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The Bad 2010

29. Dec 10: Der culturshock-Jahresrückblick Teil II | culturshock-Team

Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks, The Good 2010, haben wir uns den musikalischen und filmischen Höhepunkten des Jahres zugewandt. Doch uns allen ist klar, dass jedes Jahr auch seine Schattenseiten birgt, in denen zunächst vielversprechende Filme bitter enttäuschen und einige Songs unseren Ohren Grauenhaftes antun. Ganz zu schweigen von den wirklich bitteren Tragödien des Jahres, wie etwa der Verlust großartiger Künstler, verheerende Umweltkatastrophen, politische Fehlentscheidungen von großer Tragweite und Schmutzdebatten. 2010 hielt sich nicht zurück mit schlechten Nachrichten, die uns schockierten, aber uns die guten Neuigkeiten umso mehr schätzen ließen. Das sollte man sich vor Augen halten, wenn man unsere kleine Auswahl an popkulturellen und gesellschaftlichen Schrecklichkeiten, The Bad 2010, betrachtet.

Die Unhörbaren 2010

Ja, auch 2010 wurden wir von der Popindustrie nicht verschont und bekamen Lieder auf die Ohren, die unsere Intelligenz beleidigten und sich gleichzeitig so tief ins Hirn brannten, dass man sie nur schwer wieder loswerden konnte. Man hatte die Wahl zwischen bösartigen Ohrwürmern, die uns in Form tausendfach wiederholter, sinnloser Refrainschnipsel wie „Ale-Alejandro“ und „What I want want want, is what you want want want“ belästigten oder pathetischen deutschsprachigen Liedern, die uns das Leben und das Universum erklären wollten und dabei große Ladungen Schmalz absonderten. Da hat der schlechte Geschmack wieder ganze Arbeit geleistet, denn dies hier ist nur eine minimale Auswahl – Justin Bieber, David Guetta und Enrique Iglesias konnten wir euch und uns einfach nicht mehr zumuten:

Flash is required!
Unheilig – „Geboren um zu leben“
Flash is required!
Lady Gaga – „Alejandro“
Flash is required!
Ich+Ich – „Universum“
Flash is required!
Rihanna – „Rude Boy“

Menschen, die wir vermissen werden

Flash is required!
Flash is required!
Flash is required!

Die Geldmaschine

Ein Jahr ist es nun her, dass Michael Jackson unter dubiosen Umständen verstarb, doch sein Name verspricht auch weiterhin reichlich Kapital. Nun ist ein neues Album erschienen mit Songs, die er kurz vor seinem Tod aufnahm. Einfach mit „Michael“ betitelt, verzeichnet es zehn eher semi-gute Songs, die nochmal ordentlich Kasse machen sollen. Daneben kann man nun auch wie Michael Jackson tanzen lernen per Videospiel. Was noch folgen wird, weiß kein Mensch, aber ein Musical gibt es auch schon. Der Tod steht ihr gut war dereinst ein Film, doch im Falle Jackson könnte es auch zum Slogan werden, auch wenn das kein Einzelfall ist. Fleißig sind allerhand Menschen darum bemüht, aus dem Tod berühmter Menschen Profit zu schlagen und sich sogar daran zu weiden. Es ist schon traurig, aber wohl auch ein nicht aufzuhaltendes Gesetz des Marktes. Schade eigentlich, dass es ausgerechnet seiner Familie wenig um das in Ehrenhalten eines geliebten Menschen geht.

Die enttäuschendsten Filme 2010

Social Network

Mit Spannung haben wir in diesem Jahr den lange zuvor angekündigten Film über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erwartet – um dann enttäuscht zu werden: 121 lange Minuten, in denen Regisseur David Fincher sichtlich bemüht, ja vielleicht zu bemüht um eine genaue Charakterstudie des jüngsten Milliardärs der Welt war. The Social Network entpuppte sich als ein Film ohne Sympathieträger, geschweige denn Helden. Ermüdende Dialoge und die wahrscheinlich einige Fünkchen Wahrheit, aber kaum Tiefe enthaltende Darstellung der Gründung von Facebook als eitles Streben nach Anerkennung und vor allem Geld taten ihren Rest, um den Zuschauer gänzlich kalt zu lassen. Aber vielleicht entspricht die Drögheit dieses Films auch einfach bloß seinem Sujet: dem ach so lebensverändernden virtuellen Jahrmarkt der Eitelkeiten, den wir so treffend als „Soziales“ Netzwerk bezeichnen. Unsere ausführliche Kritik zu The Social Network findet ihr HIER

 

Flash is required!

Die Legende von Aang

Wie viele Fans der Anime-Serie Avatar – Der Herr der Elemente mögen wohl den Sommer 2010 sehnlichst herbeigewünscht haben, um endlich die Verfilmung des ersten Buches „Wasser“ in den Kinos bewundern zu dürfen. Doch was sich ihnen dann bot, waren ganze 99 Minuten des Grauens. Denn in diesem filmischen Verbrechen von M. Night Shyamalan ist nichts mehr von dem enthalten, was die Zeichentrick-Serie ausmacht: Charismatische, ganz unterschiedliche Charaktere, die sowohl in ihren bösartigen, als auch witzigen, ernsthaften oder lausbübischen Neigungen glänzend überzeugen. Das Zusammenspiel der Hauptfiguren sowie deren Dialoge werden im Anime durch Esprit und Emotionen getragen, welche eingebettet in die Geschichte um den Eroberungsfeldzug der Feuernation gegen die Wasser- und die Erdnation zwecks Weltherrschaft, bis zuletzt spannend bleibt. Der Kinofilm Die Legende von Aang will dagegen nicht lustig, sondern eher düster sein, damit die Kämpfe sowie Spezialeffekte ganz toll zur Geltung kommen – das ist legitim. Aber mussten diesem Wunsch denn wirklich ganze Handlungsstränge, überzeugende Darsteller und halbwegs intelligente Dialoge zum Opfer fallen? Der ganze Film ist lediglich eine Aneinanderreihung von unerklärten Szenen, die nur dann richtig verstanden werden können, wenn man den Anime kennt. Auch werden ausnahmslos alle Hauptfiguren unfassbar ausdruckslos von den schier unpassenden Schauspielern dargestellt, so dass Gefühle jeglicher Ausrichtungen und emotionale Bindungen einfach nur plump wirken. Der einzige Preis, den diese Anime-Verfilmung verdient hat ist der „Wie versaue ich am schockierensten eine fantastische Vorlage“. Herzlichen Glückwunsch!

Flash is required!

Beilight – Biss zum Abendbrot

Der Erfolg der Twilight-Saga ist unbeschreiblich wie auch unverständlich. Aus diesem Stoff eine Parodie zu machen, bietet sich ja förmlich an. Doch muss das denn auf derart niedrigem Niveau sein? Die Vorlage selbst bewegt sich schon am Rande des Erträglichen, beziehungsweise reicht darüber hinaus, aber die Parodie Beilight – Biss zum Abendbrot übersteigt in Sachen infantiles Gehabe das Original um Längen. Abgestandene Gags reihen sich aneinander ohne auch nur im Entferntesten zu zünden, alte Klischees werden neu bemüht, dummdreist und grenzdebil dargeboten. Zum Lachen ist es leider nicht, denn jeder der sich schon durch die Scary Movie-Reihe geplagt hat, wird spätestens hier kampflos aufgeben. Dabei hätte man mit weit mehr Gefühl für Pointen und weniger oberflächlichen Slapstick-Einlagen eine Parodie zaubern können, die diesen Namen verdient. Einfach nur kindisch und lieblos abgedreht, reiht sich dieser Streifen in die nicht enden wollende Reihe von Nerv tötenden Teenie-Komödien ein, die schnell, belanglos und unverdaut den Gang ins Klo antreten.

Flash is required!

Pleiten, Pech und Pannen

Die gesellschaftlichen und politischen Tiefpunkte 2010 | Martin Müller

Das Jahr 2010 bot alles, was einen spannenden Krimi ausmachen würde. Fast schon apokalyptisch nahm sich das Erdbeben von Haiti aus, das über 200.000 Menschenleben forderte und den gesamten Staat an den Rand des Abgrundes stürzte. Dank einer weltweiten humanitären Krisenintervention hat dieser kleine Staat in der Karibik überhaupt noch eine Chance, auch wenn bis heute noch die Folgen des großen Bebens das Leben bestimmen. Die zusätzlich ausgebrochene Cholera erschwert die Rückkehr des geschundenen Landes in den Alltag.

Während die Amerikaner sich stark an der Hilfe für Haiti beteiligten, bescherte der Untergang der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko den USA die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten. Der gesamte südliche Küstenstreifen war betroffen und die Folgen dieser Katastrophe sind bis heute nicht auszumachen. Der Verursacher soll BP sein, doch wurde bekannt, dass die zuständige Kontrollbehörde sich gerne finanziell ‚blind machen‘ ließ. Der Gesamtschaden wird auf über 40 Milliarden Dollar geschätzt, die allein BP übernehmen soll. Gerade das Management von BP war stark in die Kritik geraten, weil es zunächst verharmloste, dann kein funktionierendes Konzept zur Abdichtung des Lecks vorlegen konnte und eigentlich schon seit längerem vor solch einem Unglück gewarnt wurde. Das Krisenmanagement im Vorstand des BP-Konzerns lief, parodistisch rekonstruiert, wohl ungefähr so ab:

Flash is required!

Aber auch in unserem Land gab es in diesem Jahr reichlich Unterhaltung der weniger guten Art. Da drückte zum Beispiel die Schwarz-Gelbe Koalition die Verlängerung der AKW-Laufzeiten durch, ohne auch nur im Ansatz ein Konzept zu haben, wo der gefährliche Atommüll denn irgendwann mal hin soll. Während alle darüber streiten und keiner den Müll haben will, läuft die Asse langsam voll und die dort abgeworfenen hunderttausende Fässer mit hochradioaktivem Inhalt gammeln fröhlich vor sich hin. Eine tickende Zeitbombe, die nun munter weiter vor sich hin ticken darf, während die Energiekonzerne sich genüsslich die Hände reiben über dieses Geschenk der Regierung.

Dann füllte man das Sommerloch mit einer Integrationsdebatte, die von Thilo Sarrazin losgetreten wurde. Sein Buch Deutschland schafft sich ab gab reichlich Zündstoff, um die Debatte erneut aufflammen zu lassen und am liebsten hätte die SPD ihr Mitglied Sarrazin rausgeworfen. Nach dem durch die Bank weg alle Politiker ihren Senf dazu gaben, den Sarrazin für diese Debatte verfluchten und mehr oder weniger eine gute Figur abgaben oder, wie Horst Seehofer, mit abgedroschenen Stammtischparolen noch mehr Stimmung machten, versandete die ganze Debatte in den Protesten um Stuttgart 21. Doch ging es eigentlich weniger um Inhalte, als vielmehr darum, festzustellen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Na besten Dank, als wenn wir das nicht schon längst gewusst hätten, aber schön, dass unser neuer Bundespräsident Christian Wulff nochmal darauf hin wies!

Mit ebensolcher stoischen Beharrlichkeit im Debattieren ohne konkrete Ergebnisse verkam das Aufkeimen des neuen ‚Mutbürgers‘ oder ‚Protestbürgers‘. Mit Stuttgart 21 legten sich die Bahn und das Land Baden-Württemberg ein schönes Ei. Der unterirdische Bahnhof ist schwindelerregend teuer und eigentlich recht unnütz, aber soll dennoch um jeden Preis gebaut werden. Hitzige Diskussionen bestimmten das Land, tausende Menschen gingen auf die Straße und das halbe Land war in Aufruhr gegen die Staatsgewalt. Der brodelnde Hexenkessel lief dann über, als die Polizei mit Wasserwerfern und recht unsanften Methoden gegen die Demonstranten vorging. Auf einmal waren es keine Hippies mehr, denen man noch munter den Schädel traktieren konnte wie früher, nein, der gemeine Bürger und CDU-Wähler stand nun auf der Straße und kriegte erstmals mit, wie leidenschaftlich der Staat sich gegen seine Bürger zur Wehr setzt. Gekrönt wurde das Ganze dann mit einer Schlichtung, an deren Ende kein Ergebnis vorlag. Mittlerweile saufen die Protestler lieber Glühwein, als sich weiterhin an Bäume zu ketten oder einfach nur auf die kalte Straße zu stellen. Das letzte große Aufbäumen des Bürgers gegen seinen Souverän, eigentlich ja sich selbst in einer Demokratie, jedoch im Falle Deutschlands seine eigene Regierung, stürmten so viele Menschen wie noch nie in Richtung Gorleben und versuchten mit allen Mitteln und Kräften den Kastortransport zu unterbinden. Geholfen hat es freilich nicht, doch der Unmut in der Bevölkerung gegen seine gewählten Staatslenker wächst. Die Regierung fällt immer mehr in Ungnade, versagt auf ganzer Linie und beschimpft sich selbst noch als ‚Saubande‘ und ‚Gurkentruppe‘. Ach, was haben wir uns da nur angetan.

särra schrieb am 29.12.2010 09:42

ich gehe mit allen unhörbaren songs d`accord!

UNIVERSUM ist einfach soooo unglaublich furchtbar, das könnte auch von PUR gesungen werden!ich danke euch für diese objektive einschätzung und kann nur noch eins sagen:

Bye Fernando!

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