The Good, the Bad and the Ugly 2009 II
21. Dec 09: Der Culturshock-Jahresrückblick Teil II: The Bad | Das Culturshock-Team
Eine Generalabrechnung mit den schlechten kulturellen Erzeugnissen 2009 darf in unserem Jahresrückblick natürlich auch nicht fehlen. Unbegründete Medienhypes, scheinheiliges Trauergetue und Lieder, die niemals hätten erklingen sollen - das lassen wir zum Jahresende glücklicherweise hinter uns.
Die größte filmische Enttäuschung
- Inglourious Basterds
Was haben wir uns auf einen neuen Tarantino-Film gefreut! Nach dem fulminanten Kill Bill-Epos 2004 bekamen wir 2007 mit Death Proof lediglich eine kleine Zwischenmahlzeit im Grindhouse-Stil verabreicht, so dass die Spannung auf einen weiteren Film von Hollywoods Enfant terrible weiter wuchs. Schon im Vorfeld sorgte Inglourious Basterds aufgrund des historischen Kontextes, in dem er verortet ist, für Argwohn. Die Verzahnung des gewohnt splatterhaften, selbstbezogenen Tarantino-Stils mit einem halb fiktiven Teil aus der realen Geschichte des Zweiten Weltkriegs rief denn auch höchst unterschiedliche Reaktionen vor. Doch selbst wenn man über diese grenzwertige Kombination hinwegsieht, ist Inglourious Basterds ein schlechter Tarantino-Film: Die in seinen bisherigen Filmen bewusst Brüche verursachenden Dialoge fallen in Inglourious Basterds einfach nur überflüssig und hölzern aus. Die für den Film ausgewählten deutschen Schauspieler wirken seltsam deplatziert (obwohl es eine sehr kluge Wahl war, Til Schweiger lediglich ein Minimum an Text zu gewähren) und als Ganzes fügt sich der wilde Mix aus Rachefantasie, Neo-Western und Hollywood-Nazi-Klischees einfach nicht zusammen. Lediglich Christoph Waltz als nonchalanter Kriegsverbrecher und Daniel Brühl als stolzes Propaganda-Bübchen verdienen großes Lob. Dennoch kann es letzten Endes nur auf die explosive Thematik und die enormen Marketingkampagnen (denen das deutsche Feuilleton größtenteils allzu gerne entgegenkam) zurückzuführen sein, dass Inglourious Basterds Tarantinos bislang kommerziell erfolgreichster Film geworden ist.
Die Unhörbaren 2009
Lieder, die so stupide und nervtötend waren, dass wir sie nicht näher umschreiben wollen.
- Polarkreis 18 – Allein, allein
- Black Eyed Peas – Boom Boom Pow
- Lady Gaga – Gesamtwerk 2009
TV-Schleimbrocken 2009
- Markus Lanz
Aalglatt, unglaubwürdig und auf widerwärtige Weise 'menschelnd' - Reinhold Beckmann hat mit dem offiziellen Kerner-Nachfolger Markus Lanz ernsthafte Konkurrenz bekommen. Das Talk-Grauen, das uns das ZDF 2009 gehörig um die Ohren haute, war schon vor ein Paar Jahren bei Harald Schmidt (damals noch auf Sat.1)abzusehen:
Tod des Jahres
Natürlich kommt man da nicht an Michael Jackson vorbei. Unglaublich, wie sich seit dem Tod des ‚King of Pop‘ ein Mythos aufgebaut hat, der zu seinen Lebzeiten nicht besser hätte vermarktet werden können. Es scheint, der Familie hätte nichts Besseres passieren können, und so schlachten sie seinen Tod in reichlich pietätloser Weise aus, benutzen sein Leben für Musicals und DVDs und ziehen aus allem, was vermarktet werden kann, würdelos Geld. Und die Medien sind mit derart Übermaß damit beschäftigt, Verklärung zu betreiben, dass es einen fast schon ekelt. Aber dieses Schicksal haftet allen tragischen Figuren an, die auf dubiose Weise aus dem Leben scheiden. Großes in der Musik hat er vollbracht (auch wenn seine letzten musikalischen Werke durchweg furchtbar waren) und viele Schlagzeilen wegen seiner Eskapaden produziert, doch bleibt das Tragische in seiner Person das Bestimmende, deren man sich erinnern wird.
Serienflops 2009
- Terminator: S.C.C.
Während die Film-Tetralogie noch Kultstatus hat, kann die Serie, welche an den ersten und zweiten Teil anknüpft, nicht mal unter Trash verbucht werden. Denn erstens klammert die Handlung den dritten Teil vollkommen aus, zweitens gibt es keine erwähnenswerte Handlung und drittens sind die Charaktere absolut fehlbesetzt. Beispielsweise wird Sarah Connor von der britischen Schauspielerin Lena Headey (Eine Hochzeit zu dritt) dargestellt, die in dramatischen Liebesschnulzen wirklich besser aufgehoben ist und John Connor ist auf einmal ein uncharismatischer Warmduscher, bei dem der Gedanke an den zukünftigen Rebellen à la Christian Bale (Terminator 4) widersinnig erscheint. Nur gut, dass die Serie auch in den USA floppte und sie nach der 2. Staffel abgesetzt wurde.
- Knight Rider
Das US-amerikanische ‚Update‘ zum 80er Jahre Erfolg Knight Rider mit David Hasselhoff ist eine typische „aus-Alt-mach-Neu-Story“, deren einziges Highlight der Ford Mustang Shelby 500 GT als K.I.T.T. ist (von Liebhabern auch „Eleanor“ genannt). Die neuen Hauptfiguren, Mike Traceur, der Sohn von Michael Knight und Sarah Graiman, die Tochter des K.I.T.T.-Entwicklers, sind dagegen recht einfallslos gestaltet, was aber vorzüglich zur misslungenen Neuauflage passt.
- Legend of the Seeker - Das Schwert der Wahrheit
Hach, wo sind bloß die guten alten Xena- und Herkules-Zeiten hin, in denen Fantasy und Mythologie noch mit allerlei Witz, Charme und Action in Szene gesetzt wurden… Legend of the Seeker ist im Vergleich dazu eine echte Schande, denn die Dialoge sind erschreckend schlecht und die Geschichte taugt höchstens für günstige Computerspiele. Auch für eingefleischte Fans der Buchreihe Schwert der Wahrheit von Fantasy-Autorin Terry Goodkind muss diese Serie eine Freveltat sein, da grade zu verstümmelnde Veränderungen vorgenommen wurden.
Menschen, die wir vermissen werden
- Monica Bleibtreu: Sie starb am 13. Mai in Hamburg. Eine der großen Schauspielerinnen, die Deutschland hatte und deren großartiges Wirken bleiben wird.
- David Carradine: Er starb auf mysteriöse Weise am 4. Juni in Bangkok. Vom Shaolin-Mönch Kwai Chang Caine der TV-Serie „Kung Fu“ zum gejagten Bill machte er sich zur Ikone.
- Farrah Fawcett: Sie starb am 25. Juni an Krebs. Als eine der drei Engel um die Stimme Charlie gelangte sie zu Kultstatus der selbstbewussten Weiblichkeit.
- Pina Bausch: Sie starb am 30. Juni nur fünf Tage nach dem diagnostizierten Krebs, als größte deutsche Choreografin der Gegenwart.
- Patrick Swayze: Er verlor am 14. September 2009 den Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs. In Erinnerung wird er wohl als Tanzlehrer aus Dirty Dancing in die Filmgeschichte eingehen.
- Jeanne-Claude: Sie starb am 18. November in New York an einer Hirnblutung. Als die Frau an der Seite von Christo zeigte sie, wie aus Verhüllungskunst ein Spektakel werden kann.
- Brittany Murphy: Nur 32 Jahre war Brittany Murphy, als sie am 20. Dezember an Herzversagen starb. Von der Teenie-Komödie Clueless bis zu interessanteren Rollen in Filmen wie Spun und Sin City machte sie eine rasante Entwicklung durch, die leider ein viel zu frühes Ende fand.
Comeback des Jahres
Manche Trends sind so hartnäckig wie Johannes Heesters, der anscheinend auch noch unsere Generation überleben wird. So haben sich auch dieses Jahr einige Musiker gedacht, bevor wir im Grab der Vergessenheit vermodern, zeigen wir der Öffentlichkeit, dass Totgeglaubte eben doch länger leben. Doch bei einigen hätte man auf diese ‚künstlerischen‘ Lebenszeichen durchaus verzichten können.
Insbesondere Robbie Williams konnte nach Jahren voller Alkohol und Drogen mit dem über-inszenierte Medienrummel um sein neues Album „Reallity Killed the Video Star“ nicht überzeugen. Retortenlieder, viel Hymnus und wenig zu sagen. Irgendwie scheinen die Jahre in den Staaten ihren Einfluss hinterlassen zu haben. Sehr oberflächlich geht es zu, ohne zu berühren.
Was meint Ihr?
Haben wir all das Schlechte dieses Jahres zu Genüge erfasst? Oder waren wir zu nett oder gar ungerecht? Eure unverblümte Meinung ist gefragt.
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