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22. Sep 10: Interpol sind auf den Spuren ihrer eigenen Wurzeln in neue Gefilde vorgedrungen | Martin Müller

Nach langem Warten und hoffnungsvollen Ankündigungen haben Interpol ihr neues Album herausgebracht. Sie wollten sich wieder ihrer Wurzeln erinnern, die so eindrucksvoll mit ihrem ersten Album „Turn on the bright Lights“ gelegt wurden. Die Kritiker waren begeistert, ihr Ruf als eine der prägendsten Bands der Post-Punk und New Wave-Bewegung damit begründet und auch schnell die Vergleiche mit Joy Division bemüht worden. Doch haben sie sich diesen Vergleichen immer verwehrt und dies auch zu Recht, denn ihre Musik ist mehr als ein Aufguss oder Abklatsch. Mit Attitüde und Pathos inszenierten sie sich selbst und daher waren die Erwartungen an das neue Album „Interpol“ dementsprechend hoch, nachdem bei den Vorgängerplatten nicht eben gleich lautende Begeisterung aufkeimte, wie beim Debüt. Die schlichte Selbstbetitelung der Platte scheint wie ein Bekenntnis zu sich selbst oder die Erwartung daran, hier die Essenz dessen zu finden, was unter Interpol als musikalische Marke verstanden werden soll. Sei es drum, die neue Platte ist wie ein Blick zurück und gleichzeitig nach vorn, wie sich die New Yorker weiterentwickelt haben.

So ist dann auch die Platte zweigeteilt. Experimente der letzten Platte, wie die Bläser, wurden verbannt, wie gleich im Opener „Success“ zu bemerken ist, und dafür wieder Daniel Kesslers prägnanten Gitarrenriffs in all ihrer schrammligen Eleganz, Sam Fogarinos unaufgeregtes Schlagzeugspiel und das in die Lücken gesetzte Vibrieren von Carlos Denglers Bass zurück in den Vordergrund geholt. Auf diesem sphärischen Klangteppich wandelt dann Paul Banks dunkler Gesang, verstärkt mit einer gehörigen Portion Hall. Zusammen erzeugen die Vier eine epische Breite, die nur dann und wann etwas Unterstützung durch eingestreute Klavierklänge erfährt. Aber hier nur von einer Replik ihres eigenen alten Sounds zu sprechen, wäre fatal. Mehr Harmonien haben sich in die Songstrukturen eingeschlichen, die einen dichteren Sound erzeugen, wie in „Lights“ eindrucksvoll zu vernehmen ist. Mit „Barricade“ ist dann die Rückbesinnung auch vorbei und geht dann über in den zweiten Teil, in dem sich Interpol aufmachen, neue Experimente zu wagen. In „Always Malaise (The Man I am)“ ersetzt das Klavier die Gitarren, lösen so die gewohnten dichten Soundstrukturen auf. Diese Devise, weniger ist mehr, trägt sich fort in so noch nicht gehörte Interpol Songs, wie „Try it on“ das geprägt ist von fluorisierenden Synthiesounds. Doch bleiben sie sich thematisch treu: Leid mit der Liebe, der Verlust derselben und die Probleme des Ruhms.

Mit „Interpol“ haben sich die New Yorker aufgemacht, ihren ureigenen Sound zu harmonisieren und durchbrechen doch ihren Pathos. Gerade die zweite Hälfte zeigt ungeahnte Experimente mit wesentlich mehr Mut zu Lücken im Sound und gerade wie dieser Freiraum befreiend wirken kann. Auf „Our Love to Admire“ wirkten diese Versuche noch eher kläglich, weil sie zu sehr in ihren eigenen Mustern gefangen waren. Nun gibt es weniger Attitüde und vielmehr ein Lächeln der Gelassenheit – nicht nur auf den Gesichtern. Eine Weiterentwicklung, die vom Aufbruch in neue Gefilde zeugt, wie fast schon symbolisch durch den Weggang, nach den Aufnahmen der neuen Platte, von Bassist Drengler bestätigt wird. Für Ersatz ist gesorgt und es bleibt spannend, wohin sich die neuen alten Interpol noch entwickeln werden.

Offizielle Website von Interpol

Interpol von Interpol
Erschienen am 03.09.2010 bei Cooperative Music (Universal)
Tourdaten für Deutschland:
20.11.2010 - Tempodrom, Berlin
22.11.2010 - Westfalenhalle, Dortmund

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