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Chroniken eines Gläubigen

14. Oct 09: Inside a Skinhead - Ein Film von Henry Bean (2001) | Jana Brinckmann

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Wenn du in den Spiegel schaust, was siehst du?

Wen oder was Daniel „Danny“ Balint, die Hauptfigur des Dramas Inside a Skinhead (Originaltitel: The Believer) sieht, können wir Dank der poetischen Eröffnung des Films bereits erahnen, in der der römische Dichter Catull wie folgt zitiert wird: „I Hate and I Love. Who can tell me Why?“. Der Regisseur und Autor Henry Bean zeigt in seinem Film eine erschütternde Charakterstudie über den jüdischen US-Amerikaner Danny Balint, der seine religiösen Wurzeln nicht nur hasst und verleugnet, sondern sie als Neonazi auch bekämpft.

Die Hauptfigur, gespielt von Ryan Gosling (u.a. bekannt aus The Notebook von 2004), ist ein überdurchschnittlich intelligenter sowie eloquenter junger Mann, der schon als Kind die Thora, Gott und die Welt provokant hinterfragt. Er empfindet zum Beispiel die Prüfung Gottes, dass Abraham seinen Erstgeborenen für ihn opfern soll, nicht als ein Zeichen treuen Glaubens, sondern als Erniedrigung. Und je mehr er sich mit der jüdischen Religion sowie Geschichte auseinandersetzt, desto mehr empfindet er Gott als ein machtbesessenes, arrogantes und sadistisches Wesen. Der Jude wird dabei zum ewigen Opfer, zum Sinnbild von demütiger Schwäche. Daniel Balint hasst Schwäche, er hasst die Opferrolle seines Volkes, er hasst sich selbst, denn er liebt die Juden! Deshalb wird er zum Täter, zum Nazi, und lässt seine Wut über die Ohnmacht, die Gottesfurcht, die Liebe zur Abstraktion und ‚dem Nichts‘ in das die Glaubenslehre für ihn führt, an jüdischen Mitbürgern aus, in denen er keinen greifbaren Kampfgeist sieht.

Der Film Inside a Skinhead erhielt 2001 zu Recht den 'Dramatic Grand Jury Prize' auf dem Sundance Festival. Denn er erschüttert nicht durch rohe Gewaltszenen und hirnlose Nazis, sondern durch geistige Brutalität. Daniel Balint ist kein lieber Kerl, das wird bereits in der ersten Szene klar, in der er einen jüdischen Jungen zusammenschlägt. Allerdings wird in dieser Szene ebenso deutlich, dass er die Wehrlosigkeit schlägt. Er schreit mit verzweifelten Augen: „SCHLAG MICH! WEHR DICH ENDLICH!“ Die durchgängigen Rückblenden in seine Schulzeit zeigen die Dispute mit seinem Religionslehrer, der ihn aufgrund seiner ablehnenden Haltung Gott gegenüber hinauswirft. Und dennoch, trotz aller Zweifel, verehrt er die Heilige Schrift, die er bei einem Anschlag auf eine Synagoge rettet. Die Anschläge und öffentlichen Provokationen bleiben natürlich nicht ohne Strafen. So muss Daniel mit drei seiner Kameraden aufgrund einer Schlägerei an einem Therapieprogramm teilnehmen, in dem sie mit Holocaust-Überlebenden zusammengeführt werden. Es ist die bewegendste Szene im gesamten Film, denn hier trifft Trauer auf Hass. Die Geschichte eines alten Mannes, der mit ansehen musste, wie sein 3-jähriger Sohn von Nazi-Offizieren aufgespießt wird, verfolgt Daniel den restlichen Film hindurch. Er sieht die Szene ständig vor sich und rastet vor Ohnmacht und Trauer völlig aus. Er sieht sich als Offizier. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, denn die Aufdeckung seiner jüdischen Herkunft durch einen Journalisten, das unverhoffte Wiedersehen seiner jüdischen Freunde und seine stetig wachsende Zerrissenheit, zwingen ihn zur Selbsterkenntnis.

Henry Bean zeigt uns in seinem Regiedebüt Inside a Skinhead eine sehr interessante Sichtweise des schwierigen Themas und überzeugt durch die hervorragende Charakteranalyse des Protagonisten Daniel Balint, welcher ebenso überzeugend von Ryan Gosling gespielt wird. Der einzige Wehrmutstropfen an dieser Emotionsbombe von Film ist jedoch das Ende, welches trotz eines unbestreitbar philosophischen Wertes, nicht recht zum Glauben der Hauptfigur passen will.

 

Inside a Skinhead (The Believer). USA 2001. 94 min.
Regie und Drehbuch: Henry Bean.
Hauptdarsteller u.a.: Ryan Gosling, Summer Phoenix, Billy Zane.
Erschienen auf DVD bei: Alive AG.
Dt. DVD-Start: 12.06.2009.

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