The Good, the Bad and the Ugly 2009 III
22. Dec 09: Der Culturshock-Jahresrückblick Teil III: The Ugly | Das Culturshock-Team
Im dritten Teil unseres Jahresrückblick wirds hässlich, peinlich und trashig. Das Gruselkabinett der Absurditäten 2009 ist nichts für schwache Nerven, aber umso mehr für stark Genervte!
Musikalische Kuriositäten 2009
Ein Jahr wie jedes andere? In vieler Hinsicht sicherlich, aber die ein oder andere Überraschung verbarg sich dann doch hinter den Kulissen der Musikmaschinerie.
So schlossen sich die begabtesten Künstler in ‚Superbands‘ zusammen, wie Connor Obersts Folk-Supergroup Monsters of Folk, bestehend aus Jim James von My Morning Jacket, M. Ward und Mike Mogis, mit dem er schon Bright Eyes gegründet hatte, und Them Crooked Vultures von Josh Homme mit Dave Grohl (Foo Fighters) und Led Zeppelin-Bassisten John Paul Jones. Sie bewiesen, dass nicht immer viele Köche den Brei verderben und vereint wunderbare Werke schaffen können.
Auch Yoko Ono meldete sich wieder musikalisch zurück mit ihrer Plastic Ono Band und dem neuen Album „Between My Head and the Sky“. Ein interessantes Werk, in dem sie ihren Kritikern beweist, dass in Sachen Avantgarde kein Weg an ihr vorbei führt.
Den wohl skurrilsten Wurf landete der Vatikan. Ende November brachte Papst Benedikt XVI (!) ein Album auf den Markt mit lateinischen Mariengesängen, untermalt von Gregorianischen Chor und eine musikalischen Mischung aus Enigma und Enya. Nun ja, auch dafür wird es einen Markt geben…
Und U2? Natürlich überraschten oder vielmehr beeindruckten sie die Welt mit einer Tour der Superlative. Die größte Bühne der Musikgeschichte ging um die Welt und begeisterte Millionen. Man fragt sich, wohin das Ganze noch führen soll.
Die ‚Queen of Pop‘ überrascht dann mehr mit ihrem neuen Lover. Der Tabubruch wegen Madonnas Wahl eines nur halb so alten Freundes lenkte von den weniger erwähnenswerten musikalischen Leistungen ab.
Aus der Versenkung auferstanden tourten Faith No More dieses Jahr durch die Lande und zeigten, dass sie immer noch so grandios sind, wie zu ihren besten Zeiten.
Oasis hingegen haben sich jetzt anscheinend nicht mehr lieb, beziehungsweise kann Noel nicht mehr mit Bruder Liam, und überhaupt eigentlich mit niemandem. Mal sehen, wie lange das so bleibt und sie sich dann doch wieder zusammenraufen. Wäre sonst ziemlich langweilig.
TV-Peinlichkeit des Jahres
- Mission Hollywood
In seiner Casting-Sendung „Mission Hollywood“ auf RTL gab Til Schweiger vor, es in Hollywood geschafft zu haben und anderen untalentierten Dumpfbacken auf dem Weg dorthin zu helfen. Zur Seite standen dem ‚Schauspieler‘ in der Jury unter anderem Macho-Kumpel wie Heiner Lauterbach und Moritz Bleibtreu (der uns mit dieser Aktion sehr enttäuscht hat). Die Siegerin des als Talentwettbewerb getarnten sexistischen Schaulaufens wird im dritten Teil der Twilight-Verfilmung zu sehen sein, also einmal kurz durchs Bild huschen oder von einem Vampir angeknabbert werden.
Politische Absurditäten 2009
- Friedensnobelpreis für Obama
Viele waren der Ansicht, dass US-Präsident Barack Obama bisher zu wenig geleistet hat, oder gar dem Frieden beispielsweise durch Truppenaufstockung in Afghanistan eher entgegengewirkt hat, um diesen Preis wirklich zu verdienen. Dabei scheint es nur konsequent, dass der Präsident eines Landes, das gerne Präventivkriege führt, auch für bisher noch nicht vollbrachte Leistungen geehrt wird.
- Guido Westerwelle als Außenminister
Ein wahrhaft polyglotter Kosmopolit, der Guido:
- 20 Jahre Mauerfall
Was für ein geschichtsträchtiges Ereignis. Kaum zu glauben, dass es bereits 20 Jahre keine Mauer mehr gibt. Ein besonderer Grund, diese für die Geschichte so einschneidende Wende, ausführlich zu würdigen. Aber so derart penetrant wie es im TV erfolgte, schien vielmehr ein Wetteifern der Sender ausgebrochen zu sein. Jeder fand noch Geschichten, die es so bisher nicht erzählt gab. Bis zur Grenze der Belastbarkeit wurde per Dauerbestrahlung alles abgefeuert, was das Fernseharchiv im Keller noch verbarg.
Gekrönt wurde das Spektakel von einer an Ausmaß noch nicht gekannten Feierlichkeit in Berlin, die sich über mehrere Monate erstreckte und schließlich in einer glanzvoll geplanten ‚Party‘ am Brandenburger Tor enden sollte. Doch war diese alles andere als glanzvoll. Mit viel Pathos wurde die eigentliche Würde und Stimmung der Gäste in sinnloser Symbolik ertränkt, so dass manch eine Geste eher makaber wirkte. So baute man eine Mauer aus überdimensionalen Dominosteinen wieder auf, die faktisch die Stadt erneut teilte. Niemand der ‚normalen‘ Zuschauer konnte während und nach der ‚Party‘ diese Mauer überwinden. Abgesehen von den begleitenden pathetischen Reden, die dem Anlass wohl oder übel folgen mussten, traten noch Adoro mit dem total verhunzten „Freiheit“ von Westerhagen, Bon Jovi als ‚Zeitzeugen‘ mit einer belanglosen Nummer und der Techno-Königs Paul van Dyk mit seiner schmalzigen und kitschigen ‚Hymne‘ „We are One“ auf. Ungeahnt komisch gerieten die Dolmetscher mit wahnsinnig übertriebenen Betonungen, die so zu den eigentlichen Stimmungsmachern wurden, denn Moderator Thomas Gottschalk war schlichtweg deplatziert und ließ den Abend zu einem Wetten dass…? im Regen verkommen. Und auch das wohl furios geplante Ende mit riesigem Feuerwerk verpuffte in den zu tief hängenden Wolken. Das Wetter schien bezeichnend für den Abend zu sein: Regen über alles! Weniger eine Party als mehr eine Fernsehshow, die für die Anwesenden dank vieler technischer Problem schon fast zur Zumutung wurde.
Insgesamt haben unsere Fernsehanstalten eine durchweg mediale Veranstaltung abgeliefert, mit allem, was dazu gehört. Aber immer hübsch nach Drehbuch und mit gutem Licht für die Kamera. Die Menschen der Wende selbst waren eher zweitrangig. Passen halt nicht immer so schön ins Bild.
Kinski wäre stolz - Der Wutanfall des Jahres
Christian Bales phänomenaler Ausraster bei den Dreharbeiten zu Terminator 4 erfolgte zwar schon im August 2008, aber erst Februar 2009 wurde der Audio-Mitschnitt dazu auf Youtube veröffentlicht. Das Tape beflügelte die Fantasie zahlreicher User, die nach passenden Bildern zu diesem ursprünglich vierminütigen verbalen Gemetzel eines mit Blockbustern offensichtlich überforderten Bales gierten:
TV (S)HIT 2009
- XXL-Schnitzel, Currywurst & Co.
Die populärsten Privatsender Deutschlands (z.B. Pro 7, VOX, RTL 2 oder Kabel 1) bombardierten uns im Jahr 2009 geradezu mit Berichten, Shows und ganzen Reportagen zu Fast Food. Besonders beliebt waren dabei das XXL-Schnitzel und die schärfste Currywurst der Welt! Doch werte TV-Produzenten, spätestens nach dem zwanzigsten XXL-Fast-Food-Test mit Jumbo Schreiner (Galileo) oder Berichten darüber, „was der Deutsche am liebsten isst“, hatte jeder mitbekommen, was er nie wissen wollte…
Unfassbar!
- Windows 7: Die IT-Welt flippt aus, ein Betriebssystem von Microsoft das funktioniert! Die letzten zehn Jahre hat Microsoft immer sehr viel Wert darauf gelegt, dass jeder noch so technikfremde Mensch eine gigantische optische Weiterentwicklung wahrnimmt. Nach dem Vista-Reinfall musste Microsoft jedoch einsehen, dass die meisten an ein Betriebssystem die gleichen Anforderungen stellen wie an jedes andere Gerät auch: Es soll das Leben einfacher machen und dabei wenn möglich gut aussehen.
- Die Piratenpartei: Die Nerds gründen eine Partei, werden sogar gewählt und kommen ins Fernsehen. So ließe sich ihre Geschichte zusammenfassen. Zwar hat die Piratenpartei wie jede andere Kleinstpartei auch nur wenige Themen, aber es geht immerhin um die Stärkung unseres Grundgesetzes, welches dieses Jahr ja besonders gefeiert wurde.
Tangierte uns nur peripher
- Der sogenannte Wahlkampf
- Zweiohrküken
- Miley Cyrus
Soll es das gewesen sein?
Mit dem Jahr 2009 und unserem Rückblick dazu: Ja!
Das Culturshock-Team wünscht Euch ein schönes Weihnachtsfest und freut sich darauf, Euch im neuen Jahr mit Neuigkeiten in Sachen (Pop)Kultur zu versorgen!
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