenverzeichnis aufgeführt, das Passagen anderer Autoren nennt (neben Airen auch David Foster Wallace, Kathy Acker, Valérie Valère und Rainald Goetz). Und das Jahr 2010 wurde um einen Literaturskandal bereichert, der nachwirkt und vielleicht einige aspirierende Autoren etwas weniger leichtfertig mit fremden Texten umgehen lassen wird.

Titel Thesen Temperamente-Beitrag zum Plagiatsskandal

TV-Peinlichkeit des Jahres

Der wundersame Aufstieg (?) der Daniela Katzenberger

Die wasserstoffblondierte Peinlichkeit mit den unglücklich hoch tätowierten Augenbrauen und dem mittlerweile operativ aufgeplusterten Dekolleté, Daniela Katzenberger, schleicht sich bereits seit April 2009 in die deutsche TV-Landschaft. Ort des Geschehens war damals die Doku-Soap Auf und Davon – Mein Auslandstagebuch, in der sie auf ihrem Weg zum Playboy-Modell begleitet wird, was allerdings nicht so recht funktionierte. Doch während letztes Jahr die wirklich große Masse nur am Rande davon mitbekam, kann sich im Jahr 2010 kaum ein Fernsehzuschauer dem Katzenberger-Phänomen entziehen. Denn die Rheinland-Pfälzische Schnauze mit dem medienwirksamen Sinn für unsinniges Geschwafel steigert die Einschaltquoten scheinbar so gut, dass sie gleich zum Jahresbeginn in dem Auf und Davon-Schwesterformat Goodbye Deutschland! Die Auswanderer mitspielen darf. Und es schaute tatsächlich ein Millionenpublikum dabei zu, wie die stets zweifelhaft motivierte Katzenberger mit dem Leipziger Unternehmer Martin Koslik, der ernsthaftere Part, das „Café Katzenberger“ auf Mallorca eröffnet. Was folgt ist eine Lawine voll dummer Kommentare, diverser Kleinauftritte, die gruselige, am Mischpult präparierte Single „Nothing's Gonna Stop Me Now“, dessen Titel hoffentlich keine Drohung ist, und seit September 2010 ihre eigene TV-Show Daniela Katzenberger – Natürlich blond. Das ist wahrer Trash, der schon wieder so blöde ist, dass man darüber lachen muss! Aber so belustigend es war und zum Teil immer noch ist, lasst uns gemeinsam hoffen, dass das Gerücht über die anstehende TV-Show, in der die Katzenberger einen Mann sucht, NICHT stimmt!

Flash is required!

Und tschüss!

Das haben erstaunlich viele Politiker dieses Jahr gesagt. Bemerkenswert ist vor allem, die meisten haben ein Parteibuch der CDU und bekleideten hohe und gewichtige Ämter. Da tat sich besonders unser Bundespräsident a.D., Horst Köhler, hervor, der aufgrund einiger Differenzen und Kritikern in den eigenen Reihen das Handtuch warf und als erster Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik von seinem Amt zurück trat. Geschockt und verständnislos stand die ganze Republik auf einmal ohne ein Staatsoberhaupt da und fand in dem etwas blass wirkenden Christian Wulff einen Nachfolger in einer der spannendsten Präsidentschaftswahlen in der deutschen Geschichte. Daneben hatten dann auch einige Regierungschefs keine Lust mehr oder andere Böcke zu melken und traten mal eben ab. So Ole von Beust in Hamburg und Roland Koch in Hessen. Man möchte meinen, die CDU verschleißt in diesem Jahr fast ihren gesamten Führungskader. Dann wird ausgerechnet Günther Oettinger aus Stuttgart in die EU-Kommission abberufen und neuer Kommissar für Energie. Welcher Teufel da die Kommission geritten haben mag, bleibt ein Rätsel, doch mit furchtbarem Englisch im herben Schwabendialekt waltet der bisher eher mit dummdreisten Äußerungen bekanntgewordene Ex-Ministerpräsident nun von Brüssel aus. Da fällt der Rücktritt von Margot Käßmann fast schon hinten über. Die ehemalige Vorsitzende der evangelischen Kirche Deutschlands musste wegen eines Verkehrsdeliktes abtreten, einer der wenigen erzwungenen Rücktritte des Jahres. Aber die Trauer hält sich etwas in Grenzen, denn Unkraut vergeht nicht und leider wachsen auch immer wieder welche nach, besonders Politiker!

Bye, bye, MTV!

Ein Abgesang auf MTV hätte man ja schon vor Jahren starten müssen, denn aus dem vormaligen Musiksender war mittlerweile der Hort eines grausigen Sammelsuriums völlig hirnloser Reality-Shows geworden. Nun beschloss man, diesen nur im Suff ertragbaren Unfug in einen Bezahlsender zu verwandeln, der sich dann auch wieder alter Werte besinnen möchte und doch tatsächlich Musik im Programm zeigen will. Da fragt man sich, wer will das eigentlich haben geschweige denn, dafür auch noch Geld ausgeben? Fraglich bleibt zudem, ob es wirklich gelingt, aus dem bisher ziemlich mageren Konzept des Senders etwas herauszuholen, für das man dann auch bereit wäre zu zahlen. Man darf gespannt sein und nochmal in alten Erinnerungen schwelgen, als MTV noch der Musik gehörte und das Sprachrohr einer ganzen Generation war. Da wird einem ganz warm ums Herz!

Flash is required!

Der Retorten-Wahnsinn

Man kann es langsam nicht mehr hören und es scheint, als könnte man sich auch jedes Jahr aufs Neue darüber beschweren. Retortenmusik allerorts überschwemmt den Markt, findet immer wieder Anklang und der geneigte Hörer muss sich doch langsam mal fragen, wer ist das denn jetzt eigentlich, denn es klingt doch irgendwie alles gleich. Mit Vehemenz tröten uns The Black Eyed Peas mit ihren durch alle Kanäle der digitalen Musikbearbeitung gejagten Sounds zu, dann kommen die Hüpfdohlen, meist zart an Alter, dafür mit kräftigen Stimmen, wie Rihanna oder Medina und wie sie alle heißen, mit dem ewig gleichen Gedröhne und Geleihere und zum Schluss noch ein ranziger DJ, der dann den ganzen Mist mit mehr Beats und grausigem Schnickschnack abmischt. David Guetta hat gleich eine ganze Riege von Gastsängern für das Album „One Love“ aufgeboten, mit dem Ergebnis einer völlig eintönigen Platte voll Stumpfsinn und Belanglosigkeit. Obendrein werfen die schon erwähnten Black Eyed Peas auch noch eine furchtbare Cover-Platte alter 80er-Songs auf den Markt und verhunzen so auch schon vorher eher mäßige Songs. Ja, alle Jahre wieder und wir freuen uns schon auf das Nächste!

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